53. Die Schöne im Grabe.
Das Feuer wärmt mich noch du Ausbund schöner Leichen
So unter deiner Asch itzund begraben liegt:
Das Bildniß deines Geists wohin dein Staub verfliegt
Kan weder Zeit noch Ort aus meinem Hertzen streichen.
Die Flamme vorger Zeit muß bey der Glutt erbleichen
Die mir nachdem du kalt die heiße Brust bekriegt.
Mein Hertze das so wohl mit deinem war vergnügt
Wünscht desto mehr was ihm so zeitlich muß entweichen.
O wunder-grosse Macht der unbesiegten Liebe
Die noch den todten Leib beseelt mit Anmutts-Triebe
Aus starrer Glieder Eyß die alte Brunst erzwingt.
Sie wird doch nicht ersäufft von meinem strengen Weinen
Weil meine Flammen zwar durch diesen Marmor scheinen
Doch keine Thränen-Bach den harten Stein durchdringt.