[6] Als der glückliche und Kunstreiche Schütze Floridon ...

By Friedrich Rudolph Ludwig von Canitz

Written 1676-01-01 - 1676-01-01

Floridon, wir solten dir

Billig so ein Denck-Mahl setzen,

Daß gar nichts desselben Zier

Fähig wäre zu verletzen;

Weil das Glück mit deiner Kunst

Einen solchen Bund geschlossen,

Daß, durch ihrer beyder Gunst,

Du den Flügel abgeschossen.

Aber, es kan nicht bestehn

Was aus unsrer Feder rinnet;

Pfleget nicht schnell zu vergehn,

Was ein schwacher Geist ersinnet?

Du kennst keine Niedrigkeit,

Und wir kleben an der Erden;

Drum wird besser anderweit

Deine That gepriesen werden.

Zwickau wird den schönen Schuß

Freudig in sein Zeit-Buch schreiben,

An dem gelben Pleissen-Fluß

Wird er unvergessen bleiben.

Weimar hat dir zuerkannt

Immer-grüne Sieges-Kronen,

Und dein andres Vaterland

Zeitz, wird deine Kunst belohnen.

Dannoch wisse, daß auch wir,

Wir, der Ausbund deiner Treuen,

Uns bey unsern Linden hier

Uber dieses Glück erfreuen,

Das dich aus der finstern Nacht

Der Vergänglichkeit entrissen,

So, daß manches Siegers Pracht

Deinem Ruhm wird weichen müssen.

Giebt man uns ein Gläßgen Wein,

Wann wir in der Rose sitzen,

Muß es die Gesundheit seyn

Des berühmten Vogel-Schützen,

Der die Ehre hat gehabt

Einen Flügel zu bestreiten,

Und drauf lassen wir den Abt

Auf dein Wohlergehen reuten.

Fragt uns einer, ob wir nicht

Etwas neues wo gehöret?

Was man vom Turenne spricht,

Ob er noch die Pfaltz verstöret?

Trägt er den Bescheid davon:

Daß wir anders nichts vernommen,

Als daß unser Floridon

Dreyßig Gülden jüngst bekommen.

Unterdessen schicke dich

Dieses Geld wohl anzulegen,

Glaub uns, sonst verzehrt es sich,

Und bringt weder Glück noch Seegen.

Gieb uns allen einen Schmauß,

Daß wir doch von deinem Schiessen,

Komst du wieder her nach Hauß,

Gleichwohl etwas mit geniessen.

Eile, wehrter Floridon,

Weg aus deinem Schwanen-Neste,

Komm, dann unser Helikon

Schmücket sich aufs allerbeste.

Phöbus selbst ist hertzlich froh,

Und erwartet, mit Verlangen,

Wann du komst von dubenroh,

Dich, nach Würden, zu empfangen.

Nun! wir wollen biß dahin

Unsern Glückwunsch auch versparen,

Wann von Schiessen und Gewinn

Wir gewißre Post erfahren.

Dann soll unsre gantze Schaar

Sich, nach Möglichkeit, bemühen,

Um dein zierlich-krauses Haar

Einen Lorbeer-Crantz zu ziehen.