6. Andacht-Bereitung / zur Betrachtung des H. Leidens Christi: Als ich die Franz...
By Catharina Regina von Greiffenberg
Written 1647-01-01 - 1647-01-01
Weg Eytelkeit!
du must bey seit
der Andacht Platz zu machen;
daß das Sünd-entschlummert Herz
mög zu Gott erwachen.
Weg Scherz und Spiel!
jetzt ist mein Ziel
auf Christi Creutz gerichtet:
weil sein unerhörte Lieb
mich dazu verpflichtet!
Weg Zier und Pracht!
Schmuck gute Nacht!
ich will den Sack anziehen
und der Laster Uppigkeit
durch die Buße fliehen.
Astrea schön!
ich laß dich stehn:
den Seelen-Hirt zu lieben.
Er der rechte Celadon
ist beständig blieben.
Am Bach Kidron
vor dem Lignon
will ich mich jetzt begeben:
weil an ihm sein Leben ende
meines Lebens Leben.
Sein Creutz ist nun
Liebs-Warheit Brunn:
wo wird mit Freud erblicket
wie der schönste Gottes Sohn
ist mit Lieb verstricket.
Der Leuen Grimm
durch seine Stimm
er sterbend macht zu steinen:
auf daß könt' an seinem Blut
Gottes Lieb erscheinen.
Ich schreib mit Fug:
es ist genug!
Gott ist nunmehr vergnüget.
Zeit ists daß auf seinen Schmerz
er mit Freuden sieget.
Du Königs Sohn
Roseleon!
bist auch in Lieb gefangen!
an deins Wortes Degen- Spitz'
alle Reich' auch bangen.
Liebhaber weicht!
dann keiner gleicht
dem Herren Christ im lieben.
Alles ist ein kühles Thau
was von euch geschrieben.
Nun komm mein Schatz!
du hast schon Platz:
mein Herz gehört dir eigen.
In mir muß jetzund die Welt
dich zu hören schweigen.