6. Auf des ehrnvesten und wolgelahrten Herrn Reineri Brockmans, der griechischen...

By Paul Fleming

Written 1624-01-01 - 1624-01-01

Laßt diß ein Zeichen sein, ihr wolgetrauten Beide,

daß euch mein Phöbus liebt, der niemals Feind sein kan

dem Volke, wie ihr seid! Die Braut gehört ihm an,

der Bräutgamb ist sein Freund. Er freut sich euer Freude,

verehrt euch, was er hat, in diesem frei vom Neide,

daß er nichts Hohes schenkt. Doch weiß der gute Man,

daß wenn er Wündsche giebt, so hab' er satt getan,

und ihr seid auch vergnügt. Sie spinnen Gold für Seide,

die Parzen über euch. Des Jupiters Gemahl

führt euch das Lager auf. Der Hymen steckt den Saal

mit liechten Fackeln voll und läßt den Brauttanz machen,

den mein Apollo singt. Freit, tanzet, schlafet wol!

Der Schluß der Götter steht; was drauf geschehen soll,

das ist des Vatern Lust, der jungen Mutter Lachen.

Den Nächten gieng das Liecht der halben Phöben auf,

ihr Bruder hatte gleich im Stiere seinen Lauf.

Die Wälder schlugen aus, das Wild war bei Gefährten,

das Dorf gieng auf das Feld, die Stadt in ihre Gärten.

Kom, schöner Tag, und du, o süßer Schein,

wie lange wilst du denn noch außen sein?

Kom, brich doch an! Die Laute liegt schon fertig,

die Saiten stehn. Bist du nur gegenwärtig,

so soll ein Lied dir werden ausgeführt,

das dich erhebt und deinen Herren ziert.

Ach, daß du itzt, daß du noch heute kämest

und mir diß Leid, diß müde Warten nähmest!

Kom, schöner Tag, und du, o süßer Schein,

wie lange wilst du denn noch außen sein?

Herr, wer er auch wird sein, der etwas auf wird schreiben,

das bis zum Ende hin der grauen Zeit kan bleiben,

das seinen Tod verlacht, der wird auch zeigen an,

was diß sei für ein Werk, das itzo wird getan,

und wie, und wer es tut. Er wird voraus vermelden

den unverzagten Mut, das Glücke zweier Helden,

die alle Furcht und Neid geschlagen unter sich,

vor keiner Müh' erblaßt, bis daß sie ritterlich

den teuren Dank verdient. Er wird den Lauf der Sachen

durch sein berühmbtes Buch gleich als wie schöner machen,

ein Barclay seiner Welt. Ietzt tun wir was sich ziembt,

und was der alte Brauch noch heute löblich rühmbt,

auch nicht zu schelten ist. Der Brunnquell aller Tage,

der Gott, den Delos ehrt, tritt auf der Sternenwage

mit seiner Pracht herfür, sagt von der hohen Bahn

den Namen, den ihr führt, der runden Erden an.

Drumb kommen wir auch ietzt. Dem Himmel will gedanket,

euch Glück gewündschet sein. Euch hat noch nie gewanket

die Göttin, die ein Rad und leichte Flügel führt,

weil Vorsicht und Verstand in eurem Tun regiert.

Der teure Friedrich liebt den Witz der klugen Räte,

macht seine Cimbren froh, erbauet neue Städte,

vermehrt sein reiches Land, läßt einer andern Welt

durch euch sein Herze sehn, hat alles heimgestellt

in euer weises Tun. So hoher Häupter Häuser

verbinden sich durch euch; der Reußen große Kaiser,

der heißt euch seinen Freund. Der edle Saphian

wird bald erfahren auch, was eure Treue kan,

die seinen Nutzen sucht und unser Land vermehret.

Ihr seid der Länder Heil, macht, daß der Morgen kehret

in unsern Abend ein, daß sich die Mitternacht

mit beiden wie vermählt und eine Freundschaft macht,

die mit der Welt gleich lebt. Ihr öffnet uns die Länder,

die noch verschlossen sind, zieht der Verbündnüß Bänder

umb ferne Gränzen her, setzt sichern Glauben ein

und lehrt ein frembdes Volk, wie es uns treu muß sein.

Der Preis ist euer Lohn. So nehme nun die Gaben,

die wir vor euer Heil den Sternen vorbracht haben,

der Höchste gnädig an! Er sei euch förder gut

und segne, was ihr treibt, als wie er täglich tut!

So binden wir euch an, die ihr euch habt verbunden

mit Woltun längst vorhin. Seht diese süßen Stunden

noch tausentmal wie ietzt! Ein Wundsch ist unser Band,

das nicht wird aufgelöst, als durch der Günste Hand.

Du aber, altes Jahr, verjüngre deine Glieder,

zeuch deinen Zierrat an, nim neue Kräfte wieder,

sei deiner Jugend gleich! November werde Mai,

mach, daß für weißen Schnee es weiße Lilgen schnei',

heiß da sein Lust für Frost! Ihr armen Etesinnen

haucht unsern Winter an, und ihr, ihr Najadinnen,

sprengt laulicht Wasser aus, daß aller Blumen Zier

aus der verlebten Welt vom Neuen komm' herfür!

Ist er itzo schon von hinnen,

mein und euer großer Freund,

ihr berühmbten Castalinnen

tut drumb nicht, als wie ihr meint,

daß der schönste seiner Tage

unbeschenkt sich von uns trage!

Nicht so, Meine! Stimmt die Saiten

und mischt euren Ton darein!

Laßt uns heut umb Freude streiten!

Diß soll unser Reichtumb sein,

daß wir ihm zu Dienst und Ehren

ein kurz Liedlein lassen hören.

Hier rinnt unsre Hippocrene,

Pindus und sein Volk ist hier,

das ein hohes Lobgetöne

ausschreit ihm und uns zur Zier,

und die bloßen Charitinnen

tanzen uns nach unsern Sinnen.

Euch, o Edler, euch zur Freude

sieht Apollo güldner aus,

Luna hängt all ihr Geschmeide

an ihr vollgestirntes Haus,

daß der schöne Tag dem Zeichen

der noch schönern Nacht muß weichen.

Der beschneite Hornung stehet

und streicht seinen Eisbart aus.

Äolus, der alte, gehet,

hemmet seiner Knechte Lauf

und läßt keinen von so vielen

als den linden Westwind spielen.

Das Verhängnüß drückt sein Siegel

in das blaue Himmelsfeld.

Fama schwingt die Augenflügel

und ruft durch die Sternenwelt,

daß forthin auf unsrer Erden

güldne Zeit durch euch soll werden.

Laß es sein, mein Sinn, und schweige,

stelle deine Seufzer ein!

Schlechte Seelen, die sind feige,

die nur von der Erden sein.

Denke, denke, was du denkst,

daß du dich so abekränkst!

Ein beherzetes Gemüte

weichet keinem Glücke nicht,

es erfrischet sein Geblüte

wenn den andern ihres bricht,

lacht und weinet nicht zu viel,

will stets was sein Glücke will.

Wenn der Stahl den Stein bestreichet,

so wird er erst rein und scharf.

Du, mein Sinn, bists, der ihm gleichet,

der auch Glanz und Schärfe darf.

Unfall ists, der auf uns wacht

und die Männer mänlich macht.

Ein bewehreter Soldate,

der vor keinem Tode zagt,

suchet ihm zu früh und spate

einen Feind, mit dem ers wagt.

Ein groß Herze bricht heraus,

fordert stets sein Unglück aus.

Mein! was nützet doch das Klagen,

daß die Liebste nicht ist hier?

Mißtreu ists, so wir verzagen,

sie ist allzeit ähnlich ihr.

Wahrer Liebe treue Pflicht

mindert sich durch Absein nicht.

Dennoch ist sie in dem Herzen,

ist sie aus den Augen schon.

Dieses, was du nennest Schmerzen,

ist der rechte Liebe Lohn,

die sie fühlet gleich wie du

und noch duppelt mehr darzu.

Philyrena, die du liebest,

liebet dich noch wie vorhin.

Umb die du dich so betrübest,

wirst du wieder sehn, mein Sinn,

und das wird dir lieber sein

als auf Regen Sonnenschein!

Kommet bald, ihr schönen Tage,

komme bald, du süße Zeit,

daß ich frei und fröhlich sage:

Weg, erblaßte Traurigkeit!

Philyrena, meine Zier,

ist und bleibet stets bei mir.

Wer ihnen traut, pflügt in die Winde

und säet auf die wilde See,

mißt des verborgnen Meeres Gründe,

schreibt sein Gedächtnüß in den Schnee,

schöpft wie die Schwestern ohne Liebe

das Wasser mit durchbohrtem Siebe.

Der schnelle Wind fährt ohne Zügel,

ein leichter Pfeil eilt auf Gewin,

der starke Blitz hat frische Flügel,

ein strenger Fall scheust plötzlich hin:

für ihren Sinnen sind nicht schnelle

Wind', Pfeile, Blitz' und Wasserfälle.

Ich bin froh, daß ich was habe,

das man dennoch hassen kan,

und was geht mir daran abe,

daß mich jener schel sicht an?

Leid' ich von der Tugend wegen,

so wird mir sein Fluch zu Segen.

Neid ist nur bei hohen Sachen

und die nicht gemeine sind,

hierein setzt er seinen Rachen;

des Gelücks Gefährt' und Kind

steigt und fällt mit seinem Rade,

wenn es Zorn braucht oder Gnade.

Große Dannen, hohe Fichten,

die bestürmt des Nordwinds Zorn,

der doch nichts dran aus kan richten:

keine hat kein Haar verlorn.

Wer der Tugend an will siegen,

pfleget allzeit zu erliegen.

Kaphareus verlacht die Wellen,

die sich an ihm lehnen auf.

Scylla läßt die Wogen bellen,

auch nicht so viel giebt sie drauf.

Laß das Unglück' auf sie gehen,

Tugend steht, wie Klippen stehen.

Rost verzehrt den stillen Degen;

stehnde Sümpfe werden faul,

Lüft' auch, die sich nicht bewegen;

unberitten dient kein Gaul;

Müssiggang verderbt die Jugend;

ungeübt verschält die Tugend.

Tugend, die ist niemals müssig,

sucht ihr allzeit einen Feind

nie der Arbeit überdrüssig,

aller Mühe steter Freund.

Ihre Sinnen und Gedanken

sind: stets laufen in dem Schranken.

Die berühmbten Dattelstämme

heben ihre Last empor,

und tun zwischen solcher Klemme

reicher ihre Zier hervor.

Ein stark Herze wird erblicket,

wenn es sein Verhängnüß drücket.

Aus den ausgequetschten Trauben

kömpt Lyäus süßer Saft.

Eine Rose hat, bei Glauben,

ungerieben schwächre Kraft.

Tugend schmeckt und reucht gepresset,

welche Kost ihr Weisen esset.

Bellet, ihr erzürnten Hunde,

bellt die stille Phöben an:

sie bleibt wol, wo sie vor stunde,

und hält ihre hohe Bahn.

Weisheit ist zu hoch gestiegen,

da kein Haß ihr nach kan fliegen.

Jene, die ich sie sein lasse,

die nicht mehr sind als nur sein,

sind nicht wert, daß ich sie hasse,

reich an Nichts, klug auf den Schein.

Wahn ists, des ein Weiser lachet,

der sie so voll Hoffart machet.

Unser Pöfel hat die Sitten:

schilt, was er nicht haben kan,

tadelt, warumb er muß bitten,

sieht den Nachbar hart drumb an,

und an dem er muß verzweifeln,

das vergönnt er allen Teufeln.

Bessern soll michs, nicht betrüben,

daß mich der zu tadeln pflag.

Wer nicht etwas hat zu lieben,

hat nicht, was man hassen mag.

Und umb was mich dieser neidet,

ist, an dem er Mangel leidet.

Ich kan Einem ja vergönnen,

daß er seines Maules braucht,

redet er mir nicht zu Sinnen;

wie bald ist ein Wort verhaucht!

Hüte dich nur für den Taten!

Gott, der wird den Lügen raten.

Steht denn meine Schand' und Ehre

so in Eines Lob und Schmach?

Weit gefehlt! Wenn dieses wäre,

so gäb' auch kein Weiser nach.

In die Zeit sich schicken künnen,

künnen nur geübte Sinnen.

Diß mein redliches Gewissen

ist mir Zeuge gnug für mich.

Wes ich allzeit mich beflissen,

wissen zwene: Gott und ich.

Welcher Alles will verfechten,

der muß heut' und allzeit rechten.

Jupiter, wie hoch er sitzet,

ist nicht von den Lästrern frei.

Wenn er allzeit würd' erhitzet,

wenn man ihn schilt ohne Scheu,

so würd' er in kurzen Weilen

werden arm an Blitz und Keilen.

Will dich Einer nicht begrüßen,

so behältst du deinen Dank.

Setzt er dich schon nicht auf Küssen,

sei vergnügt mit bloßer Bank!

Er und alle, die dich hassen,

müssen doch dich dich sein lassen.

Laß sie sein, die Theons-Brüder,

die Geschwister Zoilus',

und laß deine guten Lieder,

die der Haß auch lieben muß,

die die Unehr' auch muß ehren,

umb die Flüß und Püscher hören!

Er, der liebste deiner Tage,

den der güldne Titan trägt

auf der hohen Sternenwage

und in diese Stunden legt,

er, der liebste, heißt uns lachen

und mit dir uns lustig machen.

Wol! Damit du seist gebunden,

so sei dieser Eppichstrauß

in dein weißes Haar gewunden!

Freund, es geht auf Lösen aus!

Du wirst nicht ohn' deinen Schaden

uns darfür ein müssen laden.

Wir sind da, wir treuen Dreie,

die du mehr als vor nun kennst,

die du dir verknüpfst aufs Neue,

daß du sie mehr deine nennst.

Wir sind da mit dem Verlangen,

was du denn nun an wirst fangen.

Folge, Bruder, was zu üben

wir und Zeit und Himmel heißt!

Mein! wer wolte Den doch lieben,

der sich stets der Lust entreißt?

Denn ists Zeit, daß wir uns grämen,

wenn wir unsers Glücks uns schämen?

Brauch' der Zeit! Die leichten Stunden

schießen schneller als kein Fluß.

Zeit hat Flügel angebunden,

Glücke steht auf glattem Fuß,

und die hat nur vornen Haare,

die nicht allzeit kömpt im Jahre.

Gott weiß was wir morgen machen;

heute laß uns lustig sein!

Trauren, Frohsein, Weinen, Lachen,

ziehn bald bei uns aus, bald ein.

Wol dem, welcher ist vergnüget,

wie sich sein Verhängnüß füget!

Bringt uns Lauten, Geigen, Flöten!

Junger, hole das Regal!

Die Musik kan Trauren töten,

sie zertreibt der Sinnen Qual.

Auch die Götter sind betrübet,

wo nicht sie die Freude giebet.

Wenn wir edlen Menschen sitzen

umb den Ofen und ein Glas,

und an Seel' und Leibern hitzen,

so ist besser Nichts als das,

daß man bei so süßen Dingen

auch läßt süße Lieder klingen.

Her die Schalen! Frisch, ihr Brüder!

Wir sind heut' und morgen hier.

Daß ich warlich komme wieder,

so gilt, Herr Martinus, dir

der Trunk dieses weiten Römers

auf Gesundheit unsers Pöhmers!

der Sandstrich, dessen Feld gränzt mit dem Tarterlande

und von der weißen See läuft zum Bahuverstrande,

aus dem kein Strom nicht fleust und der doch viel schlurft ein,

so daß die Erde sie schlingt oder Sonnenschein.

daß auch in der Barbarei

Alles nicht barbarisch sei.

Die schöne Temmin freit und Brokman wird ihr Man.

Ihr Götter, seht diß Werk mit Gnadenaugen an!

Er liebe sie, wie Orpheus seine liebte,

doch ohne das, was ihn so sehr betrübte!

Hirsche werden langsam alt,

keine Krahe stirbt nicht bald.

Ihren Jahren müß imgleichen

Hirsch- und Krahen-Alter weichen.

Die Braut ist durch den Schein der schönen Sitten klar,

wie die Sulpicia Paterculana war.

Ist er von Jahren jung und grüne von Gestalt,

so ist der Bräutgam doch an grauer Weisheit alt.

Niemand weiß der Sternen Zahl

umb des Himmels blauen Saal:

ihres Glückes reiche Gaben

können keinen Zähler haben.

Mein! was vermählt diß Paar der süßen Jugend?

Was ist ihr Schatz, ihr ganzes Alles? Tugend.

So einig, so getreu, so fruchtbar und so rein

sei dieses neue Paar, wie Turteltauben sein!

Seid tausentmal gegrüst und tausentmal gesegnet,

ihr Beide, denen Nichts als Glück und Heil begegnet!

So viel Athen und Rom an Weisheit Schönes hat,

so viel hat Beides dir gegeben in der Tat,

o du der Musen Zier und Lust der Charitinnen,

den jeder lieben muß, der Liebe kan beginnen!

Ich ehre deinen Geist und wundre mich der Kunst,

doch übertrifft sie zwei der Freundschaft werte Gunst.

Ich weiß nicht, was ich vor und nach an dir soll lieben.

Diß weiß ich, du bist mir ganz in den Sinn geschrieben.

Ja, Leben, ich bin angezündet

von deiner Liebe keuschen Brunst.

Was meine freien Sinnen bindet,

das sind die Ketten deiner Gunst.

Wie selten sind sie sonst beisammen

ein Leib und Geist an Zier gleich reich!

Diß duppelt meiner Liebe Flammen:

bei dir ist Schmuck und Zucht zugleich.

Der Glanz, die Schönheit, das Gebärden

war dich zu lieben übrig satt,

doch muß diß vor gerühmet werden,

daß deine Jugend Tugend hat.

So kom und laß mich werden innen

der schönen Freuden süßen Frucht!

Schatz, dich allein besitzen können,

ist einig, was mein Herze sucht!

Was ists, das du mir sagst, du liechtester der Steine

und härtester dazu, mit deiner Kraft und Scheine?

Diß ists: mein Lieb und du trefft mit einander zu,

ihr Herz und Augen sind so hart und hell als du.

Fahr hin, du liebes Band, fahr hin an deinen Ort,

dieweil du selbst so eilst und wilst mit Ernste fort,

fahr hin und bind mir die, die mich mit dir gebunden!

Bindst du sie, wie sie mich, so hab' ich überwunden.

Was bildet ihr euch ein, ihr Muscheltöchter ihr?

Vermeint ihr, daß mein Lieb euch trägt zu ihrer Zier?

Nein, darumb trägt sie euch, darmit ihr selbsten schaut,

wie viel ihr dunkler seid als ihre klare Haut!

Cupido schickt euch diß, ihr Schönste der Jungfrauen,

aus seiner Mutter Schoß, umb fast nur anzuschauen.

Er weiß, daß euer Mund weit höher sich erstreckt,

für dem der Zucker auch wie bittrer Wermut schmeckt.

Spiel immer, wie du tust, doch denke diß darbei,

daß unter diesem Scherz auch etwas Ernstlichs sei!

Du übertriffst, mein Lieb, des liechten Schnees Brauch:

so viel du weißer bist, das bist du kälter auch.

Was siehst du mich viel an, du liechtes Sternlein du?

Ach zeuch nur wieder heim und tu dein Antlitz zu!

Da bist du viel zu schlecht, zu sein ein Widerschein

der Augen, die mir mehr als Mon und Sonne sein.

Ich dachte, laß doch sehn, was denn die Liebe kan,

wiewol sie sich noch nie mir recht hat kund getan!

Dictyuna soll ihr Häupt zu zweien Malen zeigen,

und zweimal soll von Ost Apollo wieder steigen,

eh' sie mich soll ersehn. Cupido war nicht weit.

Was aber, sprach er, ist denn diß vor ein Bescheid?

Mit diesem truckt er los. Ach Lieb, ich bin getroffen!

Diß hier, diß war der Pfeil. Die Wunde steht weit offen.

Giebst du mir einen Kuß, so hat es keine Not,

siehst du mich sauer an, so bin ich plötzlich tot.

Was tun doch wir, daß wir die süßen Jahre,

der Jugend Lenz, so lassen Fuß für Fuß

vorüber gehn? Soll uns denn der Verdruß,

die Einsamkeit noch bringen auf die Bahre?

Sie kehrt nicht umb, die Zeit, die teure Waare.

Bewegt uns nicht diß, was man lieben muß,

die Höfligkeit, der Mut, die Gunst, der Kuß,

die Brust, der Hals, die goldgeschmiedten Haare?

Nein, wir sind Fels und stählerner als Stahl,

bestürzt, verwirrt. Wir lieben unsre Qual,

sind lebend tot und wissen nicht, was frommet.

Diß Einige steht uns noch ganz und frei,

daß wir verstehn, was für ein gut Ding sei,

das uns stets fleucht und das ihr itzt bekommet.

Die warme Frühlingsluft macht ihren Himmel klar.

Seht, wie das güldne Liecht der Sonnen heller blicket!

Der Felder schwangre Schoß ist zur Geburt geschicket;

die grüne See geht auf, die Quelle springen gar

aus ihren Adern auf; der Blumen bunte Schar

malt ihre Gärten aus. Die Felsen stehn erquicket,

die Täler aufgeputzt, die Auen ausgeschmücket,

der Berge Zierat glänzt, den Wäldern wächst ihr Haar.

Seh' ich diß Alles an, so acht ich unvonnöten,

daß auf diß Hochzeitfest die embsigen Poeten

so ernstlich sein bemüht. Ihr Baldefrau und Man,

erkennt des Glückes Gunst! Luft, Himmel, Sonne, Felder,

See, Quelle, Gärten, Fels, Tal, Auen, Berge, Wälder,

die stimmen euch ietzund ein süßes Brautlied an!

Wie? Ist die Liebe Nichts? Was liebt man denn im Lieben?

Was aber? Alles? Nein. Wer ist vergnügt mit ihr?

Nicht Wasser; sie erglüht die Herzen für und für.

Auch Feuer nicht. Warumb? Was ist für Flammen blieben?

Was denn? Gut? aber sagt! woher kömpt ihr Betrüben?

Denn Böse? Mich dünkts nicht; nichts Solches macht Begier.

Denn Leben? Nein; wer liebt, der stirbt ab seiner Zier,

und wird bei Leben schon den Toten zugeschrieben.

So wird sie Tod denn sein? Nichts minder, als diß eben.

Was tot ist, das bleibt tot. Aus Lieben kommet Leben.

Ich weiß nicht, wer mir sagt, was, wie, wo oder wenn?

Ist nun die Liebe nicht Nichts, Alles, Wasser, Feuer,

Gut, Böse, Leben, Tod: euch frag' ich, neue Freier,

sagt ihr mirs, wenn ihrs wißt: Was ist die Liebe denn?

Wilst du denn vor untergehn

und so wieder auferstehn,

güldnes Auge dieser Welt,

eh' sich dieses Paar gesellt?

Diß Paar, dem der Musen Chor

seine Stimme hebt empor,

dem die Venus und ihr Sohn

zugesagt längst ihren Lohn?

Sieh doch, wie sie bittend stehn

und vor deinem Wagen flehn,

schau doch, wie sie kläglich tun,

daß du sie nicht lässest ruhn!

Nein, du hörest, großes Liecht,

itzt der Kranken Bitte nicht.

Dißmal rufen sie umbsunst,

Gott der Götter, deiner Gunst.

Liebstes Paar, seid unbetrübt,

liebt doch, wie ihr habt geliebt,

seid doch euer, wie ihr seid,

und verschmerzt den Neid der Zeit!

Es ist umb ein Kleines noch,

bis daß euch das süße Joch,

das Joch, das euch ietzt noch drückt,

beiderseits ohn End' erquickt.

Ietzund seh' ich schon den Tag,

daß, eh' Phöbus aufstehn mag,

man euch Beide Frau und Man

ganz mit Ehren nennen kan.