6. Clorinda bedenckt das grosse Ubel der Hoffart/ und die Hochschatzung der Demu...
Written 1667-01-01 - 1667-01-01
Lucifer gläntzend' über alle Engel
Welchen erschaffen Gott hat ohne Mängel
Weilen er aber schön und auserlesen
Trutzig aus Hoffart gegen Gott gewesen
Wurde vom Himmel neben einer grossen
Menge verstossen
Mußte mit seinen bösen Mit-Gesellen
Fahren zur Höllen.
Kaum da geschloffen Adam aus der Erden
Wolte den Göttern er schon ähnlich werden
Wordurch in Ungnad Gottes er gefallen
Nicht ohne grossen Schaden unser allen
Wurde weil er demühtig nicht geblieben
Ewig vertrieben;
Mußte dem schönen Paradeiß absagen
Seuffzen und Klagen.
Jenes aus Hoffart hocherhebte Babel
Wolte zuhoch mit seinem Ehren-Schnabel
Suchte biß in den Himmel auffzusteigen
Gott aber zeigt ihm früh genug die Feigen
Massen es bald von Ubermuht bethöret
Wurde verstöret
Mußte zum Hon-Spiel (ohne Spitze) werden
Billich auff Erden.
Boßheit und Hoffart beyde Schwestern haben
Den mehr als stoltzen Pharaon begraben
Weilen er Gott nur hönisch hat getrutzet
Wurde sein Hochmuht unerhört gestutzet
Massen er mit vielen kümmerlichen Plagen
Wurde geschlagen
Mußte wie Bley sammt seinem Heer versincken
Spöttlich ertrincken.
Grausam entsetzlich haben endlich müssen
Die Sodoms-Kinder ihre Hoffart büssen
Himmlisches Feur hat ihre Städt' verzehret
Alles in lauter Wüsteney verkehret
Niemand als Loth mit Seinen ist entrunnen
Alle verbrunnen:
Geilheit und Hoffart kamen in die Flammen
Beyde zusammen.
Arphaxad dort ein schöne Stadt erbaute
Welcher er mehr als seinem Gott vertraute
Hatte den Feind zu seinem höchsten Schaden
Mit seinem Hochmuht reitzend' eingeladen
Mußte von seinen schön- und hohen Mauren
Fort mit Bedauren
Wurde gestürtzt von seinem Ehren-Wagen
Elend erschlagen
Hätte Darîus seinen Stand erkennet
Niemal sich einen Götter-Sohn genennet
Nicht Schmach erwiesen eine auff die ander
Dem seinen Knecht genennten ALEXANDER,
Er noch ein Herr des Reiches unvertrieben
Wäre geblieben;
Seinen Hals aber haben ihm zerbrochen
Trutzen und Pochen.
Hoffart ist gleich den hoch gewachsnen Eychen
Welche der Wolcken blaues Hauß erreichen
Weil sie bey ihnen aber Wohnung machen
Pflegen sie hefftig wider die zu krachen
Plitzen erzörnt mit unerhörten Toben
Auff sie von oben
Dann sie durchaus nicht bey sich haben wöllen
Solche Gesellen.
Also kan Gott auch keine Stoltze leyden
Müssen auff ewig seinen Hofe meyden
Wann sie zu hoch-auff ihre Köpffe richten
Macht er sie gleich dem Sonnen-Staub zu nichten
Stürtzet herunder mit Unglückes-Streichen
Solche Berg-Eychen:
Niemal ist Hoffart Ubermuht und Prangen
Glücklich abgangen.
Gleich wie der Rauch zu nichte sich versteiget:
Gleich wie der Thon nur währet da man geiget:
Gleich wie die Liechter scheinend' Ehr erwerben
Aber unrühmlich auch mithin abserben
Also auch sich die schnöde gröster Ehren-
Dünste verzehren:
Billich ein Brand die Schöne seiner Flammen
Solte verdammen.
Wann die Ragueten nach der Höhe ziehlen
Sie zwar alldorten schöne Sachen spiehlen
Gleich darauff aber wie die Plitze knallen
Mithin auch Ruhm-loß auff die Erde fallen:
Also ist auch der Ehr-verliebten Affen
Glücke beschaffen
Unverhofft ehe sie gar hinauff gestiegen
Fallen und ligen.
Niemal ist Hoffart ohne Schand geblieben
Hat zu dem Fall den Phaćton getrieben
Welcher auff seinem schönen Ehren-Wagen
Meisterloß wolte durch die Höhe jagen
Hochmuht hat aber seine Räiß verkürtzet
Ihne gestürtzet
Mußte im Pò mit unerhörtem Schaden
Zu tode baden.
Icarus von dem Ubermuht betrogen
Ist hoch aus Hoffart übersich geflogen
Wolte den Vatter muhtig überfliegen
Fangte darauff an hin und her zu wiegen
Könnte der Sonnen Hitze nicht erleyden
Müßte sie meyden
Biß er entflüglet ohne Krafft gesuncken.
Völlig ertruncken.
Kleine hingegen hoch erhaben werden
Nicht nur im Himmel sonder auch auf Erden
Gott pfleget sie zu lieben und zu preisen
Selbst die Prachthansen ihnen Ehr beweisen
Welche die Demuht zwar in andern lieben
Keine doch üben:
Hochmuht in andern (ohne selbst verlassen)
Schelten und hassen.
Unglück hat nächst sein Hause bey den Reichen
Unverhofft pflegt es ihnen einzuschleichen;
Gnad herentgegen ruhet auff den Kleinen
Welche bey sich selbst kleine Zwerge scheinen;
Daphnis setzt ab die so nach Ehren dürsten
Keine Prachthansen neben ihm in Hulden
Kan Er erdulden.
Gleich wie die Hennen ihre Jungen schützen
Immerdar wider dero Feinde glutzen
Also beschützt Gott die mit eignen Händen
Welche demühtig sich zu ihme wenden
Laßt ihnen nichts so schaden auch den Haaren
Möcht' wiederfahren:
Seine Verfolgung jener auff sich hetzet
Der sie verletzet.
Hoffart ist Ursach daß die Hölle brennet
Der man unsinnig schaaren-weiß zurennet
Hochmuht ist Ursach daß wir alle sterben
Ja so viel tausend ewiglich verderben:
Hochmuht ist Ursach daß viel edle Christen
Seynd Atheisten:
Hochmuht hat Teutschland läider! umbgekehret
Spöttlich entehret.
Hochmuht ist stracks die grade Straß zur Höllen
Weh' denen die sich nur erheben wöllen
Welche nur stäts nach Glück und Ehren trachten
Mithin ihr eignes Seelen-Heyl verachten
Hoch werden solche sich betrogen finden
Bleiben dahinden:
Prächtig mit Aman zwar auf Erden prangen
Aber dort hangen.
Eitle Welt-Kinder deren Hertz gefangen
Von schnödem Ehrgeitz höret auf zu prangen
Wolt' ihr aus Gottes Lieb und Huld nicht fallen
Ey so vermeydet diese Pest vor allen;
Aendert in Demuht selig einst zu werden
Eure Geberden;
Suchet mit mir die wahre Glückes-Güter
Edle Gemühter.
Alles ist eitel nichtig alles alles
Nicht wohl ein Nachklang eines öden Halles
Alles hinschleichetwie der lähre Schatten
Alles entweichetwas wir jemal hatten
Himmlische Güter aber ewig währen
Niemal erlähren:
Demuht ist so die Seligkeit erzwinget
Höchst hinauff tringet.