6. Clorinda beklagt sich/ daß ihr Himmlischer Daphnis bey ihr nicht eingekehrt/ ...

By Laurentius von Schnüffis

Written 1667-01-01 - 1667-01-01

Wie pflegt verdiebt

Nicht immer mit vielen

Die Liebe zu spielen

Insonderheit wann

In hefftigem Brann

Die Menschen seynd verliebt?

Sie schärfft nur immerzu

Und räizet das Verlangen

Laßt aber schmertzlich hangen

Die Hertzen in Unruh'.

Diß Jacob hat'

Erfahren auch müssen

Nicht ohne Verdriessen

Als ihme zur Burd'

Getrungen auff wurd'

Lea an Rachels-statt

Mit vielem Streit und Zanck

Die Rachel müßt erwerben

So daß er von dem herben

Verlangen offt schier kranck.

Ich hab die Thür

Gelassen was offen

Mit gantzem Verhoffen

Mein Daphnis werd' auch

Nach seinem Gebrauch

Heut kehren ein bey mir

Er aber läider! ist

Vorüber sacht' geschlichen

Gantz heimlich abgewichen

Als einer der entrüst!

Es macht die Sach

Nicht ohne Bekräncken

Mir schwäres Nachdencken

Indem Er sonst nie

Wie spat es auch je

Verschmächt mein armes Tach:

Was muß die Ursach seyn

Daß Er heut ausgeblieben?

Hab' ich Ihn dann vertrieben?

O Schmertz O Qual O Pein!

Als in dem Meer

Leander gesuncken

Armselig ertruncken

Und nimmer verrucht

Die Liebste besucht

Hat es sie kränckt so sehr

Daß in den Hellestont

Sie eylends sich gestürtzet

Das Leben ihr verkürtzet

Des Schmertzens ungewohnt.

Wie kan dann ich

Von Atropos-Ketten

Nunmehro mich retten

Wann Daphnis nicht meh

Mit seinem Einkehr

Forthin wird trösten mich?

Ich will ja tausendmahl

Eh-zeitig lieber sterben

Als Hoffnung-los abserben

In stäter Liebes-Oual!

Man sagt ein Löw

Der Wunden genesen

Sey nachmals gewesen

Aus Viehischem Raht

Nach schlechter Gutthat

Dem Artzten also treu

Daß er auff dessen Grab

Der ihn zuvor geheilet

Die Nahrung mitgetheilet

Sich todt geheulet hab'.

O treues Thier!

Soll meine Lieb deiner

Dann weichen und kleiner

Zurücke weit stehn

Nicht trauren umb Den

Der gar vermählt mit mir!

Soll minder ich betrübt

Dann seyn umb Den der sterbend'

Am Creutz mein Heyl erwerbend'

Mich mehr als sich geliebt?

Ach nein O Gott!

Ich lasse den Löwen

Mit seiner so trewen

Vergeltung mir nicht

Zu einem Gedicht

Erweisen solchen Spott:

Niemand soll diese Schmach

(Ich hab so schlecht geliebet

Daß ich mich nicht betrübet

Umb Daphnis) sagen nach.

Wann Er mich solt'

Hinfüro verschmähen

Nicht lassen mehr sehen

In meinem Hauß sich

Vor Traurigkeit ich

Zu tod mich wainen wolt';

Mit Myrrha wolt' ich seyn

Bald in den Baum verkehret

Der vast niemahl auffhöret

Zu zähern seine Pein.

Wo Daphnis nicht

Sich würcklich befindet

Gleich alles verschwindet

Was tröstlich je war'

Unlustig so gar

Wird auch des Tages-Licht

Und wo er sich auffhält

Da ist der Trost vollkommen

Wird alles hingenommen

Was sonsten schmertzt und quält.

Wie kanst du doch

O Daphnis mich hassen

So gähling verlassen

In dem du doch mir

Unlängsten allhier

Verpflichtet dich so hoch!

Ist das die Liebes-Art

Daß man so bald abbauet

Versagt die Gegenwart!

Ich halt' darfür

Ich hab mich verschossen

(So Daphnis verdrossen)

Weil nemlich ich heut

Eröffnet zu weit

Den Rigel meiner Thür:

Des Menschen Hertz soll seyn

Ein gantz verschloßner Garten

Wo niemand zu erwarten

Als eintzig Er allein.

Merckt diese Lehr

Ihr keusche Jungfrauen

Nicht leichtlich zu trauen;

Ach stosset der Thür

Die Rigel doch für

Wann lieb euch eure Ehr:

Ein Hauß so immerdar

Auch bey der Nacht steht offen

Nichts anders hat zu hoffen

Als eine Diebs-Gefahr.

Weil läider! ich

Mit etwas Verlangen

Noch schwanger gegangen

Und dessen nicht gar

Entäusseret war'

Hat Er gemeydet mich:

Er wie die Arch kan nicht

Bey sich den Abgott leyden

Er pflegt das Hertz zu meyden

Wo Er Mitfreyer sicht.

Zu dem pflegt Er

Die Liebe der Hertzen

Durch Kummer und Schmertzen

Zu prüfen ob man

Beständig auch dann

Wann man des Trostes lär?

Es aßt sich durch kein Weh'

Die wahre Lieb zertrennen

Das gabe zu erkennen

Gar schön Penelope.

Und wann offt schon

Sich Daphnis erzeiget

Sehr übel geneiget

Als wann Er nunmehr

Erzörnet sich fehr

Gemachet hätt' darvon;

Bleibt Er doch an der Thür

Und schaut wann dein Hertz bitter

Heimlich durch das Gegitter

Mitleidenlich herfür.

Als Daphnis dort

Der frommen Cathrinen

Von Senis erschienen

Als welche sehr lang

Durch Beriths Bezwang

Geängstigt fort und fort:

Sagt sie; wo waret Ihr

Mein Herr in meinem Schmertzen?

Er sprach: in deinem Hertzen

Und halffe streiten dir.

So will ich ihn

Dann nimmer verdencken

Noch hefftig mich kräncken

Ob schon Er mir nicht

Stäts tröstlich zuspricht

Wann ich betrübet bin:

Genug ist es wann Er

Mich nur nicht gar verlasset

Als eine Feindin hasset

Wie ich es würdig wär'.

Ich will fünfffach

Die Thüren verriglen

Ja gar sie versiglen

Auff daß mir kein Dieb

Durch weltliche Lieb

Mein Hauß verdächtig mach';

Damit Er die Clorind'

Allein in ihrem Zimmer

Den Dagon aber nimmer

In ihrem Hertzen find'.