6. Die Todesgöttinnen(Das Gesicht eines Wandrers in einer einsamen Grabhöle, da ...

By Johann Gottfried Herder

Written 1773-01-01 - 1773-01-01

Umher wirds dunkel von Pfeilgewölken

Zu grosser Schlacht. Es regnet Blut!

Schon knüpfen an Spiesse sie das Lebensgewebe

Der Kriegesmänner, blutrothen Einschlags

Zu Randvers Tod.

Sie weben Gewebe von Menschendärmen,

Menschenhäupter hangen daran.

Bluttriefende Spiesse schiessen sie durch,

Und haben Waffen und Pfeil in Händen,

Mit Schwerdern dichten sie das Siegsgarn fest.

Sie kommen zu weben mit gezognen Schwerdern

Hild', Hiorthrimul, Sangrida, Schwipul,

Der Spieß wird brechen, der Schild wird spalten,

Das Schwerd wird klingen, daß der Harnisch tönt.

„Wohlan, wir weben Gewebe der Schlacht!

Dies Schwerd hat einst der König getragen.

Hinaus, hinaus, in die Schaaren hinan

Wo unsre Freunde mit Waffen kämpfen! –

Wohlan, wir weben Gewebe der Schlacht!

Hinaus, hinaus, an den König hart!“

Gudr und Gondul, sie sahen die Schilde

Blutroth schon und deckten den König.

„Wohlan, wir weben Gewebe der Schlacht!

Die Waffen tönen der Kriegesmänner,

Wir wollen nicht fallen den König lassen!

Valkyriur walten über Leben und Tod.

Das Volk, es soll bald Lande regieren,

Das öde Ufer bisher bewohnt!

Dem tapfern Könige naht der Tod,

Schon ist den Pfeilen der Graf erlegen.

Und Irrland wird in Trauer seyn,

Die jeder Tapfre nimmer vergißt,

Das Geweb' ist fertig, das Schlachtfeld blutet,

Durch Länder taumelt das Kriegsgetümmel.

Grausend ists umher zu schaun,

Die Blutwolk flieget in der Luft,

Die Luft ist roth vom Blute der Krieger,

Eh unsre Stimmen schweigen all'.

Dem jungen Könige singen wir noch

Viel Siegeslieder. Wohl unserm Gesang'!

Und wer sie hört die Siegsgesänge,

Der lern' und singe sie den Kriegern vor.

Wohlauf! wir reiten hinweg auf Rossen

Mit gezognen Schwerdern; hinweg von hier.“