6.Ach daß die Hülffe auß Sion vber Israel käme/vnd der Herr sein gefangen Volck ...
Written 1640-01-01 - 1640-01-01
Wie der stoltze Schaum der Wellen
Getrotzt durch grausen Sturm vermischt mit wind vnd Sandt
Itzt durch die Wölcken sprütz't jtzt das bestürtzte Landt (J ij)
Wo die Fischer Netz aufstellen
Mit brausen überschwemmt, wie er das Spiel der See
Ein halb zu scheittert Schiff jtzt aufschwingt in die Höh
Bald mit sich in den Abgrundt reißt
Bald über Klipp' auf Klippen schmeißt;
So handelt vnß die herbe Noth.
Der Menschen furcht der hartte Todt
Ist nicht so schrecklich alß das Leben
(Wofern es Leben heißt) in welchem wir verschmachten
Biß wir den durch viel hohn vnd Geisseln vnd verachten
Von hier verjagten Geist auf geben.
Ach! möcht vnß Rettung doch erquicken:
Ach! möcht vnß der doch hülffe schicken
Der sich in Sion hat verliebet
Vnd bricht was Israel betrübet.
Zwar! Er selbst hat diß verhangen
Daß man vnß die wir sein' vnß die er außerwehlet
Die er für eigen schätzt vnd derer Haar' er zehlet
In dem Elend' hält gefangen.
Man hat was noch vielmehr die Fessel auff sein wortt
Vmb vnsern Halß gelegt. Er selbst hat diesen ortt
Zu vnserm Kampffplatz außerkiest.
Er hat was für vnd vmb vnß ist
Mit Waffen wider vns gestärckt
Vnd wie ein Jäger scharff bemerckt;
Damit wir ja im Garne blieben.
Er spreche nur ein wortt so wird der Strick zureissen
Der Kercker offen stehn; Man wird vnß Freye heissen
Erlöser! möcht' es dir belieben.
Daß wir die deine Thaten kennen
Dich doch Erlöser solten nennen.
Daß wir die dir nur dienen wolten
Nicht frembden Herren dienen solten.
Es kommt nicht jederzeit von Weh-mutt daß man weynt
Die Threnen die wir jtzt vergissen
Die Zähren die so häuffig flissen
Prest vnß ergetzung auß; Nicht vnlust wie man meynt.
Ich schaw ach! ach der Tag bricht an!
Vnd die herbe Nacht verschwindet
Der Tag der vnß ergetzen kan
Der die schwere band' entbindet.
Ade nun Babilon. Jtzt bin ich nicht gefangen.
Glück zu mein Vaterland ich bin der Angst entgangen
Frolockt jhr Sternen ich bin frey
Die starcken Schlösser sind entzwey.
Ihr Wälder den ich offt mein leiden anvertrawt!
Ihr Zeugen meiner angst jhr Berg' jhr Thäler schawt
Wie mich deß Himmels gunst anlache
Ach nein! mir traumt ach nein ich wache!
O alzu süsser wahn! was bild' ich mir doch eyn?
Ich fühle ja daß ich noch muß in schmertzen seyn!
Ach kan die Hoffnung mich so ohne maß' ergetzen!
Wie frölich werd' ich seyn wenn GOTT mich wird entsetzen!