6.Ziehet hin! lieben Kinder/ ziehet hin!
Written 1640-01-01 - 1640-01-01
Kans denn nicht anders seyn! so zieht ihr Kinder zieht
Ach Kinder die ich so geliebet!
Daß ich biß in den Tod betrübet
Klag über euer Angst die vnauffhörlich blüht!
Ach Kinder ziehet hin! ich kan euch nicht mehr schützen
Was windet ihr euch streng vmb diese Brust!
Der Vberwinder reißt euch meine Lust
In harte Dinstbarkeit vnd läßt mich einsam sitzen;
Kein Freund läst hier sich finden;
Rath Hülff vnd Trost verschwinden.
Niemand der vor mich ehrt wil in der Quall mich achten!
Ich muß in Traurigkeit.
Getrotzt durch Rasend Leid
In dieser Wüldernüß! Erbarm es Gott! verschmachten.
Ich rieß die Kron vom Haupt die Perlen von dem Haar!
Mein Hals ist von dem Gold entblösset:
Die Brust mit Thränen überflösset
Trägt keinen Diamant noch Indiansche Waar!
Der Purpur ist entzwey! die Lilien- weise Seiden
Das teure Stückwerck aus geübter Hand
Gewürckt Metall das Silberne Gewand
Vnd was der Sere spinnt muß nicht die Lenden kleiden
Die ich in raue Säcke
In Härin Tuch verstecke
Vnd mit gezwungnem Bast an Gürtels stat vmbwinde
Die Haare sind voll Aschen.
Die heisse Zehren waschen
Die Ketten mit der ich mein schwartzes Traur-Kleid binde.
Doch ich wil (ob schon die Sprach
Mit dem Geist erliegen wil!
Vnd ich zu dem Grabes Ziel
Bin gedrungen nach vnd nach)
Mit seufftzenreichem Ach! deß ew'gen Hertz anschreyen
Ich wil ihn auß dem langen Schlaff
Auffwecken daß er nach der Straff
Mir Seelerquickend-Heyl vnd Gnade muß verleyen.
Auff Kinder! seyd getrost vnd schreit mit mir zu Gott!
Sucht mit Seel-brechenden gebeten
Vor sein gnädigs Hertz zu treten
Klagt ihm die reissend' Angst den Hochmuth vollen Spott
Ich weiß sein Vater Hertz wird ihm zu letzte brechen!
Gesetzt auch! daß er zehnmal mehr ergrimmt
Daß er vor euch nur Pein vnd Tod bestimmt
Ich weiß er wird zuletzt als Vater euch ansprechen!
Vnd von dem Dienst der Bösen
Vnd tollen zwang erlösen
Die Herren werden sich in Knechte stracks verkehren.
Die die euch Krieg anbitten
Wird er mit Fluch beschitten
Vnd was itzt sengt vnd brennt mit lichtem Blitz verheeren.
Mein Hertze sagt es mir die Hoffnung treuget nicht
Der ewig seinen Thron besessen
Hat warlich vnser nicht vergessen
Mich dünckt ich spüre schon daß seine Hilff anbricht!
Der Heilge wird mich bald mit höchster Freud erquicken
Deß Herren Gunst vnd sein barmhertzig seyn.
Wird durch die Wolck' entsetzung-voller Pein
Gleich als der Sonnen Licht durch trübe Nebel blicken.
Warumb doch wird mir bange?
Gott bleibt numehr nicht lange
Ach! wischt die Threnen ab hört auff vom trüben weinen
Wir sind erlöst auß Schanden
Strick Folter Stock vnd Banden
Der ewig' Heiland wird vns mehr denn schnell erscheinen.
Ich liß euch mit Weh' vnd Ach!
Jammer Klag vnd Zagen zihn
Vnd in frembde Grentzen flihn
Taub von Angst von Heulen schwach;
Doch Gott der alles kan wird mir euch wieder geben
Mit immer-Freuden-schwanger Lust
Daß ihr mit Wonn' vmb diese Brust
Sollt mit mir und durch Gott Gott rühmend' ewigleben.