6. Gang zwischen den Schlafzellen

By Eduard Mörike

Written 1839-01-01 - 1839-01-01

Hundertfach wechseln die Formen des zierlich gemodelten Estrichs

Auf dem Flur des Dorments, rötlich in Würfeln gebrannt:

Rebengewinde mit grüner Glasur und bläulichen Trauben,

Täubchen dabei, paarweis, rings in die Ecken verteilt;

Auch dein gotisches Blatt, Chelidonium, dessen lebendig

Wucherndes Muster noch heut draußen die Pfeiler begrünt;

Auch, in heraldischer Zeichnung, erscheint vielfältig die Lilie,

Blume der Jungfrau, weiß schimmernd auf rötlichem Grund.

Alles mit Sinn und Geschmack, zur Bewunderung! aber auch alles

Fast in Trümmern, und nur seufzend verließ ich den Ort.