7. Clorinda bejammert die abscheuliche Finsternuß ihres Hertzens/ in welcher sie...

By Laurentius von Schnüffis

Written 1667-01-01 - 1667-01-01

Feindliche trutzige Rußige schmutzige

Häßliche Nacht

Welche den Räisenden Weit herum-kräisenden

Herren und Knechten Edlen und Schlechten

Grosse Forcht macht

Ja unversehens gar

Stürtzt in des Tods Gefahr.

Falsche verdächtliche Schwartze verächtliche

Schelmische Nacht

Welche die fallende Kaht-herumb wallende

Gäntzlich entweegte Gfährlich versteegte

Menschen auslacht:

Die an Mitleydens-Statt

Nur Freud an Unglück hat.

Grausame greuliche Förchtlich-abscheuliche

Diebische Nacht

Welche den Muhtigen Menschen-mord-blutige

Mörder- und Raubern Hexen und Zaubern

Sicherheit macht

Und gibt zu böser That

Selbst ihnen Hülff und Raht.

Reinigkeit-hassende Unschuld-verlassende

Schandliche Nacht

Welche den stinckenden Tugend-versinckenden

Venus-Geseilen Wo sie nur wöllen

Unterschlauffs macht:

Verhüllt die geile Böck'

Mit ihrer schwartzen Deck.

Neidige häßige Henckers-Hand-mäßige

Bubische Nacht

Welche der Wälderen Wiesen und Felderen

Gärten und Auen Schönes Anschauen

Freuden-loß macht:

So gar das schönste Gold

Entfärbt die Liechts-Unhold.

Grimmige läidige Freche meineydige

Gifftige Nacht

Welche die ruchtbare Sonsten gar fruchtbare

Aecker und Matten Unter dem Schatten

Früchten-loß macht:

Dahero ihr dann seind

Viel Länder Spinnen-Feind.

Tägliche schmertzliche Mündliche hertzliche

Klagen man hört

Wie sie die prächtige Weite großmächtige

Nilische Haiden Saaten und Waiden

Grausam verstört

Das Land so schwartz bedeckt

Daß Leut und Vieh verreckt.

Sehet die nächtige Immer schattächtige

Finnen doch an

Wie sie mit dünsteren Dicken und finsteren

Nebel und Düfften Schatten und Lüfften

Seynd eingethan:

Die Sonne sehen sie

Auch etlich Monat nie.

Treu-loß-unärtige Böse leichtfertige

Schröckliche Nacht

Welche die brennende Feld-herum-rennende

Schwürmische Geister Völlige Meister

Ihres Reichs macht

Und reitzt so viel sie kan

Sie zu der Boßheit an.

Unter der feindlichen Dürmisch-unfreundlichen

Nächtlichen Schaar

Aerger gefährlicher Böser beschwärlicher

Schädlicher schlimmer Schwärtzer und tümmer

Keine doch war'

Als die so ich stock-blind

An meiner Seel empfind'.

Alle Mæotische Wendisch- und Gothische

Nächte seind nur

Eine noch gläntzende Morgen-angräntzende

Lieblich-bemahlte Sonnen-bestrahlte

Schatten-Figur

Gegen der schwartzen Nacht

So mir die Sünd gebracht.

Diese verhinderet Schwächet und minderet

Allen den Schein

Welcher zum anderen Leben zu wanderen

Wider die Fälle Solte ein' helle

Fackel mir seyn:

Macht daß in Finsternuß

Ich immer leben muß.

Alle Gott-zeigende Tugend-zuneigende

Strahlen seynd hin

Weil ich in allerhand (Leider nicht ohne schand!)

Bubische Thaten Willig gerahten

Jederzeit bin

So daß der Tugend-Glantz

In mir verfinstert gantz.

Diese Heil-flüchtige Eitelkeit-süchtige

Schädliche Nacht

Haben die sinnliche Eilens-zerrinnliche

Eitele schnöde Himmels-Trost öde

Freuden gemacht:

Der schnöde Freud-Genuß

Bringt nichts als Finsternuß.

Diese betriegende Freuden-vorliegende

Schmeichlende Nacht

Eh' ich ihr Thun erkennt Hatte mich so verblendt

Daß ich nachmahlen Alle Liecht-Strahlen

Völlig veracht

Und mit dem Welt-Gesind

Zu Gutem worden blind.

Diese Nacht schwächet mich Diese Nacht macht daß ich

Vollends verderb'

Massen der gnadenschein Nimmer kan tringen ein.

So daß ich endlich Flammen-erkenntlich

Tugend-loß sterb':

Wo keine Sonn auffgeht

Der Baum unfruchtbar steht.

Diese verteufflete Gnaden-verzweifflete

Höllische Nacht

Dannoch den Sünderen Bösen Welt-Kinderen

Wegen des sterbens Seelen-verderbens

Wenig Forcht macht:

Sie förchten nur das Licht

Die Finsternuß gar nicht.

Läider diß eulenblind Schwürmische Nachtsgesind

Bildet sich ein

Unter den lebenden Welt-herum-schwebenden

Erden-Geschöpffen Sehenden Köpffen

Klugste zu seyn:

Vermeinen allezeit

Zu seyn von Blindheit weit.

Dieses seind aber die Schlimste nächt welche nie

Werden erkennt

Können vom gnadenlicht Werden vertriebe nicht

Sonder nur immer Aerger und schlimmer

Läider verblendt!

Sie fliehen allen Schein

Drumb geht das Liecht nicht ein.

Eya dann gläntzendes Glori-bekräntzendes

Göttliches Licht

Laß' mich in nächtlichen Also verächtlichen

Schatten der Sünden Ohne Gnad-finden

Sterben doch nicht:

Vertreibe mir die Nacht

Die mich stock- blind gemacht.