7. Clorinda beklagt ihr unvernünfftige Gottlosigkeit/indeme sie ein so geraume Z...
Written 1667-01-01 - 1667-01-01
Das hat die Sünd
Daß sie verblendet
Des Menschen Hertz geschwind
Von seinem Gott abwendet
Und welcher sich darinn vertiefft
Vor Gott wie Jonas, sich verschliefft
Wird flüchtig wie die Tauben
Gottloß wie Ephraim,
Verliehrt den Glauben
Und Gott mit ihm.
Wohl wird der Nacht
Die Sünd verglichen
Indem sie alles macht
Verfinstert und verblichen;
Bey dieser Nacht der Wandersmann
Des Wegs sich nicht verrichten kan
Blind hin und wieder wattet
Biß in dem Irrthumms-Moos
Er gantz ermattet
Stirbt Hoffnungs-loß.
Dieses hab ich
Auch selbst erfahren
Als ich befunden mich
Noch in den Wollusts-Jahren
So sehr wurd' ich des Liechts beraubt
Daß ich an Gott nicht mehr geglaubt
Hab' als ein Spiel der Affen
Veracht das Göttlich Ammt
Und als ein Pfaffen-
Gedicht verdammt.
Ich glaubte nicht
Zu seyn ein Himmel
Die Höll wär' ein Gedicht
Und nur ein Schreck-Getümmel
Sie wäre nur ein Pfaffen-Traum
Die Leut zu halten in dem Zaum
Und wenn ein Gott schon wäre
So hätt' er dennoch nicht
So groß- und schwäre
Straff zugericht.
Wann ihm bewußt
Wie wir beschaffen
Könnt eine kleine Lust
Er nicht wohl ewig straffen;
So blöde Schwachheit hätte nicht
Verdient ein solches Blut-Gericht
Wie könnt Er also raasen
Wann Er das Höchste Gut?
Die Höll anblasen
Zu solcher Glut?
Für selig hab'
Ich nur gehalten
Des Glückes reiche Gaab
Und Schönheit der Gestalten:
Nach Wollust Reichthum Freud und Ehr
Und was die Welt kan geben mehr
Hab' embsig ich getrachtet:
Die Tugend aber ach!
Viel mehr verachtet
Als keine Sach.
Das ist der Grund
Und gantzes Wesen
Worinn mein Glaub bestuhnd'
Den ich mir auserlesen:
Mein Fleiß Gewerb und Ubung war'
Die Buhlerey nur immerdar;
Mein hoch-geschätzte Bibel
Geweßt ist Amadis,
Wovon mein Ubel
So sehr einriß'.
Als aber ich
Zu überflüßig
Der Lust gebrauchte mich
Wurd' endlich ich verdrüßig
Vermerckte wie daß alle Freud
Geäuglet wär auff Dorn-Gestäud
Wie ihr geschärfftes Ende
Das Hertz zu stechen pfleg'
In Traur verwende
Die Wollusts-Täg.
Dahero wann
Ich müd des Schertzens
Mithin gefühlet dann
Die Bitterkeit des Hertzens
Hab' ich von dem Verdruß bewegt
Mich an ein Fenster hingelegt
Den Himmel angeschauet
Fürwitzig hin und her
Wie er gebauet
So künstlich wär'.
Ich nahme wahr
Am Hauß der Sternen
Die hoch-vergüldte Schaar
Der Himmlischen Laternen
Ich sahe bey entfärbter Nacht
Wie sie bezogen ihre Wacht
Wie zu gewissen Stunden
Sie zeigten ihren Glantz
Darauff verschwunden
Erbleichten gantz.
Wie daß der Mon
Bald gantz verblichen
Drauff bald gehörnert schon
Mit Silber überstrichen
Wie daß er bald in vollem Schein
Bald wiederumb gezogen ein:
Wie Hesperus am Abend
Zu Morgens Lucifer
Vor ihm hoch-trabend'
Stäts lauffen her.
Bey Tag wann ich
Von dem Getümmel
Was abgeschrauffet mich
Und angeschaut den Himmel
Vermerckt ich wie die göldne Sonn
Die Tages-Mutter unser Wonn
In vier und zwantzig Stunden
Unmüd in ihrer Raiß
Den groß- und runden
Erd-Klotz Umbkräiß.
Wie daß man sie
Nie hörte girren
In ihrem Lauff auch nie
Vermerckte zu verirren
Noch daß sie jemal Schaden lidt'
Ob sie schon thät so lange Schritt'
Und wann sie sich verloren
Von uns schon in die Ferr
Neu doch gebohren
Zu Morgens wär'.
Wie daß die Erd
Durch warme Regen
So schön befeuchtet werd'
Nachdem sie kahl gelegen
Wie sie aus ihrer schwangern Schos
Hervor die Blumen häuffig stoß'
Und zwar der schönsten Arten
So mancherley daß man
Von ihr erwarten
Nichts edlers kan.
Wann dieses ich
Bey mir erwogen
Hat die Vernunfft dann mich
Zu solcher Frag gezogen
Wer dieser Dingen Ursach sey
Ob auch ein Werck des Meisters frey?
Was für ein Hauß jemalen
Sich selbst hab' auffgericht?
Ob es auch Strahlen.
Geb' ohne Liecht?
Wann diese Welt
Steh' von sich selber
Von niemand auffgestellt
Sey ewig sie unfehlbar;
Und ist dann ewig sie allein
So muß sie Gott unfehlbar seyn
Dann alle diese Sachen
Die man auffwachsen sicht.
Sich können machen
Ja selbsten nicht.
So muß zuvor
Dann aller Dingen
Ein Ursach seyn empor
Was werden soll zu bringen
Wer aber ist die Grund-Ursach
Als Gott der keinem Ding zu schwach;
Dem so viel edle Wercke
Zu schaffen viel zu schwär
Wann seine Stärcke
Nicht Göttlich wär'.
Kan aber die
Natur seyn Göttlich
Die da beständig nie?
Das wär' nicht Göttlich spöttlich:
Wir sehen ja von Stund zu Stund
Wie auch die Felsen gehn zu Grund
Wie daß die Krafft der Erden
Sehr nemme täglich ab
So daß sie werden
Müß' selbst ihr Grab.
Was ewig ist
Das bleibt beständig
Wird auch zu keiner Frist
Von seinem Seyn abwendig:
So ist die Welt dann ewig nicht
Weil immerzu ihr Wesen bricht
Ist endlich sie so rühret
Sie von dem Wesens her
Dem da gebühret
Die Göttlich' Ehr.
O Gott du hast
Die Welt erhaben
Sammt ihrem gantzen Last
Aus nichts hervor gegraben;
Du bist der grosse Sabaoth,
Der Erden und des Himmels Gott
Dich will ich ewig preisen
Dann du hast mich getröst
Von dem unweisen
Gestanck erlößt.