7. Clorinda erfreuet sich/ und frolocket sehr/ daß der Himmlische Bräutigamm ihr...

By Laurentius von Schnüffis

Written 1667-01-01 - 1667-01-01

Was kan doch auff Erden

Geliebet mehr werden

Als süsses Gesang?

Was treibet von Hertzen

Behender die Schmertzen

Als lieblicher Klang?

Die Music allein

Die Thränen abwischet

Die Hertzen erfrischet

Wann sonst nichts hülfflich will seyn.

Die Music vertreibet

Vertilget verschreibet

Nach Thule das Läid

Macht Hinckende springen

Verzagende singen

Vor hertzlicher Freud:

Sie treibet die Feind'

Den Frieden zu schliessen

So daß sie offt müssen

Gezwungen werden gut Freund.

Mit klingender Harffen

Hat David den scharffen

Sauls-Grimmen gestillt

So daß er offt wütig

Gleich worden gantz gütig

Wann David gespilt:

Woferren nicht dort

Die fromme Propheten

Gesungen schön hätten

Hätt' er sie alle ermordt.

Die Music den Krancken

Macht ringe Gedancken

Vertreibet das Gifft:

Offt haben die Säiten

In schwären Kranckheiten

Viel gutes gestifft:

Der liebliche Thon

Die Immlein bethöret

Daß wann sie empöret

Nicht können fliegen darvon.

Die Löwen und Bären

Sich Freunde erklären

Bey klingendem Spiel

Ja wer sie will fangen

Kan leichtlich erlangen

Durch Music sein Ziel:

Die grimmige Thier

Hat Orpheûs gedemmet

Gezogen gehemmet

So daß zahm worden sie schier.

Es hatte dort einer

Dem gleich vielleicht keiner

Des Heinrichs Gemüht

(Als welcher bey Frommen

Den Namen bekommen

Von freundlicher Güt')

Durch künstlichen Klang

Zu tödtlichen Schlägen

Gar können bewegen

Den sonst kein Eyfer bezwang'.

Als krancken Leibs wegen

Franciscus gelegen

In schmertzlicher Qual

Der Music begehrte

Ihn niemand gewehrte

Der Bitte damal;

Durch eintzigen Strich

Der himmlischen Säiten

Loß aller Schwachheiten

Gleich in Verzuckung hinwich'.

Was pranget ach! aber

Der Music-Liebhaber

Mit eitelem Thon?

So bald er auffhöret

Ist alles verkehret

In Traurigkeit schon:

Ein eintziges Wort

Aus Daphnischer Kehlen

Von ängstigen Seelen

Treibt alle Kümmernuß fort.

Wann Daphnis sagt: komme

Mein' schöne und fromme

Hertz-Freundin zu mir

Der Winter geschlichen

Der Regen gewichen

Ist völlig von hier:

Was könnte doch seyn

Erwünschter zu hören:

Von Englischen Chören

Als solche Wörter allein.

O Music vor allen

Anmühtigen Hallen

Sehr lieblich und schön!

All Harffen und Geigen

Still müssen ja schweigen

Vor diesem Gethön;

Arion selbst muß

Die Zitter ablegen

Darff keine Hand regen

Sein Spiel ist lauter Verdruß.

Als Assuër dorten

Mit freundlichen Worten

Die Esther gegrüßt

Da hat er ihr liebes

Von Kümmernuß trübes

Hertz völlig ersüßt:

Amphion nicht hätt'

Mit lieblichem Zicken

Sie können erquicken

Wie Assuër, da er geredt.

Hat Assuërs Zungen

Der Esther durchdrungen

So lieblich das Hertz

Und ihre Trangsalen

Sammt allen den Qualen

Verkehret in Schertz?

Wie meynst du wird nicht

Mich Daphnis erquicken

Mit lieblichen Blicken

Wann er mir freundlich zuspricht?

Als Phœbus auffspilte

Mit Wunder erfüllte

Der Driaden Reich

Ist Athis vermessen

Dort nidergesessen

Zu singen ihm gleich;

Sie aber hat bald

Die Frechheit zu büssen

Vor Lieblichkeit müssen

Den Geist auffgeben im Wald.

O Daphnis, dein Reden

Mir Schwachen und Blöden

Durchdringet das Marck

So häuffige Freuden

Mir länger zu leyden

Will werden zu starck!

Unfehlbar werd ich

Vor Süßigkeit müssen

Mein Leben beschliessen

Wirst du nicht stärcken bald mich.

Vor diesem sein' Feindin:

Sein' Daube sein' Freundin

Mich Daphnis jetzt nennt

Ja auch so gar seiner

Nicht schlecht -und gemeiner

Liebwürdig erkennt;

Er ladet mich eyn

Ohn alles Verweilen

Zu ihme zu eylen

Was mag die Ursach doch seyn?

Man könnte der Sachen

Die Rechnung bald machen

Was Er darmit meint:

Die welche den Willen

Des Daphnis erfüllen

Seynd ihme befreundt:

Er wollte daß ich

Die Sünde sollt' hassen

Die Wollust verlassen

Und ihm' ergeben gantz mich.

Die Dauben in Ritzen

Der Felsen gern sitzen

Zu ruhen alldort

Ich hab' mich auch eben

Mit ihnen begeben

Zum sichersten Ort

Indem ich verspehrt

In Daphnis halb-runden

Blut-trieffenden Wunden

Die Zeit mit Seufftzen verzehrt.

Der welcher vertreulich

Von dem was bereulich

Zu Daphnis sich kehrt

Von seinem Trost-reichen

Mund eben dergleichen

Wort alsobald hört:

Komm Freundin mein Daub'

Zu deiner Belohnung

Die stäte Beywohnung

Bey mir dir ewig erlaub'.

Ihr Harffen erstummet

Ihr Zincken erkrummet

Vor diesem Gethön;

Dein Singen ist heulen

Geh' singe den Eulen

Kunstreiche Camœn?

Auch Orpheûs mich nicht

Wie künstlich er krätzet

Wie Daphnis ergetzet

Wann Er mir lieblich zuspricht.

So will ich dann fliehen

Der Welt mich entziehen

Und bleiben allein;

Von allem Getümmel

Und Menschen-Gewimmel

Entferret zu seyn

Auff daß ich die Stimm

Des Herren mög' hören

Und ohne Verstören

Mich könn' ergetzen mit ihm.