7.Domine vsqve qvo?

By Andreas Gryphius

Written 1640-01-01 - 1640-01-01

Ach wie lang O Gott! mein Gott wie lange

Wiltu dich von meinen threnen kehren

Vndt keiner bitte mich gewehren!

Ach! wie ist mir doch so hefftig bange!

Das du mich nun gantz aus deinem hertzen

Schleust vndt in grundlosẽ schmertzen

Ohne trost versincken läst.

Soll ich Herr dein antlitz nicht mehr schawen?

Hab ich nicht ô Heilandt!) mein vertrawen

Stets auff dich gegründet fest?

Ach! wie lange soll in tausendt plagen

Vnter deines grimmes donnerkeilẽ

Vnter der Hellen schwefel pfeilen

Ich mein immerwehrendt weh beklagen?

Ach wie müd' ist mein gemütt von sorgen!

Welches plötzlich alle morgen

Angst vnd elendt vberfält.

Ist woll eine trübsall zu ersinnen

Wirdt man auch ein vnglück finden können

Das mich nicht klawen hält?

Doch ich möchte dis noch alles leiden:

Das sich aber meine feind' erheben

Weil ich in höchster qual mus leben

Das so frölich jäuchtzen die mich neiden;

Dis dis will mir leib vndt geist durchdringen

Vndt mich zum verzweifeln bringẽ.

Mein Gott! ach mein grosser Gott!

Wofern dein gemütte zu erweichen:

Wofern eine gnade zue erreichen:

Schawe doch auff meine noht.

Welt ade! es ist vmb mich geschehen!

Meine krafft weicht vndt die augen brechen

Die zunge kan kein wortt mehr sprechen:

Der todt hatt mich ihmb zum raub' ersehen.

Ach Herr! einen strall nur deiner gütte

Wündtscht mein sterbendes gemütte

Brich doch an du lebens licht!

Mein feind wird es seiner macht zue schreiben

Wo ich mus im staube liegen bleibẽ.

Dulde doch sein pochen nicht.

Nun ich weis du wirst mir nicht abschlagen

Was ich itzt mitt halberstarter zungen

Vnd pfnüchtzend habe vorgedrungẽ.

Deine gnade kennet kein versagen

Alle welt weis deine trew zue preisen

Die du pflegest zue erweisen

Wen kein mittell mehr zu sehn!

Herr ich glaub' ich will nach so viell schreyen

Vber deiner wolthatt mich erfrewen!

Ja ich weis es wirdt geschehn!