7.Domine vsqve qvo?
Written 1640-01-01 - 1640-01-01
Ach wie lang O Gott! mein Gott wie lange
Wiltu dich von meinen threnen kehren
Vndt keiner bitte mich gewehren!
Ach! wie ist mir doch so hefftig bange!
Das du mich nun gantz aus deinem hertzen
Schleust vndt in grundlosẽ schmertzen
Ohne trost versincken läst.
Soll ich Herr dein antlitz nicht mehr schawen?
Hab ich nicht ô Heilandt!) mein vertrawen
Stets auff dich gegründet fest?
Ach! wie lange soll in tausendt plagen
Vnter deines grimmes donnerkeilẽ
Vnter der Hellen schwefel pfeilen
Ich mein immerwehrendt weh beklagen?
Ach wie müd' ist mein gemütt von sorgen!
Welches plötzlich alle morgen
Angst vnd elendt vberfält.
Ist woll eine trübsall zu ersinnen
Wirdt man auch ein vnglück finden können
Das mich nicht klawen hält?
Doch ich möchte dis noch alles leiden:
Das sich aber meine feind' erheben
Weil ich in höchster qual mus leben
Das so frölich jäuchtzen die mich neiden;
Dis dis will mir leib vndt geist durchdringen
Vndt mich zum verzweifeln bringẽ.
Mein Gott! ach mein grosser Gott!
Wofern dein gemütte zu erweichen:
Wofern eine gnade zue erreichen:
Schawe doch auff meine noht.
Welt ade! es ist vmb mich geschehen!
Meine krafft weicht vndt die augen brechen
Die zunge kan kein wortt mehr sprechen:
Der todt hatt mich ihmb zum raub' ersehen.
Ach Herr! einen strall nur deiner gütte
Wündtscht mein sterbendes gemütte
Brich doch an du lebens licht!
Mein feind wird es seiner macht zue schreiben
Wo ich mus im staube liegen bleibẽ.
Dulde doch sein pochen nicht.
Nun ich weis du wirst mir nicht abschlagen
Was ich itzt mitt halberstarter zungen
Vnd pfnüchtzend habe vorgedrungẽ.
Deine gnade kennet kein versagen
Alle welt weis deine trew zue preisen
Die du pflegest zue erweisen
Wen kein mittell mehr zu sehn!
Herr ich glaub' ich will nach so viell schreyen
Vber deiner wolthatt mich erfrewen!
Ja ich weis es wirdt geschehn!