7.Lied der Bauern

By Betty Paoli

Written 1854-01-01 - 1854-01-01

Erst waren wir nur Banden,

Die sich zusammenfanden

Im Wald und auf der Höh'.

Doch ändern sich die Lose!

Wir sind nunmehr die große

Katholische Armee!

Erst fehlt' es uns an Waffen!

Doch, wie die zu beschaffen,

Sich keiner lang besann.

Da mochte Ein's nur frommen:

Dem Feind sie abgenommen

Im Kampf Mann gegen Mann! –

Wenn draußen Schüsse knallen,

Wird in den Kirchen allen

Um Sieg für uns gefleht!

Es feiet uns're Leiber

Der Greise, Kinder, Weiber

Inbrünstiges Gebet!

Und Führer, ohne gleichen

In aller Herren Reichen,

Die wurden uns zu teil!

Wenn sie voran uns schreiten,

Zur Lust wird dann das Streiten,

Kein Weg dünkt uns zu steil!

Da steht in erster Reihe

Herr von Bonchamp! die Weihe

Des Ruhm's empfing er lang,

Als er, noch jung an Jahren,

Mit grimmig wilden Scharen

Im Morgenlande rang!

Ungläub'gem Heidenvolke

War er die Wetterwolke,

Daraus der Blitzstrahl bricht!

Jetzt geht mit schlimmern Heiden,

Die selbst vom Heil sich scheiden,

Er strafend in's Gericht!

Ihm ist, der unsrem Kreise

Entsproß, der gute, weise

Cathelineau gesellt.

Als Bauernkind geboren,

Führt er, von Gott erkoren,

Jetzt Heere in das Feld!

Des Amt's weiß er zu walten!

Weiß jedem Treu' zu halten,

Der Schutz von ihm erhofft!

Mit seinem Leibe deckte,

Wenn unser Zorn sie schreckte,

Er die Gefang'nen oft! –

Wie Gold, erprobt im Feuer,

So wert ist uns, so teuer,

Lescure, der edle Graf!

Es schmerzet keine Wunde,

Hört man aus seinem Munde

Das Lob: „Ihr kämpftet brav!“

Sein Herz ist ohne Listen,

Das Herz des echten Christen,

Dem Furcht und Sünde fremd.

Scharf seines Degens Schneide!

Doch unter seinem Kleide

Trägt er ein här'nes Hemd. –

Wer aber ist's, daß Nähe

Den Sieg verbürgt, noch ehe

Sein Arm ihn uns verlieh?

Wer ist's, für den das Leben

Wir alle freudig gäben?

Es ist Monsieur Henri!

Mit seinen blonden Haaren,

Mit seinen zwanzig Jahren,

Scheint er noch halb ein Kind.

Doch seht sein Antlitz glühen,

Seht seine Augen sprühen,

Wenn das Gefecht beginnt!

Kein Kind, ein Mann und Ritter,

Schlägt zürnend er in Splitter

Die finstre Höllenmacht!

Wer, der im Schlachtentosen

Ihn sah, hat nicht des großen

Sankt Michael gedacht?! –

Der Graf Montrey, an Treue

Und kühnem Mut ein Leue,

Der tapfre Herr d'Elbée,

Die Starken, die Gerechten,

Sind in des Unglücks Nächten

Die Sterne der Vendée!

Von manchen andern Helden

Wüßt' ich wohl noch zu melden,

Doch sei's für heut genug!

Schon formen sich die Reihen,

„Macht fertig!“ hör' ich schreien, –

Nach Nantes geht unser Zug!