7.

By Nikolaus Lenau

Written 1826-01-01 - 1826-01-01

Durstig zieht die Karawane

Durch die Wüste, sucht die Quelle;

Horch! da rauscht auf grüner Matte

Die ersehnte, frische, helle!

Nach dem süßen Brunnenklange

Stürzen alle froh und eilig,

Doch sie sollen hier nicht trinken,

Denn es ist der Brunnen heilig.

Auserwählte Männer nahmen

Die Oase sich zu eigen,

Niemand sonst, wie heiß er schmachte,

Darf zum Quell die Lippen neigen.

Wächter stehen vor der Quelle

Reichen, gottvergoßnen Wonnen;

Doch der Wüstendurst ist mächtig,

Schwerter klirren um den Bronnen.

Und mit kampferhöhtem Durste

Stürzen an den Quell die Sieger,

Und sie trinken gierig, hastig,

Wie das Blut der heiße Tiger.

Mancher, schon vom Schwert getroffen,

Schlürft noch einen vollen Zug,

Um die Seele zu erfrischen

Auf den weiten Scheideflug.

Tigerhaft gereizten Durstes

Schmachten Ziskas Kampfgenossen

Nach dem Kelch des Abendmahles,

Den die Priester streng verschlossen.

Furchtbar rufen sie den Priestern:

„Habt ihr Christi Werk auf Erden,

Uns das Sakrament verstümmelt,

Sollt ihr selbst verstümmelt werden!“

Jauchzend schwingen sie die Kelche

Nach der Schlacht auf offner Wiese,

Mancher sterbend riecht im Weine

Blumen schon vom Paradiese.

Mit dem Blut des Liebevollsten

Will des Hasses Glut sich laben;

Drüben aber werden Tote

Von Verstümmelten begraben.

Wenn der lang und schwer Bedrückte

Freiheit sucht, so haßt der Wilde

Und zerbricht, wie andre Schranken,

Auch das eignen Herzens Milde.