74. Hüte dich für vnnötiger trawrigkeit:

By Johannes Plavius

O weh dem welcher ist mit trawrigkeit geplaget!

Er schläfet ohne schlaf er ruhet ohne ruh

Er wachet mit verdruß vnd eilt zum grabe zu

Er frisst sich selbst vnd weiss doch oft nicht was jhn naget.

O wol dem der in Gott nach frewd' vnd wonne jaget!

Er lebt in höchster lust jhm ist vor nichtes bang'

Im spinnet Lachesis den Faden noch so lang.

Er ist an Gott vergnügt auf den er alles waget.

Drumb fass' ein frölich hertz' vnnd sey eins frischen muthes

Treib' angst vnd trawren auß vnd thu dir selber gutes

Frewd' ist des hertzens hertz' vnd stellet es zur ruh.

Was ist Melancholey? ein brunnenquell des zweifels

An Gottes gütigkeit: ein bett' vnd bad des teufels.

Sie stürtzt viel leut' in's grab vnnd dient doch nirgend zu.