8. Auch auf das H. Leiden Christi
By Catharina Regina von Greiffenberg
Written 1647-01-01 - 1647-01-01
Greiff-betrachter Wunder-Raht!
wer kan ihn recht ausdenken:
O Gott-allein nur- eigne That!
den ärgsten Feinden schenken
sein einig Herz-geliebtes Kind:
zu tilgen aller Menschen Sünd;
auch zu erleiden Hohn und Spott
ja gar den tod;
uns zu erlösen aus der Noht.
Der alle Welt mit seinem Wort
erschaffen und regieret
der Heiligkeit und Tugend Hort
gefänglich wird geführet
ja der der Erden Heil gesucht
wird von-und auf ihr selbst verflucht
der allerheiligst Gottes Sohn
den Himmels Thron
verließ und litte Schmach und Hohn.
Den aller Engel Heer umgab'
auch Cherubin anbeten
der so mit seiner Allmacht Stab
kond' Israel erretten
der alles kan was er nur will:
steht wie ein Lämblein stät und still
als ihm die böse Rott bekriegt
und falsch an ligt.
Erbschweigend' und besieget siegt.
Der alle König' eingesetzt
ja der mit Himmels Kronen
von seinem Vatter wird ergetzt
der Herrscher über Thronen
wird von den Motten hie verlacht
und von den Thoren ganz veracht.
Der Warheit Mund man glaubet nicht.
Das Urtheil spricht:
die Heiligkeit werd' hingericht!
Die Hand so auch den Himmel hat
umspannet und getragen
wird von der Rott (O Frefel That!)
mit Nägeln angeschlagen.
Die Füsse so die Tugend-Bahn
nur giengen man auch nagelt an
diß nicht genug; sein Haupt man stach
O Schmerz! ach! ach!
mit Dornen daß das Blut herbrach.
Es hänget an dem Creutzes-Stamm
ganz blutig voller Striemen
das unbefleckte Gottes-Lamm:
ach last uns das hoch rühmen!
sein Tod uns ewiglich belebt.
Sein neigend Haupt uns all' erhebt.
Des Herzens Blut-Brunn öffnet sich
im Seiten Stich.
O Herr! wer dankt dir würdiglich?