8. Clorinda erkennt/ daß/ wer auch alle Schätze/Reichthumm/ und Wollüste dieser ...
Written 1667-01-01 - 1667-01-01
Es ist mein freyes Hertz
Dem schwären Aertz
Und bleichen Gold
Nun nicht mehr hold;
Ich laß der armen Welt
Ihr eitles Gelt
Und Edelgstein
Gar gern allein;
Ich geb' umb alle Perel
Nicht ein Härel
Auff Diemant und Rubin
Steht mein Gemüht nicht hin.
Weit einen andern Schatz
Hab' ich im Hatz
Dem keiner gleich
In keinem Reich?
Des Nereus Reichthumm ist
Nur Gänse-Mist
Was Midas hatt'
Ein eytler Schatt:
Die Tharsische Gold-Grufften
Seynd nur Klufften
Voll Bettlerey wovon
Gerühmt wird Salomon.
Wo ist jemahl geweßt
Ein Schatz so vest
Der niemahl hab'
Genommen ab?
Wer zeiget mir den Platz
Wo Crœsus Schatz
Geschätzt so hoch
Zu finden noch?
Von so viel tausend Pfunden
Wird gefunden
Nicht mehr ein Stäublein schwär
So auffzuweisen war.
Ich will mir sammlen ein
Den Schatz allein
Der sich vermehrt
Und nicht verzehrt;
Und dieser ist die Lieb'
Den mir kein Dieb
Noch greiffen an
Noch stehlen kan;
Der mir ohn' alle Sorgen
Bleibt verborgen
Ab welchem ewiglich
Ich werd erfreuen mich.
Der so die Liebe hat
Der ist schon satt
Hat keine Freud'
Am Gold-Geschmeid;
Gibt alles gern herauß
Aus seinem Hauß
Die theurste Ding
Schätzt er gering;
Die Lieb was man besessen
Macht vergessen:
Allda wo sie einschleicht
Wird alles Gold zu leicht.
Den Apffel wirfft das Kind
Von sich geschwind
So bald geneigt
Die Amm sich zeigt;
Wirfft hin das Tauff-Geschenck
Sein Halß-Gehenck
Hält nicht ein Haar
Auff solche Waar;
Die zarte Liebes-Flammen
Zu der Ammen
Seynd ihm viel lieber als
Das Gold an seinem Hals.
Ein' zart-verliebte Braut
Die erst vertraut
Laßt gern zuruck
Den Braut-Geschmuck.
Vergnügt sich wundersam
Am Bräutigam;
Muß sie auch schon
Mit ihm darvon;
Verlasset all ihr Glücke
Gern zurücke;
Die reiche Liebe macht
Daß alles sie veracht.
Das Zünglein vom Magnet
Bestrichen geht
Zu seiner Ruh'
Dem Polus zu
Kein Gold noch Silber kan
Es ziehen an;
Es laßt gar nicht
Wie sonst geschicht
Zum Gold sich von dem Eisen
Leicht abweisen;
Wo es die Lieb' hinträgt
Da bleibt es unbewegt.
Barlaâm, und Josaphat,
Als sie nun satt
Der schnöden Welt
Sammt ihrem Gelt
An Liebe Gottes doch
Beflammet hoch
Gott worden seynd
Sehr liebe Freund:
Mühselig an den Höfen
Nach den Schröfen
Seynd (arm bey ihrer Kron)
Gezogen reich darvon.
Viel haben all ihr Gut
Mit frischem Muht
Verlassen und
Verachtet rund
Auff daß sie mit der Lieb
(O Himmels-Dieb')
Unmäßiglich
Bereichten sich:
Ihr Gold und Silber haben
Sie vergraben
Durch reiche Wucher-Spend
Tieff in der Armen Händ'.
Recht Paulus alles hat
Geschätzt wie Kaht
Die Lieb hat ihn
Gereitzt dahin
Dann wer an Liebe lähr
Wie reich auch er
An Edelgstein
Und Gold mag seyn
Der ist vor allen Armen
Zu erbarmen
Weil all sein Haab und Gut
Nicht einen Häller thut.
Ich bin reich (sagst du zwar)
Mir fehlt kein Haar
Und geht nichts ab
Satt alles hab':
Weißt aber nicht darbey
Dein' Armuthey
Wie elend du
Und blind darzu:
Drumb raht ich dir zu lauffen
Einzukauffen
Ein feurigs Gold von mir:
Spricht Gottes Mund zu dir.
Wann schon dein Reichthumm groß,
Und du gottloß
Was hilfft es dich
Dort ewiglich?
Dein Leben heut vielleicht
Noch von dir weicht:
Dein Gut und Gelt
Bleibt in der Welt
Wer wird dir dann dort geben
Wohl zu leben
Wann du mit lährer Hand
Must in ein fremmdes Land!
Die Lieb' ist dort der Werth
Den man begehrt
Nohtwendig umb
Dein Eigenthumb
Allweilen gangbar dort
Kein andre Sort
Wer die nicht hat
Bleibt in dem Kaht
Wird nicht ein Tröpfflein Wasser
Gleich dem Prasser
Dort können kauffen ein
Zu lindern seine Pein.
Wer auch schon in die Wett
Fürtrefflich hätt'
Der Englen Krafft
Und Wissenschafft
Und wär' ihm auch vergönnt
So daß er könnt'
Die gröste Berg
Thun überzwerg
Hätt aber in der übe
Keine Liebe
So hätt' und wär' er nichts
Am Tage des Gerichts.
Wann von dem Himmel ferr
Die Liebe wär'
So wär' alldort
Kein Freuden-Ort
Und hätt' sie ihre Stell
Auch in der Höll
So könnte seyn
Dort keine Peyn;
Aus ihrem Zanck-Getümmel
Wurd' ein Himmel:
Die Lieb' vertreibt das Läid
Ohn' sie ist keine Freud.
Wer recht zu lieben pflegt
Gott bey sich trägt
Er selbstO Christ
Die Liebe ist;
Und hast du Gott was kan
Dich stossen an?
Kan es bey Ihm
Ergehn dir schlimm?
Seynd oder deine Kinder
Schaaff und Rinder
Dein Gelt und Gut (O Spott!)
Dir besser als dein Gott?
Das Gelt ist nur ein Last;
Je mehr du hast
Je minder du
Wirst haben Ruh';
Viel Reichthumm Tag und Nacht
Nur Sorgen macht;
Wird ohne Müh
Besessen nie;
Macht den der sie besessen
Gott vergessen:
Sein gantzes Thun nur ist
Zu füllen seine Kist.
Die Lieb macht Sorgen-frey
Trostreich darbey
Wer sie besitzt
Vor Angst nicht schwitzt:
Weißt nichts von Kümmernuß
Noch von Verdruß
Dann sie versüßt
Das was verdrießt;
Macht daß die Tods-Beschwerden
Lieblich werden:
Wer liebt hat allbereit
Hier schon die Seligkeit.
So will hinfüro ich
Befleissen mich
Daß in der Lieb'
Ich stäts mich üb'
Auff daß ich also reich
Den Englen gleich
Wohl immerfort
Leb' hier und dort
Will umb die Lieb auch geben
Gar mein Leben;
Auff daß ich leb' in ihr
So lebt auch Gott in mir.