8. Clorinda erwegt die Zergengligkeit dieser betrieglichen Dingen/ und bewäinet ...
Written 1667-01-01 - 1667-01-01
Weh' meiner Eitelkeit
Der ich so manches Jahr
Zu Diensten angewendet
Von welcher ich verblendet
Des Himmels gantz und gar
Vergessen allbereit!
Weh' meiner Eitelkeit
Die mich mit Gott entzweyt!
Sagt mir ô werthste Freund'
Was ist auff gantzer Welt
So starck und auserlesen
In seinem Thun und Wesen
So lang bleib ungequält
Und frey vor seinem Feind?
Wer ist an dem das Glück
Nicht übe seine Tück?
Was ist die schöne Stadt
Und Himmels-hohe Maur
Des starcken Thurns zu Babl
Nunmehr als eine Fabl
An welchem man so saur
Und lang geschwitzet hat?
Wer sie nun finden will
Braucht eine scharffe Brill.
Wo ist ô Assuër,
Nunmehr dein schöner Saal
Mit Edelgstein gepflastert
So schön veralabastert
Mit Bildern überal
Als wann er Göttlich wär?
In deinem stoltzen Hauß
Wohnt jetzt der wilde Strauß.
Ach wo ist Salomon
Mit allem seinem Pracht
Und Herrlichkeit hinkommen?
Der Tod hat ihn genommen
Und wie er auch verwacht
Gestürtzt von seinem Thron:
Das Helffenbein war' ein
Ihm gar kein-Helffenbein.
Sein prächtiger Pallast
Und schönes Gottes-Hauß
Sich schon vor längsten haben
Mit eignem Last begraben
Und sehen läider! auß
Daß es ungläublich fast
Seynd so gerissen ein
Daß nicht mehr Stein auff Stein!
Sein unerhörter Pracht
(Vor dem die Königin
Von Saba sich entsetzte
Daran so sehr ergetzte
Daß sie gefallen hin
Vor Wunder in Ohnmacht)
Ach nur zu gar behend
Genommen hat ein End.
Obschon er tausendfach
Nach Kräfften seiner Witz
Der Lustbarkeit genossen
In dem hervor geflossen
Von seinem Glückes-Sitz
Ein grosser Nectar-Bach:
Was hatte er darvon
Als Reu den Freuden-Lohn?
Er selbst hat alle Freud
Wie hoch ergetzlich sie
Ein' Eitelkeit genennet
Indem er klar erkennet
Daß man sie niessen nie
Könn' ohne Seelen-Läid:
Dann was den Leib ergetzt
Die arme Seel verletzt.
Wo ist die Majestät
Und hoher Glückes-Stand
Der stoltzen Pharaonen
Die sich auff göldnen Thronen
Dort in Aegyptenland
Groß machten in die Wett?
Die Zeit hat ihren Pracht
Und sie zu Staub gemacht.
Wo ist der tolle Götz
Nabuchodonosor,
Der als ein Gott der Erden
Wolt' angebetten werden
(O Königlicher Thor
Wohl würdig des Gespötts!)
Er müßt' in Wald hinaus
Spöttlich wie Acheloûs.
Obschon an jedem Ohr
Ein gantzes Königreich
Cleopatra getragen
Und sich auff göldnem Wagen
Der stoltzen Juno gleich
Geschwungen hoch empor
So daß ihr keine Lust
Verblieben unbewust.
Ob sie schon geiler als
Volupia gelebt
Und an den weichen Brüsten
Der weltlichen Gelüsten
Gantz Kletten-zäh geklebt
Voll Lusts biß an den Halß
Obschon diß Venus-Thier
In Lust ertruncken schier.
Wie lang hat es gedeyt
Wie lang hat es gewehrt?
In ihren besten Jahren
Hat sie mit Läid erfahren
Daß niemand vor dem Schwerdt
Des Unglücks sey befreyt:
Zwo Schlangen an der Brust
Vertrieben ihr die Lust.
Wo ist Sardanapal,
Der dapffre Kunckel-Held
Der sich befunden immer
Nur bey dem Frauen-Zimmer
Hingegen in das Feld
Gewagt sich nicht einmal?
Der eitler als ein Weib
Gepflogen seinem Leib?
Wie wurd' ihm nicht so theur
Und scharff die Freud verwürtzt
Indeme dieser Königs
(Gar unglückhaffte) Phœnix
Verzweifflend sich gestürtzt
Vor Unmuht in das Feur
Und so auff heisser Gluht
Geendet seinen Muht.
Sagt wo ist Julius,
Der Käysern Ruhm und Zier
Der niemahl unterlegen
Mit seinem Glückes-Degen:
Den die Fortuna schier
Ertränckt mit Uberfluß
Und ihn so hoch geführt
Daß ihn kein Läid berührt?
Ey laß! in bestem Lust
Da war' es mit ihm auß
Dann er von seinen Feinden
(Vermeinten besten Freunden)
In dem befreyten Hauß
Erbärmlich sterben mußt:
Brutus sein eigner Sohn
Riß' ihn von seinem Thron.
Der Zucker Gallen macht:
Der Wollust folgt das Läid
Gleich wie dem Leib der Schatten:
Der Ochs wird von der Matten
Wann er fett von der Wäid
Geführet auff die Schlacht:
Das Glück speißt seine Knecht
Nur umb das Jäger-Recht.
Ade dann Eitelkeit
Du böse Seelen-Pest
An wessen göldnen Stricken
Nicht wenig Leut ersticken
Die schier auch mir den Rest
Gegeben allbereit
Wo mich nicht Daphnis Hand
Erlößt von deinem Band.