[8] Die siebende SatyreDes Herrn von Canitz Gegen-AntwortFußnoten

By Friedrich Rudolph Ludwig von Canitz

Written 1676-01-01 - 1676-01-01

Herr Bruder, ich bin froh, daß deine werthe Schrifft

Mit dem, was mich ergetzt, so wohl zusammen trifft;

Indem ich ohne Scheu, seit ich, frey vom Gedränge

Des Hofes, müßig geh, erbauliche Gesänge

Mit dir itzt wechseln darf; weil noch in unserm Geist

Das alte Schrot und Korn sich, ohne Zusatz, weist.

Beglücktes Vaterland! das dich und mich erzogen,

Und wir noch glücklicher! dieweil uns nicht betrogen

Des Hofes Gauckelspiel. Wohlan, so nimm dis Blat,

Das dir, zum zweyten mahl, mein Kiel gewiedmet hat.

Der soll, wenn du ihn wirst mit gleicher Lust erwecken,

Dir meine Phantasie noch mehr und mehr entdecken.

Denn du bist nicht ein Mann, nach Art der neuen Welt,

Der den Machiavell für sein Gebet-Buch hält;

Der sich bloß auf die Kunst, dem Hof zu schmeicheln, leget,

Und einen Juncker kaum, Herr Ohm, zu nennen pfleget.

Kein Glück ist dir zu starck, das dich bemeistern kan;

Dir legt kein Fürsten-Blick die güldnen Fessel an;

Du lebst, als Last-Vieh nicht, wie mancher, angebunden.

Was du der Herrschaft stiehlst, das sind vergnügte Stunden.

Kein fremdes Wohlergehn ists, was dein Hertze nagt.

Mir ist nicht unbewust, daß dir ein Schertz behagt.

Wenn nur ein freyes Wort, das uns die Zeit verkürtzet,

Nicht seinen Honigseim mit Coloquinten würtzet,

Und nur kein heimlich Gifft den Nechsten sticht und schilt,

Daß manchem Papagey der Kopf, vor Eyfer, schwillt.

Du forderst keinen Pracht der köstlichen Bancketen;

Vor dir darf keiner, auch mit schlechter Kost, erröthen.

Ich weiß, daß du die Zeit mit Wirthschafft offt vertreibst,

Und selbst, wie Plinius und Columella, schreibst.

Wird doch kein Bücher-Saal im Teutschen Reich gefunden,

Da nicht Eusebius, in Pergament gebunden,

Durch Hohbergs treuen Fleiß die späte Nachwelt lehrt,

Wie die Morene sich in seinen Wassern mehrt.

So soll denn alle Frucht, die mein Gehirn gebieret,

Weil uns doch gleicher Sinn zu gleichem Handwerck führet,

Dir künfftig eigen seyn; wenn nur nicht Grieß und Gicht

Die Unschuld-volle Lust zu zeitig unterbricht.

Nimm dis zur Antwort hin auf die geehrten Zeilen,

Die gestern dir beliebt mir wieder zu ertheilen.

Nun send ich, werthster Freund, den Danck, der dir gebührt,

Weil schon dein muntrer Knecht die Räder eingeschmiert,

Damit du bald genug mit den geliebten Deinen,

Auf meinem Meyerhof am Freytag kanst erscheinen.

Fort Gelben! biß der Trab euch das Gebiß beschäumt.

Euch ist schon Kripp und Stall beyzeiten ausgeräumt.

Seyd stoltz, weil ihr vielleicht noch nicht in einem Wagen,

So viel vom edlen Blut der Branden habt getragen.

Schickt euch zur stillen Ruh, nach einem kurtzen Lauf,

Und haltet länger nicht den Wirth zu Blumberg auf;

Der, wenn er einen Hund von weitem bellen höret,

Ein freudiges Gesicht nach seinen Gästen kehret.

Ihr dürfft nicht nach dem Schritt der andern Rosse sehn;

Denn jene läßt, mit Fleiß, ihr Herr so langsam gehn,

Daß ihn das Tugend-Bild, das mit so holden Blicken

Ihm an der Seiten strahlt, noch länger soll entzücken.

Doch glaubt mir, wenn er ihr nur das geringste sagt,

Und ihren Helden-Muth dadurch in Harnisch jagt,

Wird, nach dem ersten Blitz der zornigen Geberden,

Er selbst vor Schrecken stumm, die Braune rasend, werden.

Zuletzt ersuch ich dich, daß meiner Grillen Tand,

Herr Bruder, dir allein, nicht Fremden, sey bekandt.

Ein Lied, das ich nur dir, und keinem andern, singe,

Ist ja kein Ständgen nicht, das ich der Strasse bringe.

Ein Kuß, der Marck und Bein, in Keuschheit, zittern macht,

Wird, wenn es niemand sieht, zum besten angebracht.

Ich habe guten Fug ein solches zu begehren,

Drum wirst du deinem Freund es als ein Freund gewähren;

Sonst zieh ich meinen Kopf, als wie die Schnecken, ein,

Und werde weniger, als sonst, dein Diener seyn.

Mit den Satyren selbst, die in den Wäldern hüpffen,

Werd ich, auf solchen Fall, mich wider dich verknüpffen,

Und schreyen, biß es weit durch Berg und Thäler gällt:

Daß auch der beste Freund nicht Treu und Glauben hält.