8.An den Heiligen Geist

By Andreas Gryphius

Written 1640-01-01 - 1640-01-01

Geist grosser Geist der sich in Feur-getheilten Zungen

Mit Segen-reicher Macht der höchsten Wissenschafft

Und Felsen-fester Stärck' und unerschreckter Krafft

Auf die vor mehr denn blöd' itzt kluge Schaar geschwungen

Erwecke doch mein Hertz wenn ich in Angst gedrungen

Zag ohne festen Trost wenn nun kein Rath mehr hafft

Und mich der Sünden Grimm gleich einer Blum' hinrafft

Wenn mich der Erden Trotz und Höllen-Angst besprungen.

Was wil mein blöder Mund? wil er sich unterwinden

Den Ländern vorzustehn der Fürsten Hand zu binden?

Nein Herr die Lipp' erstarrt und zittert und erstirbt.

Ach rede du durch mich gib Muth frey auszusprechen

Wenn mir Bedeckens-Zeit und Wort und Zung gebrechen

Daß man den Nachdruck schau wenn Gott durch Menschen wirbt.