8.Christi Verdammung vor den Priestern/ vnd Petri Verläugnung

By Andreas Gryphius

Written 1640-01-01 - 1640-01-01

Was zag Ich! Wenn der Hellen Macht

Mit Lügen auff mich wüttet?

Wenn Mich die gantze Welt verlacht!

Vnd List vnd Trug außbrüttet?

Sie hat deß Höchsten Vaters Sohn

Der Warheit widersprochen

Die Warheit selbst hat ihren Hohn

Vnd frechen Trotz gebrochen.

Viel falsche Zeugen fochten an

Die über-reine Lippen:

In den man kein falsch finden kan

Doch wie die feste Klippen

Durch keiner Wellen Sturm zubricht:

Wie scharff die Winde rasen

So wenig kan diß helle Licht

Ihr Lästermaul außblasen.

Ihr' Zeugen sti it nicht überein

Vnd macht sie selbst zu schanden

Auffs letzte bringt man zwey herein

Die einig noch verhanden

Diß sprechen sie diß ist der Mann

Der neulich dorffte sagen

Ich bin es der die Hände kan

An Gottes Tempel schlagen.

In dehm so manche Faust gewerckt

In vieler Jahr vmblauffen

Den wil eh als ein Mensch vermerckt

Ich werffen überhauffen.

Vnd wenn der dritte Sonnenschein

Wird vmb die Erde gehen

Sol von Grund auff durch mich allein

Ein neuer Bau darstehen.

Doch weil sie nicht mit einem Mund

Die Lügen können stärcken

Vnd all' ihr klagen ohne Grund

Vnd ihr Betrug zu mercken

Steht Caiphas endlich auff vnd fragt:

Wilst du noch länger schweigen

Zu diesem was man auff dich sagt

Was von dir all' anzeigen?

Als Jesus noch kein Wort vorbringt

Da lässt sich Caiphas hören:

Bey Gott der alles schafft vnd zwingt

Den Erd vnd Himmel ehren

Beschwer Ich dich red' auß vnd sag

(Damit wir's klar erkennen)

Ob du der Christus? Ob man mag

Deß Höchsten Kind dich nennen?

Du sagst's spricht Jesus: Ja ich bin

Dehn Gott ins Fleisch gesendet:

Ich sag Euch diß noch: wenn Ich hin

Vnd nun mein Werck vollendet

Solt ihr an Gottes rechten Hand

Deß Menschen Sohn erblicken.

Der auff den Wolcken Land vnd Land

Sich wird zu richten schicken.

Da sprang der Hoheprister auff

Vnd riß sein Kleid in Stücken:

Vnd schry: Wil nun der Richter Hauff

Noch viel vmb Zeugen schicken?

Er lästert Gott ihr habt gehört

Was ietzt sein Mund verjähet

Der den den Erd' vnd Himmel ehrt

So grausam hat geschmähet.

Was dünckt Euch? sol man diese That

Den Frevel mehr gestehen?

Nein warlich rufft der gantze Rath

Daß Recht muß vor sich gehen.

Tragt mit der Pest nicht mehr geduld.

Vnd wie wir alle schlissen:

Er sterb'! Er sterbe! diese Schuld

Ist nur durchs Creutz zu büssen.

In dem trifft einer Petrum an

Vnd spricht: Ich mag wol sagen

Dir steck' im Hertzen dieser Mann

Was wil man weiter fragen:

Du bist autz Galileer Land.

Bald kommen mehr gelauffen!

Vnd sprechen du bist Ihm verwand

Vnd auß der Jünger Hauffen.

Nein spricht Er: Ich weiß von Ihm nicht.

Wilst du diß noch verneinen

Sagt Ihm ein ander ins Gesicht:

Was denckst du daß wir meinen?

Man kan dich Galileer recht

Auß deiner Sprach erkennen:

Wie? schreit deß Hohenpriesters Knecht:

Sol man dir Zeugen nennen?

Hab Ich dich nicht in dieser Nacht

Als Jesum wir gebunden

(Bedencke nur was du gemacht.)

Im Garten selbst gefunden?

Da fangt Er an vnd rufft vnd schwer't

Vnd wüntscht das alle Plagen

Wo Er deß Menschen ie begehr't

Auff seinen Kopff einschlagen.

Als Er noch redet kreet der Hahn

In dem sich Jesus wandte

Er sahe Petrum hertzlich an:

Der seinen Fall erkandte

Mit Ach vnd Reu vnd Scham vnd Leid'

Er eylet nach der Thüren

Vnd weiß vor höchster Traurigkeit

Schier keinen Trost zu spüren.

Itzt fällt ihm Christi Warnung ein;

Itzt sein so teur versprechen

Sein Hertze wil vor Angst vnd Pein

In Tausend stücken brechen.

Die Augen rinnen nach vnd nach!

Die heissen Thränen flissen;

Die Thränen die gleich einer Bach

Von beyden Wangen schissen.