9. Clorinda erfreuet sich des Ends ihrer Pilgerfahrt/und der hoch-erwünschten Zu...

By Laurentius von Schnüffis

Written 1667-01-01 - 1667-01-01

Gott sey gepriesen

Der mir erwiesen

So grosse Lieb und Gnad

Daß Er gezogen

Mir höchst bewogen

Mich auff die Himmels-Pfad:

Der mich beruffen zu der Buß

Und biß zum End

Durch seine Händ'

Darbey gesteurt auff steiffem Fuß.

Nun will auff Erden

Es Abend werden

Mit meiner Lebens-Zeit

Bin von der Lände

Wohin ich wende

Mein Schifflein gar nicht weit

Sehr wenig Zeit ist übrig noch

Dann geh ich fort

Nach jenem Ort

Wohin ich stäts verlangt so hoch.

Die Liebes-Schmertzen

In meinem Hertzen

Seynd allzu ungeheur;

Kan nicht mehr wehren

Mich will verzehren

Das strenge Liebes-Feur;

Die Qual durchdringet Marck und Bein

Mir tausendfach

Ach Daphnis, ach!

Vor Lieb werd' ich geäschert ein!

Wie der Theresen,

Dort sey gewesen

Ich nunmehr glauben kan

Als sie zu schwitzen

Vor Liebes-Hitzen

So starck gefangen an

Daß sie ohn' alle andre Seuch

(O süsser Tod

Gleich meiner Noht!)

Ist endlich worden eine Leich.

So heisse Flammen

Verspehrt beysammen

Bald werden brechen auß

Und mich vertreiben;

Wer wolte bleiben

In einem solchen Hauß

So ärger auch als Ætna brennt

Und mir zumal

Mit süsser Qual

Den Leib biß in die Seel durchrennt.

Ich will mit Freuden

Diß Häußlein meyden

Und ziehen stracks darvon;

Hab' dieses Elend

Den Tod erwehlend'

Genug verkostet schon;

Will nach dem Hauß des Herren gehn

Wie gestern spat

Mir Daphnis hat

Trostreich gegeben zu verstehn.

Zu Cusco waren

Vor wenig Jahren

Noch Häuser und Palläst

Als welcher Tächer

Zimm- und Gemächer

Mit Gold bedeckt geweßt;

Ja wie die Sag' der Schreibern geht

Von Gold so gar

Alldorten war'

Das Felder-Hauß- und Tisch-Geräht.

O Bettler-Häußlein

Nur für die Mäußlein

Ein armer Underschlauff!

Ich hab' in Händen

Bald zu vollenden

Wohl einen andern Kauff;

Desgleichen war' auff Erden nicht

Zu keiner Zeit

So groß und weit

Noch also köstlich auffgericht.

Wann auff den Gassen

Sich sehen lassen

Von Gold die Pflaster-Stein;

Von Edlen-Steinen

Die Mauren scheinen

Wie wird die Wohnung seyn?

O Wohnung so kein Menschen-Zung

Entwerffen kan!

Wie solte man

Nicht stutzen vor Verwunderung?

Wann in den Wäldern

Geblümten Feldern

Und grünendem Gestäud

Zu Frühlings-Zeiten

Den jungen Leuten

Begegnet solche Freud

Daß man sich selber ohngefehr

So weit verschliefft

In Lust vertiefft

Als wann man gantz verzucket wär.

Was wird nicht dorten

An jenen Orten

Für Freud und Wollust seyn?

Allwo zu schauen

So gar die Auen

Mit Gold gehaget ein?

Allwo die Landschafft also schön

Daß einer möcht'

Von Lust geschwächt

In lauter Lieblichkeit vergehn.

Der stäte Jäger

Gewild-Erleger

Genannt Hippolitus,

Sich so ergetzte

Der Jagd nachsetzte

Ohn' eintzigen Verdruß

Daß ihn in sieben Jahren auch

Kein Dach bedeckt

Noch Müh erschreckt

Ob schon das Wetter wild und rauch.

O arme Freuden

Nicht zu beneyden

Bey so viel Ungemach;

Was ist das Jagen

Bey nassen Tagen

Für ein' trostreiche Sach

Allwo der Leib gemattet ab

Und immer zu

Beraubt der Ruh'

Samt seiner Lust geht nach dem Grab.

Die Freud dort oben

Die ist zu loben

Und zu verlangen sehr

Weil mit Beschwerden

Alldort nicht werden

Vermischt die Freuden mehr:

Die Nuß hat dort kein' bittre Schelff;

Die Herden seynd

Dort ohne Feind

Weil zu beförchten keine Wölff'.

Diß ist die Wohnung

Der Buß-Belohnung

In meines Daphnis Reich

Was kan mir Schrecken

Und Forcht erwecken

Wann ich von hinnen weich'?

Wann ich aus diesem Jammerthal

Und Thränen-Bach

Wo nicht als ach

Wird' eingehn in den Freuden-Saal.

Mein hier-verbleiben

Und Zeit vertreiben

Ach währet allzu lang!

Das groß Verlangen

Gott umbzufangen

Macht mir unsäglich bang!

Ey laß! warum dann sterb' ich nicht

Der langen Zeit

Forthin befreyt

In Schauung Gottes Angesicht!

Dich aber gebe

Zu Ruh' und lebe

Clorinda wohl getröst:

Es wird bald brechen

Kanst kaum mehr sprechen

Wirst werden bald erlößt;

Das Blut in meinen Adern schon

So stäts gewallt

Wird aller kalt

Der Tod eylt starck mit mir darvon.

Nun du verwandte

Liebreich-bekandte

Sehr werthe Hirten-Schar

Und ihr Freundinne:

Mit-Schäfferinne

Euch alle Gott bewahr':

Nemmt wohl in acht die Ewigkeit

Sie kommt behend

Und hat kein End

Feur oder Freud ist dort bereit.

Wär' ich an Brüsten

Der Welt-Gelüsten

Gehangen biß hieher

Und müßt' jetzt sterben

Zum Heyl-erwerben

Gantz Trost- und Hoffnung-lär

Was wurd' es nunmehr helffen mich

Wann ich nun müßt

Gantz ungebüßt

Gehn zum Verderben ewiglich?

Ach ach! bedencket

In euch versencket

Tieff meine letste Wort:

Niemand kan leben

Der Freud ergeben

Glückselig hier und dort!

Ade: Clorind' nach Gott verräißt

Es geht zum End'

In deine Händ'

O Gott befehl' ich meinen Geist!