9. Clorinda fühlet allgemach/ wie lieblich der Herr/dahero sie lieber sterben/ a...

By Laurentius von Schnüffis

Written 1667-01-01 - 1667-01-01

So bald der heiß-hungrige Bär

Den lieblichen Honig vernimmt

Umb selben (wie tölpisch auch er)

Unsteigbare Bäume beklimmt

Und ob ihn die Immlein schon stechen

Am Honig-Dieb dapffer sich rächen

So laßt er von dannen doch sich

Abtreiben mit keinem Gewalt

Verachtet die schmertzliche Stich'

Der Honig den Schmertzen bezahlt.

So bald der begierige Falck

Vermercket die seuffzende Daub

Verfolgt der arglistige Schalck

Den Felsen-zuflüchtigen Raub

Verachtet des Falckeniers Locken

Erhitzet auff sinnlichen Brocken

Nachsetzet demselben so lang

Biß daß er ihn endlich gefaßt

Durch keinen auch tödtlichen Zwang

Von solchem abschrecken sich laßt.

Wer einmal verkostet und schmeckt

Wie gütig und lieblich der Herr

Denselben kein Abentheur schreckt

Und wann es Megæra schon wär'

Ja alle Gespenster der Höllen

Wie ungeheur sie sich auch stellen

Da müssen abweichen mit Spott

Ablegen ihr stumpffes Gewehr;

Dann welcher sich sehnet nach Gott

Durchdringet die feindliche Heer.

Wie stärcker alldorten ergriff'

Und risse vom Boden hervor

Die Flut das Noëische Schiff

Je mehr es gestiegen empor

Durch grausames Brausen und Bellen

Der rasenden Winden und Wellen

Getrieben wurd' immer nur fort

Schnell-fliegend Armenien zu

Nach seinem erfreulichen Port

Und ewig-verordneter Ruh.

Es könnte des Potiphars Weib

Eydbrüchig an weiblicher Pflicht

Den mehr als Lucrecischen Leib

Des Josephs begwältigen nicht

Wie starck sie auch ihne bestritten

Mit strengen Anhalten und Bitten

Dann Joseph in Schützung der Zucht

Ein wahrer Freund Gottes verblieb':

Auff Parthisch mit löblicher Flucht

Die freundliche Feindin vertrieb'.

Ein treulich Gott-liebende Seel

Von ihrem Vorhaben nicht weicht

Umbstürtzet den Höllischen Bel

Mit Daniels Waffen gar leicht:

Gott lieben macht Zwerge zu Riesen

Wird klärlich an David erwiesen

Der dorten ergriffen fünff Stein

(Von Göttlichem Eyffer bewegt)

Mit welchen er ob er schon klein

Den trutzigen Riesen erlegt.

Gleich wie der Eyßvogel die Bruht

Aushäcket bey grimmigster Kält'

Auch ihme das Wasser nichts thut

Bey dem er sich immer auffhält

Auch also den welcher Gott liebet

Kein einiges Unglück betrübet

Ist wie ein felßechtes Gestad

An welchem das starcke Gewäll

Sich gäntzlich zerstosset und matt

Abweichet mit lährem Gepräll.

Nichts könnte den liebenden Job

Von seinem Gott trennen jemal

Obschon ihn der Satan sehr grob

Ergriffen mit allerhand Qual

Obschon er ihm grausam gezwagen

Die Häuser sammt Kindern erschlagen

Kühe Rinder Schaaf Oren Camel

Auff einen Tag alles entführt

Den gantzen Leib (ohne die Seel)

Mit hefftigsten Plagen berührt.

Die Himmel-hoch steigende Flamm

Die fromme Hebræër nicht hat

Wie hoch sie auch schlagte zusamm

Vermögen zu sündlicher That

In Mitte der Flammen stäts haben

Gesungen die muhtige Knaben

Hingegen hat selbiges Feur

Die böse Chaldeér verzehrt:

Die Boßheit kommt Bösen sehr theur:

Gott schützet den welcher Ihn ehrt.

Gleich wie das beständige Gold

Im Ofen nur köstlicher wird

So daß ihm die Menschen gantz hold

Nachstreben mit heisser Begierd

Wird in dem Feur immer nur feiner

Fürtrefflicher schöner und reiner;

Auch also nimmt zu der Gerecht'

In seinem hochschätzbaren Wehrt

Je mehr ihm durch scharffes Gefecht

Der Satan zu schaden begehrt.

Wie wurd' Eleazarus nicht

Zu sündigen nöhtlich geträngt

Und wider die Jüdische Pflicht

Zu handlen an hefftig gestrengt;

Doch könnte das Wüten der Heyden

Von seinem Gott ihne nicht scheiden

Kein Marter wie schrecklich auch sie

Abschrecken ihne könnt' von Gott

Wolt' eher auch sterben als je

Verlassen sein heiligs Gebott.

So bald sich das Epheu der Maur

Viel-füßig gehefftet hat an

Dasselbig noch Regen noch Schaur

Hinfüro absönderen kan

Laßt eher sich völlig zerreissen

Ja Stuck-weiß zur Erden hinschmeissen

Als daß es freywillig abweich'

Von welcher es wurde gesteurt

Womit es sein' Treu und zugleich

Beständige Liebe betheurt.

So kan auch den Liebenden nicht

Von seinem Gott sönderen ab

Noch Schrecken noch scharffes Gericht

Noch schmeichlen noch reitzende Gaab;

Wird lieber sein köstliches Leben

Als seinen Gott treuloß auffgeben;

Verachtet die Freuden so ihm

Die schnöde Glücks-Göttin fürhält

Als eine Sach welche mehr schlimm

Dann alle Trübsalen der Welt.

Viel tausend bezeugten ja diß

Mit häuffig vergossenem Blut

Indem sie der Hencker hinriß'

Zur Marter mit grimmigem Wuht;

Theils liessen lebendig sich schinden

Theils an das Creutz andere binden

Theils haben auff glüendem Rost

Die stoltze Tyrannen gespilt

Von oben mit Göttlichen Trost

In ihrer Verfolgung erfüllt.

Es hat der Satan zwar sich

Bemühet mit allem Gewalt

Durch seine Versuchungen mich

Zu stürtzen auff manche Gestalt

Doch würd ich von keiner so hefftig

Beträngt und bestritten so kräfftig

Als von dem nichtswertigen Wohn

Zu werden bey denen veracht

Bey welchen ich läider! mich schon

Durch Boßheit annehmlich gemacht.

Ach diese gemeine Welt-Pest

Mich hatte bethöret sehr lang

Zurucke gehalten so vest

Daß schwärlich zu siegen der Zwang:

Ich dencke mit Seufftzen und Klagen:

Was werden die Menschen doch sagen?

Wann Welt-scheuh Clorinda nunmehr

Gantz Nonnisch sich halten wird ein?

Das wird ja die gröste Unehr

Mir bey den Welt-Kinderen seyn.

O wie viel viel tausend (sag' ich)

Dem bösen Feind haben gehorcht

Von Daphnis gesönderet sich

Krafft dieser armseligen Forcht!

Viel lieber Gott wolten mißfallen

Als rühren den Sündern die Gallen

Verlassen das ewige Gut

Zu bleiben bey diesen in Huld

Gehn also zur Höllischen Glut

Aus eigner freywilliger Schuld.

Diß ware der Gordische Knopff

Womit ich viel Zeiten verzehrt

Indeme mein närrischer Kopff

Stäts wolte nur werden geehrt;

Als aber ich meine Gedancken

Gezwungen in engere Schrancken

Betrachtend daß aller Welt-Gunst

Als Schatten vergänglicher sey

Und wie ein auffsteigender Dunst

Im Augenblick schleiche vorbey.

Als hab' ich mit starckem Entschluß

Den blöden Forcht-Teuffel veracht

Hingegen durch Menschen-Verdruß

Mir Daphnis zum Freunde gemacht

Als der sich ein pfleget zu stellen

Getreuer als jene Gesellen

Die Freunde bey lachendem Glück

Bey rasendem keine mehr seynd

Sich diebisch dann ziehen zurück

Verlassen den seuffzenden Freund.

Gott aber in äusserster Noht

Ein treuer Freund bleibet allein

Drumb will ich im Leben und Tod

Mit ihme vereiniget seyn:

Und ob es mit seinen Feld-Heeren

Gradivus auch wolte verwehren

So muß er mit seinem Gewalt

Doch endlich abweichen mit Spott;

Dann wer mich von Daphnis abhalt

Wird müssen seyn stärcker als Gott.