9.In der Frühe

By Heinrich Heine

Written 1826-01-01 - 1826-01-01

Auf dem Faubourg Saint-Marceau

Lag der Nebel heute morgen,

Spätherbstnebel, dicht und schwer,

Einer weißen Nacht vergleichbar.

Wandelnd durch die weiße Nacht,

Schaut ich mir vorübergleiten

Eine weibliche Gestalt,

Die dem Mondenlicht vergleichbar.

Ja, sie war wie Mondenlicht

Leichthinschwebend, zart und zierlich;

Solchen schlanken Gliederbau

Sah ich hier in Frankreich niemals.

War es Luna selbst vielleicht,

Die sich heut bei einem schönen,

Zärtlichen Endymion

Des Quartier Latin verspätet?

Auf dem Heimweg dacht ich nach:

Warum floh sie meinen Anblick?

Hielt die Göttin mich vielleicht

Für den Sonnenlenker Phöbus?