9.Ruhe deß Gemüttes
Written 1640-01-01 - 1640-01-01
Wie seelig ist der hohe Geist zu schätzen
Der deß geschminckten Glückes falsche Pracht
Vnd was bethörte Sinnen mag ergetzen
Mit sorg vnd kummer freyem Mutt verlacht!
Dem kein verzagen
Das Hertz zubricht
Den auch kein klagen
Noch hohn anficht
Noch Neydt ansticht.
Er tritt was alles tritt mit steiffen Füssen
Herrscht über sich vnd pocht der Menschen Noth
Er trotzt was Fleisch vnd Jahre leiden müssen
Er zwingt die Pest der grossen Welt den Todt.
Er findet in sich
Was jener sucht
Der stets gleich alß Ich
In schneller flucht
Irr't ohne Frucht.
Er hört mit lust wen mancher rühm't vnd leuget
Vnd höhnt den Rauch der stoltzen Eitelkeit
Er schaw't wenn mich ein falscher Freundt betreuget
Sich vmb nach trew der hochbegreißten zeit.
Er lib't nicht Liebe
Die Wind vnd dunst
Vnd Seelen hiebe
Gibt vor die gunst
Der keuschen Brunst.
Er schmückt sein gantz mit Ehr geziert Gemütte
Mit nicht gemeinem glantz der Weißheit auß;
Er lern't warumb die stoltze Welle wütte;
Er kenn't die Sternen selbst in jhrem Hauß
Was in den Lüfften
Was ob vns schweb;
Was auß den klüfften
Der grufft erheb'
Vnd ewig leb'.
Ihm steht was Welt vnd Himmel zuschleust offen:
Er denen nur die sein Verstand erwehlt.
Von denen gleiche Seel vnd gunst zu hoffen
Vnd Trew die Freund erkiest vnd selten zehlt
Mit den vrtheilet
Er lust vnd leidt
Was schlegt vnd heilet
Was nah' vnd weit
Vnd Todt vnd Zeit.
Ach! könt ich was ich jtzund rühm' erlangen
Ach mein verhängnis! was hält mich zurück?
Wenn wird mich doch die süsse Ruh' vmbfangen?
Die schöne Lust das allerhöchste Glück.
Mich würd ergetzen
Ein lustig Feldt
Vor reichßten Schätzen
Der Fürsten Zelt
Ja Ehr vnd Welt.