9. Erziehung durch Langeweile .

By Clemens Brentano

Wo flieh ich hin? wo soll ich bleiben?

Wo wird die süße Stille seyn?

Da ich mich könnte schliessen ein,

Und mich nicht lassen mehr umtreiben

In Unruh dieser äussern Dinge.

Ist keine Einsamkeit bereit,

Darin ich Gott ein Loblied singe,

Der von Zerstreuung mich befreit?

Mein Geist will in die Wüste ziehen,

Und wünscht sich Taubenflügel an;

Weil er vor Angst nicht bleiben kann,

Da wo die Menschen sich bemühen,

Von Gott noch weiter wegzugehen

Und niemals bei sich selbst zu seyn;

Ich kann den Jammer nicht mehr sehen,

Und bleibe selbst dabei nicht rein.

Drum fort o Seel! entzeuch geschwinde

Dich der Gesellschaft dieser Welt!

Zerreiß, was dich gefangen hält,

Damit dein Fuß die Ruhe finde,

Wo kein Geräusche dich verstöret;

Kein Zuspruch, Sorgen und Verdruß

Den Umgang dir mit Gott verwehret,

Der hier oft unterbleiben muß.

Ich freu mich schon auf eine Kammer,

Die mich in sich verschliessen wird;

Und durch den engen Raum abführt,

Von aller Unruh, Streit und Jammer,

Den große Städt und Schlösser haben;

Hier soll nur meine Ruhstädt seyn,

Da Sicherheit und Fried mich laben,

Und kein Unfriede bricht herein.

Nun will ich erst recht singen, beten,

Und in der Andacht kommen weit;

Weil ich nicht durch so viel zerstreut,

Vor Gott mit stillem Geist darf treten.

Da soll kein Feind mich hindern können,

Ich geh in Canaan schon ein,

Mein Paradies soll man es nennen,

Hier will ich auch begraben seyn.