9. Schäferlied bey dem Kripplein Christi
By Johann Klaj
Written 1636-01-01 - 1636-01-01
Kind bethrene nicht die Augen
noch das rosenfarbne Kin
das durchträncket meinen Sinn
Irene mir das Blut aussaugen
Sause liebes Kindelein
Eja laß das weinen sein.
Schau ich bring dir schöne Kesten
von der warmen Kohlenglut
Bieren die wie Wachß vnd Blut
angefärbet von dem Westen
Sause liebes Kindelein
Eja laß das weinen sein.
Schau was ich für Oepffel trage
die ich jüngsthin selbst gepfropft
selbsten wider abgeropft
Da die Sonn trat auf die Wage
Oepfel die kein Wurm zernagt
Oepfel die kein Nord geplagt.
Schweig! ich hab in meiner Hütten
Qwendel Majoran vnd Kohl
Mohn Lavendel Spick und Pohl
eingemachte Zuckerqwitten
Alles sol es deine sein
schweigest du mein Jesulein.
Ich geb acht im Morgenhüten
wo der Diftelfincke heckt
wo die Grasemücke steckt
Wo die Ringeltauben brüten
Schweig ich gebe dir heraus
Vater Mutter Kind und Hauß.
Gestern hab ich außgegangen
ein geschecktes Rehböcklein
Morgen sol es deine sein
Morgen wil ichs selber fangen
Sause liebes Jesulein
Eja laß das weinen sein.
Schweig ich wil mit Himelsschlüsseln
Majenblümlein Gartenklee
mit den Lilien Silberschnee
mit Panengen Nägleinpüscheln
und vergüldter Rosmarin
deine Wiegen überziehn.
Fort kan keine Bärentatzen
überfallen in demm Schlaf
Ein vernunfftberaubtes Schaf
noch ein säugend Lamm zerkratzen
Habicht Tauben Haß und Hund
Pardel Ziegen sind ein Bund.
Keine Rüden dörffen bellen
Kein Dieb keinen schaden thut
ohne Hirten ohne Hut
Eitervolle Lämmer schellen
Nun jhr Schäflein brecht und beist
kein Wolf euch zu boden reist.
Auff jhr Hirten schneidet Pfeiffen
köpfet keinen Weidenstrauß
flechtet keine Hürden drauß
Lasset eure Heerden schweiffen
biß daß sie die Hitze plagt
unter einen Yöisch jagt.
Keine blauen Schlangen zischen
Sich verwicklen in den Ring
Eisenhüttlein Wütscherling
sind verbannet auß den Büschen
Friede güldne zeit verneut
güldne zeit verneuet Freud.
Balsam tröpftet auß den Rinden
Honig rauschet durch den Thal
Zimmer wächset überal
auf den Bergen in den Gründen
Friede güldne zeit verneut
güldne zeit verneuet Freud.
Weg jhr Bauren Pflug und Egen
streuet keinen Samen auß
füllet euer Garbenhauß
Ihr dürfft keine Hand anlegen
Sonder Vnkraut Tresp und Dorn
wächset rein und reifes Korn.
Leselt kältert füllt die Fässer
juch jhr Wintzer habt es gut
selbst gewachsenes Traubenblut
Trinckt jhr sonder Karst und Messer
Friede güldne zeit verneut
güldne zeit verneuet Freud.
Man wird keinen Maulwurf spüren
dessen Schantzen Wiesen frist
Weitzen der geschöbert ist
wird kein Hamster nicht berühren
kein Brand keine blüten sterbt
Meelthau keine Saat verderbt.
Joche Pflugstertz Waltzen Rechen
was zum Ackerwerck erdacht
was das Zugvieh müde macht
Alles müsset jhr zerbrechen
Friede güldne zeit verneut
güldne zeit verneuet Freud.
Auch die Heerd die abgeweidet
schwimmend in dem Badeteich
Der Waid meng und Sandelreich
wird mit Purpur außgekleidet
ja der Ziegenmann der Bock
trägt einen bunten Rock.
Wie der mit geschelten Stäben
was er weiß getrieben auß
schwartzbestriemt gebracht zu Hauß
wenn er jhnen Tranck gegeben
Sause liebes Kindelein
Eja sause schlaf fein ein.
Ach es schlummert einen Schläfer
Ach es schleust die Sternlein zu
schicket sich zur süssen Ruh
Stille stille lauter Schäfer.
Sause liebes Kindelein
Eja sause schlaf fein ein.