9.

By Emanuel Geibel

Written 1833-01-01 - 1833-01-01

Es türmt sich Not und Jammer unermessen

Vom Eispol bis zum Nil in weiter Runde,

Zwist, Aufruhr, Seuchen wandeln hin im Bunde,

Von Land zu Land der Städte Mark zu fressen.

Die Reb' ist schwarz, will sie der Winzer pressen;

Zermalmt vom Hagel liegt die Frucht am Grunde;

Die Luft trieft Feuer, und mit gier'gem Schlunde

Verschlingt die Woge, was die Glut vergessen.

So war es stets, wenn abendlich und bange

Die kalten Schatten auf den Erdkreis fielen

Von einer Weltzeit Sonnenuntergange.

Doch nicht an Zeichen, die aufs Ende zielen,

Glaubt dies Geschlecht und schreit im irren Drange

Am offnen Grabe nur nach Brot und Spielen.