97.Spatzier-Gedanken.
Written 1690-01-01 - 1690-01-01
Ihr Hügel die ihr mich noch kennet
Erinnert euch der grossen Lust
die jenesmahl mir war bewust
Als ich das Paradiß euch nennet.
Ihr Auen die ihr kont ergetzen
Vergönnet mir daß ich die Freud
Die mir der Herr bey euch bereit
Dem Edens-Platz mag ähnlich schätzen
Da spielte der Einfalt vollkommene Treue
Und knüpffte die Bande der Hertzen auffs neue.
Es musten frohe Lieder schallen
Die Vögel musten Zeugen seyn
Der schnelle Bach der stimmte ein
Gott könt der Umbgang wol gefallen.
Die Creatur must uns bedienen
Es lacht uns alles lieblich an
Wir traten auff der Liebe Bahn
Und lobten unsern Gott im grünen
Man hatte der Städte Getümmel vergessen
Und ware den Sorgen und Kummer entsessen.
Ihr Zweige laßt die Blätter fallen
Die ihr damahls so schön geblüht
Und nun die Kräffte einwärts zieht.
Doch soll bey euch noch wieder schallen
Nach dem ihr lang betrübt gesehen
Was der und jener liebes weiß
Und was er weiß von Gottes Preiß.
Ihr sollt bald wieder grünend stehen
Wenn euch die erhöhete Sonne anblicket
Und unsere Sonne die Hertzen erquicket.
Die Hoffnung soll mir nimmer fehlen
Daß mir ein Frühling wieder grünt
Und mir mit frischen Rosen dient.
Ich will nicht mehr die Stadt erwehlen
Und überall gebunden stehen;
Ich weiß noch endlich frey zu seyn
Und in das freye Feld hinein
Mit dem was ich erwehlt zu gehen.
Ich gehe zur Freyheit auff guldenen Stuffen
Das Echo soll itzo entgegen mir ruffen.