99. Er redet den Mund seiner Freundin an, die er bei sich hatte

By Paul Fleming

Written 1624-01-01 - 1624-01-01

Hab' ich dich nun einmal, du Kühlung meiner Hitze,

du Labsal meines Dursts, den du mir selbst gemacht

nach deinem Lebenstau, als du mich angelacht

und ernstlich hast bestrahlt mit deiner Äuglein Plitze!

Wol mir Glückseligem, der ich den Göttern sitze

selbselbsten in dem Schoß'! Ich find an mir vollbracht

all', alle Süßigkeit, so werden kan erdacht,

und biete nun auf Lust den Göttern selbst die Spitze.

Tut, bitt' ich, tut euch auf, o ihr Korallenpforten,

und sagt mir eure Gunst mit halbgemachten Worten.

Doch, was begehr ich das? Du bist ihr Herzens Rat,

du rosengleicher Mund, das, weils nicht kan geschehen,

daß sich es bloß von mir und leiblich lasse sehen,

dich mir an seine Stat hieraus gesendet hat.