A ls er L esbien vergebens üm ein Affections -Band ersuchet.

By Christian Friedrich Hunold

Beliebtes Lindenfeld! ich soll dir dienstbar seyn

Dieweil dir meine Brust so manchen Seufftzer schencket

Du fällst mir schöner Ort vor allen andern ein

So offt nur mein Gemüth an was galantes dencket.

Doch dieses alles ist nur der Gedancken Spiel

Denn niemahls darff ich wohl von dir was liebes hoffen.

Du weist die strenge Hand verrücket mir das Ziel

Und machet daß ich nur was leeres angetroffen.

Die Lesbia so dort in deinen Mauren strahlt

Durch deren Schönheits-Pracht ich dich als Schöne kenne

Hat mein Verlangen nicht mit rechter Müntz bezahlt

Und machet daß ich dich auch itzo grausam nenne.

Ihr Auge welches stets in holder Anmuth lacht

Ließ mich von aussen nur der Liebe Strahlen lesen

Denn da ich auff den Grund und Uhrsprung war bedacht

So war es blosser Schertz und Höfflichkeit gewesen.

Ich bathe sie mit Fleiß nur üm ein solches Band

Das aus Galanterie offt mancher hat empfangen:

Jedoch die schöne Sprach: Dis ist ein Liebes Pfand

Und der mein Liebster heißt pflegt nur damit zu prangen.

Und so ward mir der Korb gantz freundlich zugestellt

Da durch sie sich dennoch gewogen will erweisen;

Denn spricht sie:

So kan dein freyer Sinn mich mehr als gütig heissen.

Nun wohl ich nehme gern der Freyheit Kleinod an

Und löse wenn ich kan den Geist von schweren Ketten

Wenn nur was ihre Hand itzo nicht geben kan

Die schönen Augen mir nicht schon geschencket hätten.