A ls er sie im S chlaffe küs- sete.
Der Schönheit Meisterstück verliebter Eigensinn
Sucht' ihren Uberdruß im Schlaffe zu versüssen
Sie striche Quaal und Schmertz des treuen Damons hin
Um lieber gar den Tod als seinen Mund zu küssen.
Die Sinnen schlossen sich mit ihren Augen zu
Und Venus hilfft sie selbst in ihre Ruhe wiegen!
Denn schöne grausame sprach sie entschläffest du
Soll Damon seinen Wunsch gar bald vergnüget kriegen.
Wie nun der strenge Geist auff Phantasien lieff
Und auch in Traume nicht die Liebe wolte leiden
Erwachte Damons Lust da sein Vergnügen schlieff
Und konte sich genug auff ihren Lippen weiden.
So wohl nahm Damons Durst die Kühlungs-Zeit in acht
So artig wuste sich die Venus auch zu rächen;
Denn wo der Gärtner nicht bey seinen Blumen wacht
So kan ein schlauer Dieb die schönsten Rosen brechen.
Es war ihr sprödes Thun mit rechter Müntz bezahlt
Verlachte sie zuvor sein sehnliches Verlangen
So hat sein Freuden-Stern auch nie so schön gestrahlt
Als da vor einen Kuß er tausend hat empfangen.
Drum so verweigert uns ihr lieben Kinder nicht
Was die Natur euch pflegt an Schätzen mit zu theilen;
Ihr seyd der Artzt den man offt üm die Cur bespricht
Und lasset euch wohl selbst an dieser Krackheit heilen.
Ja wo ihr noch so karg mit einen Küßgen seyd
Und macht uns manches mahl die schöne Kost zu nichte
So mehret ihr dadurch nur ihre Süssigkeit
Weil man nichts liebers isst als die gestohlne Früchte.