A ls er sie im S chlaffe küs- sete.

By Christian Friedrich Hunold

Der Schönheit Meisterstück verliebter Eigensinn

Sucht' ihren Uberdruß im Schlaffe zu versüssen

Sie striche Quaal und Schmertz des treuen Damons hin

Um lieber gar den Tod als seinen Mund zu küssen.

Die Sinnen schlossen sich mit ihren Augen zu

Und Venus hilfft sie selbst in ihre Ruhe wiegen!

Denn schöne grausame sprach sie entschläffest du

Soll Damon seinen Wunsch gar bald vergnüget kriegen.

Wie nun der strenge Geist auff Phantasien lieff

Und auch in Traume nicht die Liebe wolte leiden

Erwachte Damons Lust da sein Vergnügen schlieff

Und konte sich genug auff ihren Lippen weiden.

So wohl nahm Damons Durst die Kühlungs-Zeit in acht

So artig wuste sich die Venus auch zu rächen;

Denn wo der Gärtner nicht bey seinen Blumen wacht

So kan ein schlauer Dieb die schönsten Rosen brechen.

Es war ihr sprödes Thun mit rechter Müntz bezahlt

Verlachte sie zuvor sein sehnliches Verlangen

So hat sein Freuden-Stern auch nie so schön gestrahlt

Als da vor einen Kuß er tausend hat empfangen.

Drum so verweigert uns ihr lieben Kinder nicht

Was die Natur euch pflegt an Schätzen mit zu theilen;

Ihr seyd der Artzt den man offt üm die Cur bespricht

Und lasset euch wohl selbst an dieser Krackheit heilen.

Ja wo ihr noch so karg mit einen Küßgen seyd

Und macht uns manches mahl die schöne Kost zu nichte

So mehret ihr dadurch nur ihre Süssigkeit

Weil man nichts liebers isst als die gestohlne Früchte.