A n einen guten F reund in Leipzig.

By Christian Friedrich Hunold

Geliebter Hertzens Freund vergib doch meinen Schreiben

Wofern der enge Raum voll tausend klagen ist.

Wie kan ich ohne dir vergnügt und glücklich bleiben

Weil du vielleicht entfernt auch von Gemüthe bist?

Der letzte Abschied mahlt mir dein getreues Hertze

Das durch die Wehmuth brach mit süssen Zügen vor

In meinen Augen brennt noch deine Freundschaffts-Kertze

Und dein verpflichtes Wort klingt noch vor meinen Ohr:

Es heiß: Kein fremder Ort soll dich mir fremde machen

In unsrer Brust zerfält der Felß der Treue nicht

Ich will so Glück als Zeit und alles diß verlachen

So unser festes Band der reinen Freundschafft bricht.

Die Hertzen sollen sich auf diese Weise sprechen

So die Entfernung uns durch öfftres Schreiben lehrt.

Allein wie lange Zeit läst du mich nichts erbrechen

Daß meinen Kummer stillt und mich mit Freuden nehrt?

Will etwan der Verdacht nun lichte Flammen fangen

Der in den nechsten Brief nur falsche Funcken wieß

Als hätte dich dein Freund so schändlich hintergangen

Daß deine Briefe nicht der Meyneid folgen ließ?

Sie sind ja wie ich weiß vorlängst in deinen Händen

Und die Entschuldigung von mir liegt auch dabey.

Nicht meine daß mich kan ein toller Stein verblenden

Ich schwere mein Gemüth' ist von der Schmincke frey.

Ich lieb ein edel Hertz bey einen Frauenzimmer

Die Brust hat sich gewöhnt den Lastern Feind zu seyn.

Ich liebe reines Gold und keinen falschen Schimmer

Auch der Verdacht davon flößt einen Eckel ein.

Hier ist ein Diamant der einen Schreck bekommen

Ein Stein der durch den Thau der Wollust ausgehölt

Ein Berg-Werck wo man hat die Schätze draus genommen

Ein Vielfraß welcher sich nur Menschen-Fleisch erwehlt.

Ein solcher Blumen-Strauß der welck und abgerochen

Ein Garten der nunmehr vor Rosen-Disteln hegt.

Ein Apffel den ein Wurm (du kennst ihn wohl) zerstochen.

Ein Acker wer ihn kennt der welcke Schooten trägt.

Ein Heerd worauf nunmehr fast alle Vogel springen

Ein Teich der jeden Fisch gleich zwinget abzustehn.

Ein Wall-Fisch der mit Lust den Jonas kan verschlingen

Und welcken Rüben gleich läst wieder von sich gehn.

Wie solt' ich meine Lust an nichts galanters suchen

Wo Kern und Schaalen schön und unverletzet sind?

Du meinst ich ässe wohl die Brocken von den Kuchen?

Nein lieben ist zwar offt doch mit Vernunfft nicht blind.

Ich achte keinen Rock den man schon abgetragen

Ob erst der beste Freund hinein gekrochen ist

Und alle Welt soll doch von unsrer Treue sagen

Wenn dich gleich Damon nicht als einen Schwager-Küst'

Mein Auge schaut ja sonst die schönsten Blumen blühen

Und mein vergnügen Blüth offt ohne Ruhm zugleich:

Die Geilheit kan mich nicht in solche Netze ziehen

Ein freyer Sinn verbleibt mein irdisch Himmelreich.

Mein Freund so schlage denn den Argwohn aus den Sinnen

Und dencke Damon ist noch deiner Freundschafft wehrt:

Die Welt soll eher noch in ihren Klump zerrinnen

Als deine Treu von mir ein falsches Werck erfährt.

Ich wolte dir wohl noch von tausend Wundern schreiben

Die itzt in - - - in vollen schwange gehn

Und wie die Mädgen sich den Kützel selbst vertreiben

Was da und dort passirt und neulich ist geschehn

Allein die kurtze Zeit gedenckt es zu verschieben

Biß mich die Antwort auch von dir gelücklich macht.

Indessen schreibe mir die Zufäll' in den lieben

Wie Leipzig vor dich sorgt wo dein Vergnügen lacht.

Ich weiß es sind bey dir auch süsse Neben-Stunden

Wen Carpzov Struv und Strick nun deinen Fleiß vergnügt

So hat auch Venus was zu deiner Lust erfunden

Der Wechsel ist beliebt der sich so glücklich fügt.

Nun wohl ich gönne dir von Hertzen dein Ergetzen

Das meine schläfft auch nicht und ist recht ungemein

Wenn du mich wilst hinfort des Tituls würdig schätzen

Das biß auf Lebenslang dein treuer Freund soll seyn.

Damon.