A n einen guten F reund in Leipzig.
Geliebter Hertzens Freund vergib doch meinen Schreiben
Wofern der enge Raum voll tausend klagen ist.
Wie kan ich ohne dir vergnügt und glücklich bleiben
Weil du vielleicht entfernt auch von Gemüthe bist?
Der letzte Abschied mahlt mir dein getreues Hertze
Das durch die Wehmuth brach mit süssen Zügen vor
In meinen Augen brennt noch deine Freundschaffts-Kertze
Und dein verpflichtes Wort klingt noch vor meinen Ohr:
Es heiß: Kein fremder Ort soll dich mir fremde machen
In unsrer Brust zerfält der Felß der Treue nicht
Ich will so Glück als Zeit und alles diß verlachen
So unser festes Band der reinen Freundschafft bricht.
Die Hertzen sollen sich auf diese Weise sprechen
So die Entfernung uns durch öfftres Schreiben lehrt.
Allein wie lange Zeit läst du mich nichts erbrechen
Daß meinen Kummer stillt und mich mit Freuden nehrt?
Will etwan der Verdacht nun lichte Flammen fangen
Der in den nechsten Brief nur falsche Funcken wieß
Als hätte dich dein Freund so schändlich hintergangen
Daß deine Briefe nicht der Meyneid folgen ließ?
Sie sind ja wie ich weiß vorlängst in deinen Händen
Und die Entschuldigung von mir liegt auch dabey.
Nicht meine daß mich kan ein toller Stein verblenden
Ich schwere mein Gemüth' ist von der Schmincke frey.
Ich lieb ein edel Hertz bey einen Frauenzimmer
Die Brust hat sich gewöhnt den Lastern Feind zu seyn.
Ich liebe reines Gold und keinen falschen Schimmer
Auch der Verdacht davon flößt einen Eckel ein.
Hier ist ein Diamant der einen Schreck bekommen
Ein Stein der durch den Thau der Wollust ausgehölt
Ein Berg-Werck wo man hat die Schätze draus genommen
Ein Vielfraß welcher sich nur Menschen-Fleisch erwehlt.
Ein solcher Blumen-Strauß der welck und abgerochen
Ein Garten der nunmehr vor Rosen-Disteln hegt.
Ein Apffel den ein Wurm (du kennst ihn wohl) zerstochen.
Ein Acker wer ihn kennt der welcke Schooten trägt.
Ein Heerd worauf nunmehr fast alle Vogel springen
Ein Teich der jeden Fisch gleich zwinget abzustehn.
Ein Wall-Fisch der mit Lust den Jonas kan verschlingen
Und welcken Rüben gleich läst wieder von sich gehn.
Wie solt' ich meine Lust an nichts galanters suchen
Wo Kern und Schaalen schön und unverletzet sind?
Du meinst ich ässe wohl die Brocken von den Kuchen?
Nein lieben ist zwar offt doch mit Vernunfft nicht blind.
Ich achte keinen Rock den man schon abgetragen
Ob erst der beste Freund hinein gekrochen ist
Und alle Welt soll doch von unsrer Treue sagen
Wenn dich gleich Damon nicht als einen Schwager-Küst'
Mein Auge schaut ja sonst die schönsten Blumen blühen
Und mein vergnügen Blüth offt ohne Ruhm zugleich:
Die Geilheit kan mich nicht in solche Netze ziehen
Ein freyer Sinn verbleibt mein irdisch Himmelreich.
Mein Freund so schlage denn den Argwohn aus den Sinnen
Und dencke Damon ist noch deiner Freundschafft wehrt:
Die Welt soll eher noch in ihren Klump zerrinnen
Als deine Treu von mir ein falsches Werck erfährt.
Ich wolte dir wohl noch von tausend Wundern schreiben
Die itzt in - - - in vollen schwange gehn
Und wie die Mädgen sich den Kützel selbst vertreiben
Was da und dort passirt und neulich ist geschehn
Allein die kurtze Zeit gedenckt es zu verschieben
Biß mich die Antwort auch von dir gelücklich macht.
Indessen schreibe mir die Zufäll' in den lieben
Wie Leipzig vor dich sorgt wo dein Vergnügen lacht.
Ich weiß es sind bey dir auch süsse Neben-Stunden
Wen Carpzov Struv und Strick nun deinen Fleiß vergnügt
So hat auch Venus was zu deiner Lust erfunden
Der Wechsel ist beliebt der sich so glücklich fügt.
Nun wohl ich gönne dir von Hertzen dein Ergetzen
Das meine schläfft auch nicht und ist recht ungemein
Wenn du mich wilst hinfort des Tituls würdig schätzen
Das biß auf Lebenslang dein treuer Freund soll seyn.
Damon.