A n I smenen Zu einer Nacht-Lust.

By Christian Friedrich Hunold

Ismene meine Lust! Mein Leben mein Vergnügen!

Die Zeilen lieffert dir ein treuer Diener ein

Von dem du ingeheim kanst mehre Nachricht kriegen

Was meine Seele plagt was meine Seufftzer seyn,

Die Sonne will bereits zu Meer und Wellen rinnen

Und meine Sonne hat mein Auge nicht gesehn!

Ach! Glaube! kan ich nicht das Glücke noch gewinnen

So wird mein Leben gar mit deinem Licht vergehn.

Verdient ein plumper Kerrl denn so viel edle Blicke

Daß ihm der Tag zur Lust und mir zum Schmertzen dient?

Ach jage doch einmahl den Hasen-Kopff zurücke

Vor dem nur Kraut und Kohl doch keine Rose grünt.

Dein ausgeübter Geist wird schon die Mittel finden

Wie durch verstellte List der Stümper wird berückt.

Der Liebe Sinnen Meer ist niemahls zu ergründen

Und wie die Schiffarth offt bey Sand und Felsen glückt.

Du kanst - - Allein ich will nicht Stern' an Himmel setzen

Weil deiner Klugheit Thron schon mit Verwundrung blitzt.

Nein winde du das Garn ich folge deinen Netzen

Nur schaue das uns nicht Gefahr im Wege sitzt.

Doch schönste soll ich ja des Hertzens Sinn entdecken

So scheint dein Garten mir der beste Sammel-Platz:

Denn wird ihn nun die Nacht in ihren Flor verstecken

So hüllt ihr Forhang mich und meinen liebsten Schatz.

Kein Neider wird uns da wie bey der Sonn' ersehen

Weil Venus heller Stern vor die verliebten Wacht.

Die Büsche werden still als wie Trabanten stehen

Indem ihr rauschen gleich die Schleicher lautbar macht.

So soll uns Einsamkeit mit Zucker Manna speissen

Wodurch in uns entzückt sich Seel und Seele küßt.

Die Götter werden uns an ihre Tafel Weisen

Wo Wollust aufgedeckt und Liebe Wirthin ist.

Die Rosen sollen sich beschämt in Schatten hüllen

Wenn mir dein Nelcken-Strauß auf Purpur Lippen prangt:

Und wird dein Blumen-Busch die frohen Hande füllen

So hat der Leib auch schon sein Paradieß erlangt.

Aurora kan sich nicht so schön ins grüne strecken

Wenn sie bey früher Zeit auf feuchten Grasse sitzt

Als dein erhitzter Leib die Blumen wird bedecken

Wenn unser Perlen Thau auf Moß und Kräuter spritzt.

Ismene schönstes Kind die dicksten Finsternüssen

Sind nur der Liebe Licht wenn sie vollkommen wird.

Diana will bey Nacht Endimionen Küssen

Denn Furcht und Scham wird offt durch Dunckelheit gekirt.

Drum laß uns den Altar in schwartzen Schatten bauen

Zum Lichte blitzt dein Schooß mit Flammen ausgerüst.

Vor Augen soll der Leib ja Hand und Lippen schauen

Weil sehen zwar beliebt doch fühlen süsser ist.

Nun unvergleichliche !laß uns Vergnüget werden

Und lege deine Gunst zu meiner Sehnsucht hin.

Mir deucht die starcke Lust erschüttert schon die Erden

Und daß ich selbst dafür wie Federflocken bin.

Bedencke wie die Zeit die Rosen lästerbleichen

Wenn unsre Wollust Hand nicht auf den Bruch bedacht

Und wie die Stunden sich der süssen Fluth vergleichen

Die uns der Jahre Meer gar bald zu Saltze macht.

Ja dencke Liebe sey ein Schatz von allen Schätzen

Der uns den Uberfluß des Himmels aufgethan

Nur dencke daß ihr auch der Mangel beyzusetzen

Das sie nicht Zeit genug zu Lieben geben kan.