A n ihre G rausamkeit.

By Christian Friedrich Hunold

So muß ich stets in Jammer Schatten stehn!

Furcht Angst und Weh bestürmen meine Seele

Ein stetes Ach! heist mich zur Folter gehn

Wo ich den Geist mit tausend Martern quäle:

Und dennoch will der Ursprung meiner Pein

Ein Engel seyn.

Ein Engel seyn reimt sich zu grausam nicht

Weil sie zum Trost der Menschen sind erschaffen

Wie daß dein Mund von keiner Wehmuht spricht?

Dein schöner Grimm führt allzu strenge Waffen

Und meine Schuld daß ich zu straffen sey

Ist Lieb' und Treu.

Ist Lieb' und Treu nicht auch der Liebe wehrt?

Will deine Brust nur Diamanten gleichen?

Ein Felß zerspringt worauf das Blitzen fährt:

Jedoch dein Sinn ist gar nicht zu erweichen

Drum ist allein das Ende meiner Noht

Ein harter Tod.

Ein harter Tod wird endlich deinen Sinn

Zu später Reu und Wehmuht bringen müssen.

Nimm denn das Blut zu einem Opffer hin

Ich will das Grab auf dein Befehlen küssen:

Der gröste Trost ist mir

Ich sterbe treu.

Ich sterbe treu. Ach Schönste dieser Welt

Laß meinen Tod doch deine Gnad erwerben!

Schau wie dein Knecht zu deinen Füssen fällt

Durch Gütigkeit kan Schönheit nicht verderben.

Ach dencke nur ein Hencker muß allein

So grausam seyn.