A n L esbien.

By Christian Friedrich Hunold

Bricht Lesbia den Brief durch ihre schönen Hände

So bricht sie auch dabey des Hertzens-Siegel auf;

Daß ist: Daß ich zugleich ihr tausend Küsse sende;

Jedoch ich legte sie ihr lieber selber drauf.

Worauf? Auf ihre Brust? Ach ja und auf die Lippen

Wo der Gedancken Schiff gantz sicher Landen kan;

Und scheitert es zuletzt an ihren Marmor Klippen

So schau' ich doch Vergnügt den schönen Schiffbruch an.

Ich falle von der Höh' in Amors tieffe Wellen.

Ach zürne schönste nicht wenn ich zu weit will gehn

Nur zürne wenn ichs nicht nach würden vor kan stellen

Daß ich es nicht zu vor durch deine Gunst gesehn.

Denn deine Gütigkeit gleicht sich den Rosen-Sträuchen

Die mir die Schmeicheley von oben schön verspricht:

Doch will ich auf den Grund und nach den Stiele reichen

So heist es: Freund zurück weil Dorn und Nadel sticht.

Ach Nadel! Daß ich mich nur könte wieder rächen

So offt mein treues Blut durch deinen Stich zerfließt!

Und das man Lesbien das Urtheil möchte sprechen:

Der lasse wider Blut der reines Blut vergießt.

Verwundre dich nur nicht daß ich diß kan begehren

Noch mehr ich wolte dir die Straffe selber thun

Denn

Läßt den entzückten Leib auf Sammt und Seide ruhn.

Du hast mir Qvaal genug und Schmertzen zugefüget

Wenn ich um deinen Schatz vergebens seufftzen muß.

Dein Reichthum macht mich arm weil er vergraben lieget

Und mangel plaget mich bey deinen Uberfluß.

Ich seh' an deinen Baum die schönsten Apffel hangen

Und muß wie

Der Nectar ströhmet recht durch deine Purpur Wangen

Und meine Seele muß dabey vor Durst vergehn.

Ach strenge Lesbia! stellt mich nur das Gelücke

Nur noch einmahl zu den was deine Brust erhöht

So beiß ich dir gewiß vor Grimm davon zwey Stücke

Weil meine Unruh doch hier niemahls Stille steht.

Doch edle Freundin nein das angenehme Beben

Das Venus stoltzes Schloß durch heisse Gluth bewegt

Ist zwar der Ruhe Tod doch auch mein neues Leben

Weil sich das Blut dadurch in allen Adern regt.

Drum werd ich ja daran nicht selbst mein Hencker werden

Nein schönste Lesbia mein Vorsatz sey verbannt:

Und stehet itzt mein Fuß auf dornen fremder Erden

So ruffe mich zu dir in das gelobte Land.

Dein Willen ist mein Thun drum schreib' ob ich soll kommen

Ich weiß das mich dein Aug' in wenig Tagen schaut.

Und zwar so hab' ich nichts an Gütern abgenommen

Die deiner Augen-Strahl dem Hertzen an vertraut.

Nein nein mein Reichthum kan dir noch die Rente zahlen

Ach daß die Lippen nur das Zahlbret möchten seyn

Und daß ich auf der Brust die Rechnung dürffte mahlen

So schrieb' ich Lebenslang mich in dein Schuld-Buch ein.

Drum schreib' ich will mich gleich zu deinen Füssen legen:

Doch fürchtest du vielleicht die Alabaster Brust

Und daß die Drohung ihr wol Schaden möcht' erregen

So sey das Mittel dir vor meinen Biß bewust.

Denn wird der Liebe Macht mich endlich überwinden

Und nun mein Hunger starck nach deinen Fleische seyn

So must du meinen Mund an deine Lippen binden

Mich aber schliesse gar in deinen Kercker ein.