A n Madem. S chmidin.

By Christian Friedrich Hunold

Ach zürne Schönste nicht das Feder und Papier

Nicht so geflügelt sind wie meine treue Sinnen

Denn der Gedancken Post geht Augenblicks zu dir

Nur Brieffe können nicht so bald das Glück gewinnen.

Zwar Venus biehtet mir die flüchtgen Schwanen an

Viel eher mit der Schrifft zu deiner Hand zu springen

Wenn nur ihr kleiner Sohn der Reuter werden kan

Und dir Cupido darff die Zeilen überbringen.

Sein Postgeld aber soll in Hertzen nur besteh'n

Du weist der kleine Dieb hält nichts von Gold und Schätzen

Er will den Bienen gleich zu Liebes-

Und träget ab und zu nur andre zu ergetzen.

Drum gieng er neulich auch mit meinen Hertzen fort

So zur Bequemlichkeit er gar in Brieff geleget.

Allein wie hat dir denn so gleich das erste Wort

Das von dem Hertzen sprach auch einen Zorn erreget?

Cupido muß betrübt und leer zurücke gehn

Und klaget: ihre Gunst will sich nicht weit erstrecken

Bey einer Freundin muß ich nur in Furchten stehn

Ihr finstres Auge kan mich als ein Popantz schrecken.

Drum mag' ich auch nicht mehr in deinen Diensten seyn

Sie schicket ja durch mich die Antwort nicht zurücke:

Und stell' ich mich bey dir nun ohne Hertzen ein

So krieg ich zum Verdruß noch lauter finstre Blicke.

Denn floh er wiederum zu seiner Mutter hin

Und liesse mich dadurch die beste Post verliehren.

Ach Freundin! daß ich nun im Schreiben langsam bin

Ist weil ich wie ichwill nicht darff die Feder führen.

Denn Worte gleiten nicht die nicht die Seele schreibt

An einer Sylbe wird ein gantzer Tag verschwendet

Und wo der freye Geist nicht in den Schrancken bleibt

Da wird die edle Zeit vergebens angewendet.

Reitzt mich die Freundin nun zu keiner Antwort nicht

So muß die Liebste mir die frohen Hände führen.

Mein Siegel fliesset nur durch deiner Augen-Licht

Und Amor will mein Blnt allein zur Din

Drüm tauchet sich der Kiel anitzt in meine Brust

Und schreibet: Lieben ist _ _ doch halt Verwegner innen

Daß du den Frevel nicht zu theuer büssen must

Und ihre Freundschafft nicht durch Liebe darff zerinnen.

Beglücket ihre Gunst dich nicht schon ungemein?

Denn nur die Schmidin sehn heist ja die Schönste kennen.

Wie kanst du nicht vergnüngt bey einer Freundin seyn

Die man nicht anders kan als unvergleichlich nennen?

Nun ja ich schreibe denn: Dein angenehmer Brieff

Hat neulich deinen Freund in seiner Seel ergetzet;

Weil da er kaum beglückt in meine Hände lieff

Er Edle Freundin dich auch neben mir gesetzet.

Die Lippen küßten ihn und die Gedancken dich.

Ach welche Lust kan nicht der Sinnen Krafft erwecken!

Ein Wahn hat offtermahls die beste Kost in sich

Und Engel können auch in Schatten sich verstecken.

Ich letzte mich demnach an deiner Lippen Kost

Die an der Röthe sich dem Schnecken Blut vergleichen

Und an der Lieblichkeit dem Muscateller Most

Dadurch sie einen Rausch der Seelen überreichen.

Denn küst' ich deine Brust. Ach schönste nimm geneigt

Wenn mein erhitzter Geist noch weiter denckt zu wandern:

Dein Nectar-Thau hat mir die Trunckenheit erzeigt

Ein Trunckner taumelt ja von einem Ort zum andern.

Ich lase deinen Brieff nach diesen also fort:

Mein Freund was wilst du mich die Allerliebste heissen

Ach ich verdien' es nicht es ist ein Schmeichel-Wort

Damit du artger Freund dich kanst gefällig weisen:

Was ich bey dir gethan sind Wercke meiner Schuld

Wie kan denn meine Pflicht so viel Verpflichtung kriegen?

Gib einer Würdigern die Zeichen deiner Huld

Ich wil mich gern an dir als Freundin noch vergnügen.

Ach! dieses ist ein Pfeil der ungezielet trifft;

Denn wo die Höfflichkeit bey Schönen wird verschwendet

So saugt man nach und nach ein wohl candirtes Gifft

Das Zucker süsse schmeckt und doch die Freyheit endet.

Erst bauen wir entzückt ein Schloß in Schatten auff

Da soll kein Mensch hinnein als unsre Freundin kommen:

Doch scheinet die Vernunfft mit klarer Sonne drauff

So hat die Liebe da die Residentz genommen.

Drüm ward ich auch zuerst durch Freudigkeit bethört

Es schien' ihr Strahl allein durch Freundschafft anzubrennen:

Doch da das Feuer mich mit Lust und Schmertzen nehrt

So kan ich auch den Brand nach seinen Ursprung nennen.

Ich schreibe: Lieben ist - - Ach Schönste laß den Kiel

Und seinen freyen Lauff des Hertzens Meynung sagen.

Die Freundschafft rennet erst zum angenehmsten Ziel

Wenn ihr die Liebe weiß von Fusse nach zu jagen.

Und wie? schliest meine Brust nur Stahl und Eisen ein?

Und soll der Adern Blut bey einer Sonne frieren

Dagegen Felsen auch wie leichter Zunder seyn

Und Titan seine Krafft an Strahlen muß verliehren?

Der Menschen Lieblichkeit kan Menschen an sich ziehn

Wo aber die Gestalt aus Engeln weiß zu lachen

Kan unser Hertze wohl vor ihren Flammen flieh'n?

Nein dieses hiesse sich zu einen Unmensch machen

Drum schreib' ich! Lieben ist der Führer meiner Hand

Das Feuer keuscher Glut das Uhrwerck meiner Sinnen

Der stiffter meiner Noth und meiner Freuden Brand

Wenn Leipzig einen Blick im Geiste kan gewinnen.

Dein Blick ist mir entfernt ein Stern und Freuden Licht

Wenn ihn nur deine Gunst im Briefe so will mahlen

Daß aus den Wörtern Glut wie aus den Wolcken bricht

Zu zeigen daß hierdurch die Sonne müsse Strahlen.

Zwar theurer Perlen Schmuck umfasset nur das Gold

Und meine Niedrigkeit sucht sich zu hoch zu schwingen.

Doch wer die Tugend liebt ist auch der Demuth hold

Und tieffer Klee kan nicht der Sonnen Flecken bringen.

Zu dem so setz' ich auch den Gräntzstein meiner Lust;

Denn bin ich zu gering mich dir in Schooß zu setzen

So setze mich doch nur in deine schöne Brust

Denn auch der Vorhoff kan von Paradiesse letzen.

Nun schönste mein Gelück besteht in deiner Gunst

Die mein Verhängnüß weiß erträglicher zu machen.

Umhüllet mich anitzt der trauer Nächte Dunst

So kanst du Sonne doch mir Freuden-Tag machen.

Mich kräncket der Verlust der ungetreuen nicht

Wenn mich vor Läffel-Kraut nur keusche Liljen zieren.

Das muß ein Narre seyn der solche Rosen bricht

Die alle Käfferfast mit ihren Koth beschmieren.

Nein will mein Leit-Stern nur die edle Schmidin seyn

So kan kein Irlicht mehr mein falscher Führer heissen:

Und stellet sich dein Brieff bald wieder bey mir ein

So wird vielleicht dein Knecht in kurtzen zu dir reisen.

Indessen gönne mir die süsse Dienstbarkeit

Die mir dein schöner Arm nach Wunsche läßt erkennen.

Ich fordere mit Recht so viel Gewogenheit

Weil meine Banden dich die schöne Schmidin nennen.