A n S elimenen.

By Christian Friedrich Hunold

Ach ungemeine Lust recht treu-gesinnter Seelen

Weil ihr Vergnügen bloß in reiner Liebe ruht!

Wo weder Zeit noch Glück durch die Erfernung qvälen

Weil Schertz und Gegenwart stets schön im Geiste thut.

Ach aber bittrer Schmertz! dem Gall und Wermuth weichen

Wenn schnöder Unbestand der Hertzen Führer heist

Wenn keuscher Liljen-Schmuck bey Nesseln muß erbleichen

Und das vergiß mein Nicht der Falschheit Hand zerreist.

Wenn reiner Sonnen Glantz in trüber Nacht verschwindet

Das ihre Blume sich nach ihr nicht lencken kan.

Wenn man der Treue Strahl in keinem Schatten findet

Dem Eulen schwartzer Lust nur bleiben unterthan.

Ach unerhörter Schmertz! Wenn unsrer Brust erstirbet

Was ihr die Süssigkeit des schönsten Lebens schenckt.

Wenn Treu und Liebe nicht das frohe Ziel erwirbet

Wornach die Sehnsucht sich so lange Zeit gelenckt.

So klagt mein Matter Geist die meisten Augenblicke

Wenn ihm sein Freuden Stern durch keine Zeilen scheint

Wenn ich nach Weissenfelß vergebne Seufftzer schicke

Und mir dein Wanckel Muth nun alle Gunst verneint.

Ists möglich da der Mond schon dreymahl zugenommen

Daß mir dein Gnaden-Licht nicht einmahl scheinen soll?

Nein du bist meinen Haupt in halben Circul kommen

Und deine Gütigkeit wird nur bey andern voll.

Vergib mir wo der Kiel aus meiner Seele schreibet

Und das hier deine Hand des Hertzens-Siegel bricht;

Du weist das Schmeicheley der Tugend Feind verbleibet

Daß zwar die Schmincke ziert doch sonder Flecken nicht.

Denn sage mir warum untreue Selimene!

Warum mein treuer Brieff gantz sonder Antwort liegt?

Warum ich mich allein aus keuscher Liebe sehne

Warum mein Wünschen stets in tauber Lufft zerfliegt?

Zum schreiben hast du ja annoch gesunde Glieder

Und Feder und Papier wirfft dein Herr Schwager hin:

Geschwinde Posten gehn auch immer hin und wieder

Auff welcher faulen Post geht dein verkehrter Sinn?

Wil etwan dir die Zeit anitzt zu kostbar werden

Die du in meiner Gunst zuvor verschwendet hast?

Und denckest du nicht mehr an Liljen fremder Erden

Wenn deine Gegenwart das Leffel-Kraut umfast?

Ach hast du dieses Kraut nicht gnug von mir genossen

Und bringt sein Saamen dir im Geiste keine Frucht?

Nein Liebes-Stöckel muß aus Leipzig nur entsprossen

Daran dein Appetit sich nun zu letzen sucht.

Du spielest nur mit mir umsonst die Fastenachten

Ich bin kein Kind nicht mehr daß man mit Larven schreckt

Und läst das Schicksal mich dein Auge nicht betrachten

Ist dein Gemüthe mir doch nackend auffgedeckt.

Wie lange hast du dich in Weissenfels ergetzet?

Wie lange hielt' ein Schmauß vor die aus Leipzig an?

Wie lange ward der Weg nach Barbi fortgesetzet?

Wie lange hast du nun mit ihnen schön gethan?

Wie lange hast du auch du schöne Selimene!

An deinen treuen Freund und seine Lust gedacht?

Vielleicht (damit ich nur die Falschheit nicht beschöne)

Wenn dein Gewissen ist durch Tugend auffgewacht.

Vielleicht wird dich der Zorn auch gegen mich erbittern

Und kein geneigtes Aug' auff diese Zeilen sehn;

Doch glaub' ich fürchte mich vor keinen Ungewittern

Die nur durch anderer nicht meiner Sonn entstehn.

Doch ach! wie kan ich wohl so schweren Zorn ertragen

Da mir ein kleiner Haß schon sehr zu Hertzen dringt!

Doch such ich ihn nicht selbst? Nein seh auff meine Plagen

Und wie Verzweiffelung mich aus mir selber bringt.

Der Meyneid klagt dich an du must dich selber straffen

Und was kan ich dafür was Schmertz und Jammer macht:

Die Ungedult erbost auff den beliebten Haffen

Wenn andern mehr als ihr die frohe Schiffahrt lacht.

Denn ach! ich muß vor dir noch was in Hertzen fühlen

Das von der Zärtlichkeit der vor'gen Liebe stammt

Ich spür' in meiner Brust noch keusche Funcken spielen

Und wie dein Augen Strahl in heisser Asche flammt.

Drum so vergib mir nur daß ich dich noch muß lieben

Und deinen Unbestand beständig werden muß

Das Schicksal hat es doch am meisten so verschrieben:

Die treuste Seele kriegt der Untreu ärgsten Kuß

Denn wer die Tugend liebt kan nicht so leicht vergessen

Wie Lust und Lieblichkeit ihn ehemahls beglückt

Und wer in frohen Lentz bey Rosen hat gesessen

Wird auch im Winter noch bey Dornen dran erquickt.

Ich dencke noch der Zeit wie wir vor Lust zerflossen

Als uns der Seelen Leim an treue Lippen hing

Als ich der Götter Kost in deinen Mund genossen

Wie mein verliebter Geist auff Purpur Rosen ging:

Als meine Hand dem Stahl dein Schatz Magneten gliche

Und reiner Brüste Schnee mir Gluth und Kühlung hieß.

Wie meine Seele gar aus ihren Schrancken wiche

Wenn mich mein Engel nicht aus Edens-Garten stieß.

Ja wie das Zauberwerck der Zucker-süssen Lüste

Das schöne Laborynth so alle Welt bestrickt

Ach was! du weist es wohl und auch daß dis Gerüste

Sich besser unter mir als todte Verse schickt.

Nun schöne Grausame! schau wie in jeden Worte

Noch deiner Augen Macht versteckte Flammen weist.

Und dencke schliessest du mir gleich die Liebes-Pforte

So ist es vor den Leib doch nicht vor meinen Geist.

Ich sehe dich zwar nicht doch bist du stets zugegen

Es zündet mir dein Licht des Tages Fackel an

Die Schatten müssen auch dein Bildniß zu mir legen

Und Träume führen mich auff deine Liebes-Bahn.

Ach! Träume wissen offt in duncklen vorzustellen

Was uns am Tage nicht der Schauplatz sehen läst.

Drüm wird mir mancher Traum zu solchen Thränen-Quellen

Die mir dein Ungelück nicht meines aus geprest,

Mein Geist beweinte dich _ _ doch nein ich will n

Was noch vor alle Gunst mein letzter Seufftzer ist:

Weil du mir Engels Kind nicht kanst gewogen bleiben

Und dich der Wanckelmuth mit frembden Lippen küst

Weil mein Gelücke nicht zu weissen Fels will grünen

Weil sich der letzte Brieff zu deinen Händen wagt

Ja weil ich nun vor dir auff ewig werde fliehen

Und meine Wehmuht nur betrübten Abschied sagt:

So wünsch ich küsse nur die angenehmsten Stunden

Ob mir dein Unbestand gleich Marter-Wochen macht.

Und glaube meine Quaal hat Linderung gefunden

Wenn nur mein Hertz erfährt daß dein Vergnügen lacht.

Laß aber deinen Sinn stets an dem Himmel kleben

Die Erde weiß nicht wohl mit Engeln ümzugehn.

Laß alle Gratien üm deine Lippen schweben

Daran ich meine Lust und Dienstbarkeit ersehn.

Dein Auge müsse stets mit solcher Anmuth blitzen

Die es zuvor mit Ruhm recht sittsam ausgestreut;

Doch dencke wird es nun fast alle Welt erhitzen

Daß schönheit Fesseln macht und Tugend Dienstbarkeit.