A n T halestris als er von ihr Abschied nahme

By Christian Friedrich Hunold

Ein treuer Knecht erkühnet sich zu letzt

Dir schönstes Kind das Blat zu überreichen.

Du hast mich ja der Gnade werth geschätzt

Dein schönes Hertz durch Seufftzer zu erweichen;

Drum gönne doch ein gnädig Angesicht

Der letzten Pflicht.

Es grünet jetzt der Blumen Lust-Revier

Wie lachen nicht die bunt bemahlten Auen?

Nur meine Lust ja meine schönste Zier

Läst mir der Tod auff seiner Bahre schauen

Und dieses ist was den geqvälten Geist

Fast sterben heist.

Man stösset mich aus meinen Paradieß

Und habe nichts verbothnes angerühret:

Das Engels-Kind das mich erst kommen hieß

Ist auch allein das mir den Schmertz gebühret.

Ach daß ich doch nur in die Wüsteney

Verstossen sey.

Ich werde nun mein allzuherbes Leyd

In steter Traur mit matter Stimme lallen

Doch denck' ich nur an deine Lieblichkeit

Und an den Mund von tausend Nachtigallen

So schweig' ich still und seufftze nur bey mir

Allein nach dir.

Ach öffne denn die Schwanen-weisse Brust

Und laß' es hier gewünschte Ruhe finden.

Vergönne mir zum Troste diese Lust

Daß ich mich kan in deinen Hertzen gründen

So hab' ich doch die gröste Qvaal besiegt

Und bin vergnügt.

So lebe denn zu tausend mahl beglückt

Geniesse stets der höchst-erwünschten Freuden.

Dein Knecht der sich zu deinen Füssen bückt

Muß nun von dir und dem Vergnügen scheiden:

Mein Freuden-Stern und du mein Anderich

Verbergen sich.

Ich bleibe dir Annehmlichste der Welt!

Vor alle Gunst in Ewigkeit verbunden

Dein' Anmuths-Pracht der mich gefangen hält

Hat mich durchs Garn der Dienstbarkeit ümwunden

Die Sonne muß die ich bey dir gesehn

Stets mit mir gehn.

Ach Weissenfels! du höchst-beliebter Ort!

Talestris Ach! du allerliebste Seele!

Das Schicksal rufft mich nun nach Jena fort

Drüm ruff auch noch aus deiner Purpur-Höle

Das letzte Wort das meine Schmertzen macht

Zu guter Nacht.