A uff die abnehmende S ommer- Pracht.
Lebe mein beliebtes Leben
Lebe du mein Auffenthalt!
Was mir hat Vergnügung geben
Bist du angenehmer Wald
Und ihr bunt-bemahlten Wiesen
Eure Pracht sey stets gepriesen.
Was vor höchst-beglückte Stunden
Hab' ich schönes Wunderthal!
Nicht in deinen Schooß gefunden
Und in den beblümten Saal?
Daß du mir ich muß bekennen
Unvergleichlich bist zu nennen.
Denn ihr grünen Lorbeer-Reiser!
Was vergleicht sich eurer Pracht?
Weil so mancher grosser Käyser
Euch zu tragen werth geacht.
Schaut wie ich durch eure Sträuche
Mich den Königen vergleiche.
Purpur Wolle Sammt und Seide
Ist viel härter als der Klee
Wo ich meine Glieder weide
Und mich gantz entzückend seh.
Tausend Blumen und Narcissen
Helffen meine Ruh versüssen.
Ja der Klang der Nachtigallen
Bindet meinen Geist und Sinn
Es macht ihr beliebtes Lallen
Daß ich aus mir selber bin
Denn die schöne Lust-Sirene
Fässelt mich durch ihr Gethöne.
Und ihr Silber-reichen Flüsse!
Ströhmt in voller Lieblichkeit.
Ach wie viele Liebes-Küsse
Schick ich euch so manche Zeit.
Ich mag euer stilles Rauschen
Gar mit meiner Lust vertauschen.
Du Dianens Lust-Gefilde!
Du begrüntes Götter-Zelt!
Wo fast alles von den Wilde
In ihr Garn und Netze fällt.
Echo kan nicht schöner singen
Als wenn ihre Hörner klingen.
Doch die Luft so mir dein Wesen
Nur mit Millionen zahlt
Läst sich in den Sande lesen
Und ist als nur abgemahlt
Weil vor Zephyrs sanfftes Blasen
Boreas begint zu rasen.
Chloris deine Purpur-Wangen
Küssen mich zu guter Nacht
Und du Zephyr mein Verlangen!
Hast den Abschied schon gemacht.
Ach gedenckt daß mein Vergnügen
Mit euch muß in Grabe liegen.
Lebet denn ihr grünen Wälder!
Lebe schönes Luft-Revier!
Auen Thäler Berg und Felder
Du beglückte Sommer-Zier!
Schaut wie eure Pracht zerfliesset
Und mein Paradieß verschliesset.