A uff die abnehmende S ommer- Pracht.

By Christian Friedrich Hunold

Lebe mein beliebtes Leben

Lebe du mein Auffenthalt!

Was mir hat Vergnügung geben

Bist du angenehmer Wald

Und ihr bunt-bemahlten Wiesen

Eure Pracht sey stets gepriesen.

Was vor höchst-beglückte Stunden

Hab' ich schönes Wunderthal!

Nicht in deinen Schooß gefunden

Und in den beblümten Saal?

Daß du mir ich muß bekennen

Unvergleichlich bist zu nennen.

Denn ihr grünen Lorbeer-Reiser!

Was vergleicht sich eurer Pracht?

Weil so mancher grosser Käyser

Euch zu tragen werth geacht.

Schaut wie ich durch eure Sträuche

Mich den Königen vergleiche.

Purpur Wolle Sammt und Seide

Ist viel härter als der Klee

Wo ich meine Glieder weide

Und mich gantz entzückend seh.

Tausend Blumen und Narcissen

Helffen meine Ruh versüssen.

Ja der Klang der Nachtigallen

Bindet meinen Geist und Sinn

Es macht ihr beliebtes Lallen

Daß ich aus mir selber bin

Denn die schöne Lust-Sirene

Fässelt mich durch ihr Gethöne.

Und ihr Silber-reichen Flüsse!

Ströhmt in voller Lieblichkeit.

Ach wie viele Liebes-Küsse

Schick ich euch so manche Zeit.

Ich mag euer stilles Rauschen

Gar mit meiner Lust vertauschen.

Du Dianens Lust-Gefilde!

Du begrüntes Götter-Zelt!

Wo fast alles von den Wilde

In ihr Garn und Netze fällt.

Echo kan nicht schöner singen

Als wenn ihre Hörner klingen.

Doch die Luft so mir dein Wesen

Nur mit Millionen zahlt

Läst sich in den Sande lesen

Und ist als nur abgemahlt

Weil vor Zephyrs sanfftes Blasen

Boreas begint zu rasen.

Chloris deine Purpur-Wangen

Küssen mich zu guter Nacht

Und du Zephyr mein Verlangen!

Hast den Abschied schon gemacht.

Ach gedenckt daß mein Vergnügen

Mit euch muß in Grabe liegen.

Lebet denn ihr grünen Wälder!

Lebe schönes Luft-Revier!

Auen Thäler Berg und Felder

Du beglückte Sommer-Zier!

Schaut wie eure Pracht zerfliesset

Und mein Paradieß verschliesset.