A uff ihren G eburths- Tag.
Mein schlechter Kiel sol dich Annehmlichste! bedienen
Da dein beliebtes Licht in vollen Glantze strahlt.
Dein gnädiger Befehl gebiehret des Erkühnen
Und mein G
Mein Wollen wolte nun wohl was geschicktes senden
Die weil dein kluger Geist die Poesie verehrt;
Allein nimm dieses auch mit hochgeneigten Händen
Was hier mein Sinnen-Schiff von Unverstande fährt.
So bald ich diesen Tag in deinen Brieff erblicket
An welchen die Natur ein Meister Stück gemacht
War die gequälte Brust auch wiederum erquicket
Die ihre Zeit bißher in Thränen zugebracht.
Der höchsteglückte Tag verbannet alle Plagen
Die Sonne machet mich durch ihren Strahl vergnügt.
Ich kan nun wiederum von tausend Freuden sagen
Weil mein Ergetzen bloß in deiner Wollust liegt.
Die Sinnen müssen sich mit deiner Sonne gatten
Die mir bey klarer Lufft ein Traum im wachen weist.
Die Augen sehen zwar die Mohren-Farbe Schatten
Doch dein Schnee weisser Schmuck umarmet meinen Geist.
So spielte Phantasie und Lust bey mir zusammen
Gleich als der Augenblick so süsse Post gebracht.
Aurora blitzte schon mit ihren güldnen Flammen
Und mein vergnügter Sinn war noch auf dich bedacht.
Hier sprach mein treuer Geist: der Morgen-Röhte prangen
Ist nur ein Schatten-Werck vor Dulcimenens Glantz
Der Scharlach steht beschämt bey ihren Purpur-Wangen
Vor ihren Wunder-Strahl erblast der Sternen-Krantz.
Die Anmuht blitzetihr weit schöner aus den Augen
Als aller Erden-Aug' ein sterblicher erblickt.
Die Sonne muß aus ihr die Krafft wie Luna saugen
Wenn sich ihr blasser Schein mit fremden Lichte schmückt.
So wie des Phöbus Blitz durch dunckle Wolcken dringet
So bricht ihr Schönheits-Strahl aus schwartzer Augen-
Pracht:
Denn daß er alle Welt üm ihre Freyheit bringet
So kommt der schlaue Dieb in Kohl-gefärbter Nacht.
Als meine Sinnen nun an deinen Schätzen hingen
Und wie Apelles Aug' ein Wunder-Bild besahn
Wenn seines Pinsels-Kunst soll was zu Marckte bringen
Das als ein Meisterstück ein jeder muß bejahn:
So wolte Zephier mir in die Begierden wehen
Und lockte mich noch Früh durch seinen kühlen Wind
Rechst an den Elbe-Strohm an einen Ort zu gehen
Wo Auen von Saphier mit Silber-Qvellen sind.
Hier sah' ich Wunder-schön die Crystallinen spielen
Und wie der krause Schaum mit Perlen schwanger ging
Und als die Sinnen gleich auff Venus Uhrsprung fielen
Und wie ihr Muschel-Schiff an Saltz der Wellen hing
Sprach ich: Ob wohl ein Kind aus Ledens zarten Schalen
Von mehrer Anmuths-Pracht als du gekrochen ist?
Muß Schönheit dich nicht mehr als wie Dionen mahlen?
So zeiget sie dennoch daß du ihr Bildniß bist.
Die Venus hat die Milch aus ihren Schwanen Brüsten
Und alle Lieblichkeit in deinen Mund geschenckt.
Ja einen Uberfluß von Zucker süssen Lüsten
In deinen Lippen-Thau von Küssen auffgehenckt.
Sie bildete dir selbst die Feuer-reichen Ballen
Die doch auff ihrer Höh kalt und beeiset sind
Den Köcher dessen Pfeil die Hertzen heisset fallen
Den Schützen welcher doch mit beyden Augen blind.
Der wunderschöne Strahl aus deiner Augen Sonnen
Hat seine Krafft allein von ihrer Macht entlehnt
Und wie ihr Adern Brunn vor süsser Lust zerronnen
So hat ihr Nectar Strohm sich auch zu dir gewehnt.
Nach diesen haben dich die Gratien genommen
Und die Holdseligkeit dir reichlich eingeprägt.
Denn bist du endlich auch zur Tugend Göttin kommen
Die ihren Lorber-Krantz um deinen Kopff gelegt.
So ging ich Sinnend fort in diesen Anmuhts-Auen
Und sahe gleich vor mir ein schönes Wunder-Thal
Das sich von weiten auch entzückend ließ beschauen
Und endlich nahte sich ein bundter Blumen-Saal.
Ich setzte meinen Fuß in die beliebte Gräntzen
Wo Chloris meiner Ruh' ein Rosen Bett gestickt:
Ja nie kan die Natur mit schönren Schmeltzwerck gläntzen
So hatte Chloris Hand die Auen aus geschmickt.
Hier fiel ich alsofort auff deine Lieblichkeiten
Und sprach: die Chloris muß dir wohl gewogen seyn:
Muß sich ihr gantzer Schmuck auff weite Felder breiten
So hüllet dein Gesicht den gantzen Zieraht ein
Der Rosen Purpur gläntzt auff deinen schönen Wangen
Der Blumen Königin die schlancke Lilje
Ist als der Keuschheit Bild auff deine Brust gehangen
Und deine Stirne ziert ihr Schwanen gleicher Schnee.
Die zarten Glieder hat Narcissus übersponnen.
Auff deinen Lippen rinnt Granat- und Schnecken-Blut
Wo Seelen-Honigseim in Zucker ist geronnen.
Die Perlen stehen nicht bey deinen Zähnen gut.
Dein süsser Athem muß Zibeth und Nelcken bringen.
Kurtz: Die Vollkommenheit ist nur bey dir zu sehn
Ein Himmelreich wo offt ein Engel pflegt zu singen
Der Anmuht Paradieß: Der Schönheit tausend schön.
Weil nun die Blumen dich in Angesicht bedienen
So müsse dein Gelück auch nur auff Rosen gehn
Der Himmel lasse dich in steten Frühling grünen
Wo Zephirs Winde dir nur Bisam-Lüffte wehn.
Aurora müsse dich wie frische Kräuter küssen
Ihr Perlen reicher Thau benetze Mund und Brust:
Die Sonne werde nie in Thetis Schooß gerissen
Es scheine dir den erst die Sonne deiner Lust:
Die Venus welche dir aus allen Gliedern blitzet
Die Blitze Lieb und Brunst auch einst in deine Schooß:
Cupido welcher dir in beyden Brüsten sitzet
Der drücke seinen Pfeil auch auf dein Hertze loß.
Die Chloris pflantze dir was Amors Garten heget
Der Liebe Tausend-Schön und süsses Läffel Kraut.
Und weil ein Jüngfer-Busch nicht Liebes-Stöckel träget
So mache das man sie bald in Madamen schaut.
Was aber sol ich dir nun liebste Schwester schicken
Daß dich an diesen Tag zu binden würdig sey?
Ich wolte dir zur Lust wol tausend Blumen pflicken
Allein so bist du nicht von solchen Zierath frey.
Doch eine soll dich noch als ein Geschencke küssen
Denn diese träget nicht dein holdes Angesicht:
Ich lege sie demnach zu deinen schönen Füssen
Und auch in deine Brust sie heist: Vergiß mein nicht.