A uff ihren G eburths- Tag.

By Christian Friedrich Hunold

Mein schlechter Kiel sol dich Annehmlichste! bedienen

Da dein beliebtes Licht in vollen Glantze strahlt.

Dein gnädiger Befehl gebiehret des Erkühnen

Und mein G

Mein Wollen wolte nun wohl was geschicktes senden

Die weil dein kluger Geist die Poesie verehrt;

Allein nimm dieses auch mit hochgeneigten Händen

Was hier mein Sinnen-Schiff von Unverstande fährt.

So bald ich diesen Tag in deinen Brieff erblicket

An welchen die Natur ein Meister Stück gemacht

War die gequälte Brust auch wiederum erquicket

Die ihre Zeit bißher in Thränen zugebracht.

Der höchsteglückte Tag verbannet alle Plagen

Die Sonne machet mich durch ihren Strahl vergnügt.

Ich kan nun wiederum von tausend Freuden sagen

Weil mein Ergetzen bloß in deiner Wollust liegt.

Die Sinnen müssen sich mit deiner Sonne gatten

Die mir bey klarer Lufft ein Traum im wachen weist.

Die Augen sehen zwar die Mohren-Farbe Schatten

Doch dein Schnee weisser Schmuck umarmet meinen Geist.

So spielte Phantasie und Lust bey mir zusammen

Gleich als der Augenblick so süsse Post gebracht.

Aurora blitzte schon mit ihren güldnen Flammen

Und mein vergnügter Sinn war noch auf dich bedacht.

Hier sprach mein treuer Geist: der Morgen-Röhte prangen

Ist nur ein Schatten-Werck vor Dulcimenens Glantz

Der Scharlach steht beschämt bey ihren Purpur-Wangen

Vor ihren Wunder-Strahl erblast der Sternen-Krantz.

Die Anmuht blitzetihr weit schöner aus den Augen

Als aller Erden-Aug' ein sterblicher erblickt.

Die Sonne muß aus ihr die Krafft wie Luna saugen

Wenn sich ihr blasser Schein mit fremden Lichte schmückt.

So wie des Phöbus Blitz durch dunckle Wolcken dringet

So bricht ihr Schönheits-Strahl aus schwartzer Augen-

Pracht:

Denn daß er alle Welt üm ihre Freyheit bringet

So kommt der schlaue Dieb in Kohl-gefärbter Nacht.

Als meine Sinnen nun an deinen Schätzen hingen

Und wie Apelles Aug' ein Wunder-Bild besahn

Wenn seines Pinsels-Kunst soll was zu Marckte bringen

Das als ein Meisterstück ein jeder muß bejahn:

So wolte Zephier mir in die Begierden wehen

Und lockte mich noch Früh durch seinen kühlen Wind

Rechst an den Elbe-Strohm an einen Ort zu gehen

Wo Auen von Saphier mit Silber-Qvellen sind.

Hier sah' ich Wunder-schön die Crystallinen spielen

Und wie der krause Schaum mit Perlen schwanger ging

Und als die Sinnen gleich auff Venus Uhrsprung fielen

Und wie ihr Muschel-Schiff an Saltz der Wellen hing

Sprach ich: Ob wohl ein Kind aus Ledens zarten Schalen

Von mehrer Anmuths-Pracht als du gekrochen ist?

Muß Schönheit dich nicht mehr als wie Dionen mahlen?

So zeiget sie dennoch daß du ihr Bildniß bist.

Die Venus hat die Milch aus ihren Schwanen Brüsten

Und alle Lieblichkeit in deinen Mund geschenckt.

Ja einen Uberfluß von Zucker süssen Lüsten

In deinen Lippen-Thau von Küssen auffgehenckt.

Sie bildete dir selbst die Feuer-reichen Ballen

Die doch auff ihrer Höh kalt und beeiset sind

Den Köcher dessen Pfeil die Hertzen heisset fallen

Den Schützen welcher doch mit beyden Augen blind.

Der wunderschöne Strahl aus deiner Augen Sonnen

Hat seine Krafft allein von ihrer Macht entlehnt

Und wie ihr Adern Brunn vor süsser Lust zerronnen

So hat ihr Nectar Strohm sich auch zu dir gewehnt.

Nach diesen haben dich die Gratien genommen

Und die Holdseligkeit dir reichlich eingeprägt.

Denn bist du endlich auch zur Tugend Göttin kommen

Die ihren Lorber-Krantz um deinen Kopff gelegt.

So ging ich Sinnend fort in diesen Anmuhts-Auen

Und sahe gleich vor mir ein schönes Wunder-Thal

Das sich von weiten auch entzückend ließ beschauen

Und endlich nahte sich ein bundter Blumen-Saal.

Ich setzte meinen Fuß in die beliebte Gräntzen

Wo Chloris meiner Ruh' ein Rosen Bett gestickt:

Ja nie kan die Natur mit schönren Schmeltzwerck gläntzen

So hatte Chloris Hand die Auen aus geschmickt.

Hier fiel ich alsofort auff deine Lieblichkeiten

Und sprach: die Chloris muß dir wohl gewogen seyn:

Muß sich ihr gantzer Schmuck auff weite Felder breiten

So hüllet dein Gesicht den gantzen Zieraht ein

Der Rosen Purpur gläntzt auff deinen schönen Wangen

Der Blumen Königin die schlancke Lilje

Ist als der Keuschheit Bild auff deine Brust gehangen

Und deine Stirne ziert ihr Schwanen gleicher Schnee.

Die zarten Glieder hat Narcissus übersponnen.

Auff deinen Lippen rinnt Granat- und Schnecken-Blut

Wo Seelen-Honigseim in Zucker ist geronnen.

Die Perlen stehen nicht bey deinen Zähnen gut.

Dein süsser Athem muß Zibeth und Nelcken bringen.

Kurtz: Die Vollkommenheit ist nur bey dir zu sehn

Ein Himmelreich wo offt ein Engel pflegt zu singen

Der Anmuht Paradieß: Der Schönheit tausend schön.

Weil nun die Blumen dich in Angesicht bedienen

So müsse dein Gelück auch nur auff Rosen gehn

Der Himmel lasse dich in steten Frühling grünen

Wo Zephirs Winde dir nur Bisam-Lüffte wehn.

Aurora müsse dich wie frische Kräuter küssen

Ihr Perlen reicher Thau benetze Mund und Brust:

Die Sonne werde nie in Thetis Schooß gerissen

Es scheine dir den erst die Sonne deiner Lust:

Die Venus welche dir aus allen Gliedern blitzet

Die Blitze Lieb und Brunst auch einst in deine Schooß:

Cupido welcher dir in beyden Brüsten sitzet

Der drücke seinen Pfeil auch auf dein Hertze loß.

Die Chloris pflantze dir was Amors Garten heget

Der Liebe Tausend-Schön und süsses Läffel Kraut.

Und weil ein Jüngfer-Busch nicht Liebes-Stöckel träget

So mache das man sie bald in Madamen schaut.

Was aber sol ich dir nun liebste Schwester schicken

Daß dich an diesen Tag zu binden würdig sey?

Ich wolte dir zur Lust wol tausend Blumen pflicken

Allein so bist du nicht von solchen Zierath frey.

Doch eine soll dich noch als ein Geschencke küssen

Denn diese träget nicht dein holdes Angesicht:

Ich lege sie demnach zu deinen schönen Füssen

Und auch in deine Brust sie heist: Vergiß mein nicht.