Abbildung der Liebe. C. H. v. H.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Der liebe rosen-blat hat dörner zu gefehrten,

Aus welchen nach der lust der unlust früchte blühn;

Sie hebt ihr haupt empor, als wie auf zauber-gerten,

Und kan durch einen blick uns ins gehäge ziehn.

Dann stöst der freyheit schiff an ungeheure klippen,

Es bleibt, eh wirs vermeynt, auf einer sand-banck stehn,

Und lacht kein trost uns an von rosen-lichten lippen;

So heists: O himmel hilff! wir müssen hier vergehn.

Da stimmt das hertze an: Verlasse mich, o liebe!

Dann heists: Entfernet euch, die ihr ans lieben denckt,

Durch lieben wird uns nur der wohlfahrts-himmel trübe,

Nichts ist, was unsre brust mehr als die liebe kränckt.

Doch, sind die dornen weg, so greifft man nach den rosen,

Es giebt die beßre zeit uns andre sinnen ein,

Dann können wir vergnügt in den gedancken losen,

Auf welcher seite wiram liebsten wollen seyn.

Und so verlieren wir die kurtzen lebens-zeiten,

Das schiff des lebens laufft dem hafen näher zu,

Biß uns der winter pflegt in so ein land zu leiten,

Wo man der liebe baum mit erde decket zu.