Abbildung der vollkommenen schönheit.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Holdseliges geschlecht hör an ich will dichs lehren

Wie es gestalt muß seyn was man vor schön soll ehren.

Liß diese zeilen durch so wird dir seyn bekant

Wodurch die Helena so trefflich schön genant.

Der leib muß seine pracht erst von den farben haben

Von diesen müssen drey sich gleichen schwartzen raben

Drey müssen wie der schnee so weiß seyn anzusehn

Drey die an röthe selbst den purpur übergehn.

Drey andre müssen ruhm durch ihre kürtz’ erlangen

Hingegen andre drey mit schöner länge prangen;

Drey müssen seyn was dick doch wolgebildt dabey

Darneben müssen schmal und schlanck seyn andre drey.

Die weite muß man auch an eben so viel rühmen

Und andern gleicher zahl will eng zu seyn geziemen.

Wenn man zu diesen fügt drey welche zierlich klein

So kan die schönheit selbst nicht vollenkommner seyn.

Die augen preiset man die schwartzen kohlen gleichen

An strahlen aber doch der sonnen selbst nicht weichen;

Und umb dieselbe muß ein schwartzer bogen gehn

Dadurch diß sternen-paar kan überschattet stehn.

Zum dritten muß der pusch der jene höle decket

In welcher Venus selbst das ziel der brunst verstecket

Gantz eingehüllet seyn in schwartze dunckelheit

Weil Amor solch ein kind das sich im dunckeln freut.

Die haare müssen seyn so weiß als reine seide

Der alabaster-halß wie nie berührte kreide

Die zähne müßen stehn wie blanckes helffenbein

Wenn sie von tadel gantz entfernet sollen seyn.

Er muß weit übergehn die brennenden rubinen

Soll sonst der lippen saum den rechten preiß verdienen.

Die wangen die nicht roth sind nicht vollkommen schön

Und auff den brüsten selbst muß roth am gipffel stehn.

Die zähne müßen kurtz nur seyn in ihren reihen

Derselben maße sich die füsse gleichsals weihen.

Diß einz’ge giebet auch den ohren ihren preiß

Daß man wie andre theil sie schön zu nennen weiß.

Es muß ein schöner leib sich nach den g’raden sichten

Die wie die säulen stehn in seiner länge richten.

Die hände die mit lust der liebe zügel führn

Muß wenn sie zierlich sind gewünschte länge ziern.

Und soll dem Venus-sohn die liebes-jagt gelücken

Muß er aus langem haar ihm netz und sehnen stricken.

Denn soll in sclaverey die freyheit seyn gebracht

So müssen feßeln seyn aus langem haar gemacht.

Es ist ein solcher leib vor andren hoch zu preisen

An dem die hüfften sich in rechter dicke weisen.

Auch das was die natur zum sitz-platz außersehn

Ist dadurch wenn es dick und ausgefüllet schön.

Und drittens muß der ort der unsre sinnen raubet

Wenn er mit schöner kräuß’ als ein gepüsch belaubet

Seyn einem hügel gleich von bergen eingehüllt

So daß er eine hand mit seiner dicke füllt.

Die finger welche schmal und zierlich sich erstrecken

Die können was sonst halb erstorben aufferwecken

Und arme dieser art sind das gewünschte band

Wodurch man an das joch der liebe wird gespant.

Auch muß ein schönes kind seyn schmal un schlanck von beinen

Daß wenn die flammen sich im mittel-punct vereinen

Gantz umb das oberste das unterste sich schwenckt

Gleichwie Adonis ward von Venus eingeschränckt.

Der weite lob kan man auß dreyen stücken lernen:

An augenbraunen die von ander sich entfernen

An lenden die nicht gar zu nah beysammen stehn

Vornehmlich wenn man will in Amors irrgang gehn.

Auch müßen weit entfernt sich zeigen jene hügel

Der schwanen-gleichen brust daß mit verhängtem zügel

Die brunst wenn sie genug mit küßen hat gespielt

Durch dieses thal kan gehn wo sie wird abgekühlt.

Drey enge müßen sich bey jenen dreyen weisen:

Ein rosengleicher mund muß enge seyn zu preisen;

Die seiten müßen eng und dicht zusammen seyn

Daß eine ehle sie bey nah kan schließen ein.

Vor allen aber muß die grufft da Venus lachet

Wo das was stählern schien wie wachs wird weich gemachet

Gantz enge seyn damit wenn unsre brunst entsteht

Sie ein und wieder auß mit mehrerm kitzel geht.

Und letzlich müßen drey seyn zierlich klein zu nennen:

Die nase muß man erst deßwegen loben können:

Die brüste gleiches falls die eine hand spannt ein;

Die gipffel müßen drauff gleich kleinen erdbeern seyn.

Wann dann der leib gebildt in solchem schönen wesen

So hat zum wohnplatz ihn die liebe selbst erlesen

Und wann an diesem auch bald diß bald jenes fehlt

So hat Cupido schon ein anders auserwehlt;

Dann wann die schönheit gleich nicht völlig ist zu finden

So kan die freundlichkeit doch alles überwinden:

Der nun die schönheit nicht auff allen gliedern schwebt

Der rath’ ich daß sie sich durch freundlichkeit erhebt.

Hie seht ihr schönstes volck wodurch ihr schön zu nennen

Werdt ihr ins künfftige mir besser nachricht gönnen

Soll meine feder euch zum dienst seyn angewand

Wenn ihr dieselbe führt mit eurer schönen hand.