Abbildung einer tugendhafften wittib

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Written 1647-01-01 - 1647-01-01

Sie ist ein rauten-zweig an den kein gifft sich leget

Ein feld das ehren-preiß vor liebe-stöckel träget.

Ein keuscher wunder-strahl der sonne wahrer zucht

Da die gelegenheit sich zu verbergen sucht.

Ein reines paradiß und engel auch daneben

Das keine schlange läst in seiner gegend schweben:

Ein ancker der nach thau des milden himmels schmeckt:

Ein gleiches spiegel-glaß das nicht die welt befleckt:

Ein pfenning der nicht mehr als ein gepräge leidet:

Ein schaf das allzeit sich in himmels-schlüsseln weidet;

Und dessen keuscher leib nur einen hirten kennt;

Ein weisses ehren-licht so Gott zu dienste brennt.

Ein geist der sich mit nichts als einsamkeit vermählet:

Ein hertze von der zucht zu einem thron erwählet:

Der laster sterbe-hauß der tugend schloß und sitz

Daran der himmel schreibt: allhier wohnt nichts als witz.

Ein bergwerck so nur gold der reinigkeit will leiden

Und falsche rechnung heist von seinen grentzen scheiden.

Ein fluß der weder wind noch fremdes wasser trübt

Und Gott von dem er kommt sich wieder gantz ergiebt.

Ein etwas das fast nichts der freyheit gleiche schätzet

Und keiner steine glantz vor dieses kleinod setzet;

Ein haus in dem der geist von oben hofstadt hält

Und alles diesem wirth als magd zu fusse fällt.

Ein leit-stern zu der zucht ein sturm vor böse lüste.

Der tugend festes land der sünden eine wüste.

Itzt schließ ich dieses bild in keusche reimen ein

Es ist ein heiligthum das nicht geküst will seyn.