Abend-Lied.

By Heinrich Mühlpfort

Gott ich will dir itzt lobsingen

Und mein Opffer tragen für

Herr O hülff und laß gelingen

Daß ich dancke nach Gebühr

Deiner treuen Vater-Hand

Die Du stets auf mich gewandt

Daß mich heut und alle Tage

Nicht gequälet Angst und Plage.

Licht und Sonn ist itzt vergangen

Aber deine Wolthat nicht

Die von ewig angefangen

Und ohn Endschafft aufgericht

Uber deine Christenheit

Daß sie sich zu jederzeit

In der Noth hab zu erfreuen

Weil du Gnad und Hülff wilst leyhen.

Ach verzeyhe meinen Sünden

Die ich gar nicht zehlen kan

Laß mich bey dir Zuflucht finden

Nimm dich mein O Helffer an.

Ausser dir ist ja kein Schutz

Der uns Armen kömmt zu Nutz

Und uns mächtig kan behüten

Für des bösen Feindes Wüten.

Ich kan mich nichts Gutes rühmen

Und kein Glied ist ohne Schuld

Meine Laster muß verblümen

Deines Sohnes Lieb und Huld

Der für mich am Creutzes-Stamm

Als wie ein unschuldig Lamm

Alle Missethat gebüsset

Und der Strafe Pein versüsset.

Herr ich beichte mein Verbrechen

Das ich nicht zu nennen weiß

Muß mit tieffen Seuffzen sprechen

Die erprest der Busse Schweiß

Geh mit mir nicht ins Gericht

Denn ich weiß daß ich sonst nicht

Kan für deinem Thron bestehen

Sondern muß zu Grunde gehen.

Sende deiner Engel Schaaren

Wenn ich schlaf und sicher ruh

Laß mich ihre Hut bewahren

Daß mir kein Feind Schaden thu’.

Von dem Bette zu dem Grab

Trett ich nun im Wechsel ab

Und diß Vorbild lehrt mich eben

Munter meinen Geist aufgeben.

Ich befehl in deine Hände

Diese Handvoll meiner Jahr.

Gieb mir ein vernünfftig Ende

Und daß ich von hinnen fahr

In die Freude die kein Ohr

Nie gehöret und zum Chor

Das kein einzig Mensch vernommen

Biß er selber drein ist kommen.

Segne GOtt des Geistes Gaben

Schencke mir der Weißheit Schatz

Ich mag nicht groß Reichthum haben

Denn das macht den Lastern Platz.

Gieb mir mein bescheiden Theil

Und von oben Glück und Heil.

So wird nie mein Mund sich sperren

Dich zu preisen seinen HErren.