Abend-Lied.
Gott ich will dir itzt lobsingen
Und mein Opffer tragen für
Herr O hülff und laß gelingen
Daß ich dancke nach Gebühr
Deiner treuen Vater-Hand
Die Du stets auf mich gewandt
Daß mich heut und alle Tage
Nicht gequälet Angst und Plage.
Licht und Sonn ist itzt vergangen
Aber deine Wolthat nicht
Die von ewig angefangen
Und ohn Endschafft aufgericht
Uber deine Christenheit
Daß sie sich zu jederzeit
In der Noth hab zu erfreuen
Weil du Gnad und Hülff wilst leyhen.
Ach verzeyhe meinen Sünden
Die ich gar nicht zehlen kan
Laß mich bey dir Zuflucht finden
Nimm dich mein O Helffer an.
Ausser dir ist ja kein Schutz
Der uns Armen kömmt zu Nutz
Und uns mächtig kan behüten
Für des bösen Feindes Wüten.
Ich kan mich nichts Gutes rühmen
Und kein Glied ist ohne Schuld
Meine Laster muß verblümen
Deines Sohnes Lieb und Huld
Der für mich am Creutzes-Stamm
Als wie ein unschuldig Lamm
Alle Missethat gebüsset
Und der Strafe Pein versüsset.
Herr ich beichte mein Verbrechen
Das ich nicht zu nennen weiß
Muß mit tieffen Seuffzen sprechen
Die erprest der Busse Schweiß
Geh mit mir nicht ins Gericht
Denn ich weiß daß ich sonst nicht
Kan für deinem Thron bestehen
Sondern muß zu Grunde gehen.
Sende deiner Engel Schaaren
Wenn ich schlaf und sicher ruh
Laß mich ihre Hut bewahren
Daß mir kein Feind Schaden thu’.
Von dem Bette zu dem Grab
Trett ich nun im Wechsel ab
Und diß Vorbild lehrt mich eben
Munter meinen Geist aufgeben.
Ich befehl in deine Hände
Diese Handvoll meiner Jahr.
Gieb mir ein vernünfftig Ende
Und daß ich von hinnen fahr
In die Freude die kein Ohr
Nie gehöret und zum Chor
Das kein einzig Mensch vernommen
Biß er selber drein ist kommen.
Segne GOtt des Geistes Gaben
Schencke mir der Weißheit Schatz
Ich mag nicht groß Reichthum haben
Denn das macht den Lastern Platz.
Gieb mir mein bescheiden Theil
Und von oben Glück und Heil.
So wird nie mein Mund sich sperren
Dich zu preisen seinen HErren.