Abend-Vergnügen in dem Walde.

By Barthold Heinrich Brockes

Nachdem ich nun, mit süsser Lust, des angelegten Waldes

Pracht,

Nebst vielen Fremd- und Eingesessnen, des Tages ofter-

mahl genossen,

Ward einst von mir, ein’ Abend-Freude und ein Vergnü-

gen in der Nacht

Beym Mond-Schein auch darin zu suchen, mit allen Mei-

nigen, beschlossen.

Der Vorsatz nun ward durch das Wetter, das still und

lieblich, so beglückt,

Daß die Gesellschaft, durch die Anmuht der hellen Schat-

ten, recht erquickt

Und ungemein vergnüget ward. Wir sahn zuerst recht

wunderschön,

Durch das erleuchtete Gebüsche, der Sonnen herrlichs

Untergehn,

Das, wo nicht alle, doch verschiedne zu einer süssen An-

dacht führte,

Indem man in der Herrlichkeit die Majestät des Schöp-

fers spürte.

Kaum sah man ihrer Strahlen Gold mit Farben, Gluht

und Glanz verschwinden,

Fing ein geschwächtes Dämmrungs-Licht sich überall an

einzufinden.

Den an sich kühlen, schattigten, belaubten und verwachs-

nen Wald

Beherrschte, wie das schnelle Heer der Schatten sich

verlohren hatte,

Fast sonder Schwärz und Dunkelheit, ein allgemeiner

klarer Schatte,

Der unvermerkt sich sanft vermehrte, und mählig immer

starker kam,

Inzwischen der vergeh’nde Glanz die schönen Farben mit

sich nahm.

Ein ungewisses dämmrigt Licht umgab, durchdrang, be-

saß, bedeckte

Die Wipfel, Aeste, Blätter, Zweige und Stämm’ an ei-

nem jeden Baum,

An diesem angenehmen Ort, erfüllete den ganzen Raum

Mit einer sanften holden Stille und süssem Grauen, das

nicht schreckte,

Wohl aber, nebst der linden Kühlung, dem Geist und

Cörper Lust erweckte,

Die uns zu einer innern sanften und linden Anmuht An-

laß gab.