Abend-Wunsch.
Der Sonnen-Licht ist nun in seine See gesenckt
Der Himmel hat den Schmuck der Sternen aus ge-
Und läst sie uns zu Trost in grosser Anzahl brennen
Wer wolte GOttes Macht und Weißheit nicht erkennen?
Die unerforschlich ist und die kein Mensch nicht kan
Wie klug er immer ist begreiffen inn’ und an.
Dir sag’ ich grosser GOtt von gantzem Hertzen Danck
Und rühme deine Güt’ ohn’ End’ und Lebens-lang.
Dir singet itzt mein Mund und opffert meine Seele
Den Weyhrauch wahrer Reu. Verschmähe nicht die Höle
Aus der es zu dir steigt. Ich weiß ja mehr als wohl
Daß man ein reines Hertz dem HErren bringen soll.
Hier lig ich seufzende und beichte meine Schuld
O HErr der Ewigkeit ach habe doch Geduld
Und geh nicht ins Gericht mit deinem armen Knechte.
Wer wolte doch bestehn für deinem strengen Rechte?
Kein Mensch ist ohne Fleck und niemand ohne Sünd
So viel man auf der Welt der gross- und weiten findt.
Wie oft ich dich zur Ruh und Zorn mein GOtt gebracht
Das ist mir wol bewust: Kein Tag und Nacht
Geht ohne Frevel weg. Ich habe dich verlassen!
Nun muß ich selber mich und meine Thorheit hassen.
Wer hilfft mir auf der Welt? die vor die beste war
Nu meine Seele schmacht in Zittern und Gefahr.
Mir hat vor Gottesfurcht der Jugend Lust beliebt:
Nu aber seh’ ich auch was es vor Nutzen giebt.
Mich hat der Bösen Schaar mehr als dein Volck erquicket
Mein eigen Fleisch und Blut das hat mich so bestricket
Daß ich die Uppigkeit und böse Lüste mehr
Geschätzet als dein Wort und deines Ruhmes Ehr.
Ich war in Eitelkeit ersoffen gantz und gar
Mich konte weiter nichts als Jrdisches ergetzen
Ich spottete dein Wort und half die jenen hetzen
So deiner Herrlichkeit erban’ten ein Altar.
Ja ich blieb so vertiest in meiner Eitelkeit
Und trotzte keck und kühn durch meine Lebens-Zeit.
Nu klagt mich eigne Schuld und mein Gewissen an
Wie ich verderbter Mensch nichts Gutes je gethan.
Ich scheu und schäme mich für dich O GOtt zu treten
Erhöre nur mein Flehn und mein inbrünstig Beten.
Ach wasch! ach wasche mich von meinen Sünden rein
Und laß mich endlich noch zur Gnaden-Thüren ein.
Vergib absonderlich was ich auch diesen Tag
Vor Laster die ich ja kaum nennen kan und mag
Mein HErr und GOtt verübt. Bewahre meine Glieder
Und gib mir Schlaf und Ruh daß ich dich morgen wieder
Von neuem preisen kan. Verbeut dem bösen Geist
Daß er mich nicht verführt und in sein Netze reist.
Bewahre mich und die so du mir zugesellt
Ach segne doch mein HErr uns Armen auf der Welt.
Befördre meine Müh laß sie ihr Ziel erlangen
Und dämpffe dessen List der mächtig uns zu fangen
So sollt du fort für fort O grosser GOtt allein
Mein erst’ und letztes Lied Anfang und Ende seyn.