Abends unter der Linde.

By Gotthard Ludwig Kosegarten

Woher, o namenloses Sehnen,

Das den beklemmten Busen presst?

Woher, ihr bittersüssen Thränen,

Die ihr das Auge dämmernd nässt?

O Abendroth, o Mondenblitz,

Flimmt blasser um den Lindensitz!

Es säuselt in dem Laub der Linde;

Es flistert im Akazienstrauch.

Mir schmeichelt süss, mir schmeichelt linde

Des grauen Abends lauer Hauch.

Es spricht um mich, wie Geistergruss;

Es weht mich an, wie Engelkuss.

Es glänzt, es glänzt im Nachtgefilde.

Der Linde graue Scheitel bebt —

Verklärte himmlische Gebilde,

Seyd ihr es, die ihr mich umschwebt?

Ich fühle eures Athems Kuss,

O Julie! o Emilius!

Bleibt, Sel'ge, bleibt in eurem Eden!

Des Lebens Hauch bläst schwer und schwül

Durch stumme leichenvolle Öden.

Elisium ist mild und kühl.

Elisium ist wonnevoll —

Fahrt wohl, ihr Trauten! fahret wohl!